Gemüse aus Feulersdorf Reiche Ernte dank helfender Hummeln

FEULERSDORF. Seit rund zwei Jahren betreibt Fritz Boss in Feulersdorf bei Wonsees im Landkreis Kulmbach seine gigantischen Gewächshäuser. Seine kleinsten Mitarbeiter können sogar fliegen.

Seit 2017 baut  Gärtnermeister Fritz Boss dort Gurken, Tomaten und Paprika an. Dass die Wahl auf Feulersdorf fiel, hat der Herr über 90.000 Quadratmeter überdachter Anbaufläche besonderen Umständen zu verdanken: „Wir hatten eigentlich vor, unsere Gewächshäuser im benachbarten Fesselsdorf zu bauen, das zur Gemeinde Weismain gehört, aber das hat letztendlich nicht geklappt“, erzählt Fritz Boss.

Der Unternehmer sah sich mit Protesten einer Bürgerinitiative konfrontiert. Die Initiative befürchtete unter anderem, dass zu viel Brunnenwasser abgepumpt wird, so dass die Bäume in der Umgebung Schaden erleiden. „Wir nutzen lediglich zwischen zwei und drei Prozent Brunnenwasser“, stellt Fritz Boss in diesem Zusammenhang klar. „Hier in Feulersdorf haben wir riesige Regenrückhaltebecken, die 80.000 Kubikmeter Wasser speichern können. Das wenige Brunnenwasser benötigen wir nur, um gegebenenfalls die Salze im Wasser zu regulieren“, erklärt Boss.

„Ich bin mir sicher, nicht wir haben den Ort gefunden, sondern der Ort hat uns gefunden“, schwärmt Boss im Nachhinein und erklärt: „Wir sind hier auf einer Höhe von 475 Metern und finden ideale Bedingungen vor.“  

Die Baustellenrunde

So produzierte das Unternehmen schon in der ersten Runde zwischen Januar und November 2018 bereits 2000 Tonnen Tomaten, 800 Tonnen Paprika und 1000 Tonnen Gurken. „Wir haben die erste Runde Baustellenrunde genannt, weil wir uns noch einspielen mussten und auch noch nicht alles fertig war. Für 2019 wollen wir unseren Ertrag um zehn Prozent steigern“, sagt Fritz Boss, der hochzufrieden ist.  

Erntezeit ist in den Gewächshäusern das ganze Jahr über. Da Tomaten zum Beispiel im Zehn-Wochen-Rhythmus reifen, steht immer Gemüse zur Verfügung: „Wenn wir hinten fertig sind anzupflanzen, können wir vorne schon abernten, das geht ineinander über“, erklärt der Gemüse-Bauer.  

Lesen Sie zum Thema:

Das Unternehmen stellt nach Aussage von Fritz Boss hohe Anforderungen an sich selbst, gerade was das Thema Energieeffizienz angeht. „Wir haben einen Erdgasmotor bei uns installiert, der unsere Pflanzen in Teilbereichen mit Licht versorgt und unsere Gewächshäuser allein über seine Abwärme heizt. Unser südlicher Komplex ist gar nicht künstlich beleuchtet – hier sind wir auf Sonnenlicht angewiesen.“ 

 Fritz Boss leitet das Unternehmen gemeinsam mit seinem Cousin Stefan Scherzer, was für ihn gerade in der Anfangszeit in Feulersdorf von Vorteil war: „Wir können uns blind aufeinander verlassen. Auch mein Onkel Peter Scherzer hat auf der Baustelle mit angepackt.“

Schweißtreibende Angelegenheit

20 der insgesamt 80 Mitarbeiter sind aus der Region, der Rest kommt von außerhalb, hauptsächlich aus Rumänien. Bei bis zu 40 Grad im Sommer ist das Arbeiten in den Gewächshäusern eine schweißtreibende Angelegenheit, die zu leisten nicht jeder bereit ist. Deshalb ist das Unternehmen auf ausländische Arbeitskräfte angewiesen. 

 Eine besondere „Mitarbeitergruppe“ ist für das Bestäuben der Pflanzen zuständig und bringt damit den Wachstumsprozess des Gemüses erst in Gang. Auch diese Mitarbeiter haben ihre Unterkünfte auf dem Gelände – mit dem feinen Unterschied, dass sie sogar direkt an ihrer Arbeitsstelle übernachten: Hunderte von Hummeln wohnen in geräumigen Kästen, die an Stützpfeilern oberhalb der Pflanzen angebracht sind.

Ohne sie würde die Produktion stillstehen: „Unsere Hummeln sind speziell für ihren Job gezüchtet und bestäuben hier die Tomatenpflanzen“, sagt Boss. Um fliegen zu können, benötigen die Hummeln Wärme, nach Möglichkeit Sonnenlicht.

Wie auf seine Mitarbeiter, ganz gleich ob Mensch oder Hummel, ist Boss auf die Kraft der Sonne angewiesen: „Von der Sonne sind wir sehr abhängig. In den vergangenen drei Wochen ist sie sehr wenig herausgekommen. Das merken wir sofort, vor allem am Flugverhalten der Hummeln.“ 


Helfende Hummeln

Die Hummelart Natupol Excel wurde für Kulturen mit einer großen Anzahl an Blüten gezüchtet, zum Beispiel für Cherry- und Snacktomaten und Erdbeeren sowie für unter Kunstlicht oder in wärmerer Umgebung angebaute Kulturen. Nach ihrer Freilassung beginnen die Arbeiterinnen direkt mit dem Bestäuben der Pflanzen. Sie werden von weiteren Arbeiterinnen unterstützt, die in den Wochen nach der Einführung schlüpfen. Der Kasten enthält eine größere Menge Zuckerwasser, abgestimmt auf die Bedürfnisse der Kultur. Hierdurch haben die Hummeln mehr Energie, um ihr eigenes Mikroklima zu regulieren. Da der Kasten ein großes Hummelvolk beherbergt, braucht es auch mehr Kühlung. Aus diesem Grund verfügt er über modifizierte Lüftungsöffnungen für eine verbesserte Belüftung.

 

0 Kommentare

Kommentieren

  1. Passwort vergessen?
  2. * = Pflichtfeld
Sie haben noch keinen Benutzer-Zugang? Jetzt registrieren!

Wenn Sie einen Kommentar verfassen, so wird dieser unter Ihrem Klarnamen, also dem von Ihnen angegebenen Vor- und Nachnamen veröffentlicht. Sollte Ihr Kommentar nicht sofort erscheinen, bitten wir Sie um etwas Geduld. Wir behalten uns vor, Kommentare vor der Veröffentlichung zu prüfen. Bitte beachten Sie hierzu auch unsere Netiquette.

loading