Gemeinderat distanziert sich von Beschluss

Der Weidenberger Gemeinderat distanzierte sich von Beschluss zur Ehrenbürgerwürde für Gauleiter Hans Schemm aus dem Jahr 1933. Foto: Archiv

Es ist strittig, ob Hans Schemm je Ehrenbürger von Weidenberg war. Aber sollte das der frühere Gauleiter der Nationalsozialisten jemals gewesen sein, so wäre er es jetzt nicht mehr. Der Gemeinderat distanzierte sich am Montagabend von einem Beschluss aus dem Jahr 1933. Bürgermeister Hans Wittauer äußerte sich noch einmal zum Disput, der dem vorausgegangen war.

Am 5. März 1933 hatte der letzte frei gewählte Weidenberger Gemeinderat beschlossen, Hans Schemm die Ehrenbürgerwürde anzutragen. Einstimmig hatten die demokratisch gewählten Räte, unter ihnen nur eine Minderheit von Nationalsozialisten, den Beschluss gefasst. Davon hat sich der heutige Gemeinderat am Montagabend fast 84 Jahre später nun distanziert. Ebenfalls einstimmig.

„Wir haben das Recht und die Pflicht, uns von solchen Beschlüssen distanzieren“

Bürgermeister Hans Wittauer ging noch einmal kurz darauf ein, wie sich der Sachverhalt aus seiner Sicht darstelle. Fakt sei, dass der damalige Gemeinderat dem Gauleiter Hans Schemm die Ehrenbürgerwürde angetragen habe. „Wir haben das Recht und die Pflicht, uns von solchen Beschlüssen distanzieren“, sagte Wittauer in der Sitzung. Der Beschluss sei „Geschichte, die wir nicht geschrieben haben“. Nichtsdestotrotz sei der Beschluss ein Teil der Weidenberger Historie.

Der Bürgermeister hält daran fest, Schemm sei nie Ehrenbürger von Weidenberg gewesen. Dies hätten weitere Nachforschungen im Staatsarchiv ergeben. Dem Beschluss war ein Disput um Schemms Ehrenbürgerwürde vorausgegangen. Denn diese wird nicht mit einem Ratsbeschluss verliehen, sondern erst, wenn der Geehrte durch ein offizielles Organ der Gemeinde Kenntnis davon erlangt.

Wusste Schemm von seiner Ehrenbürgerwürde?

Ob das bei Schemm der Fall war – etwa durch die Übergabe einer Urkunde, die noch in Auftrag gegeben worden war – ist aber nicht dokumentiert (wir berichteten). Der Pfarrer im Ruhestand Jürgen-Joachim Taegert hat sich ausführlich mit dem Thema befasst und vertritt die Ansicht, Schemm habe von dem Beschluss gewusst. Schließlich habe er bis zu seinem Tod 1935 enge Kontakte ins Weidenberger Rathaus gepflegt.

In der Auseinandersetzung zwischen Taegert und Wittauer waren die Worte „Geschichtsfälschung“ und „Geschichtsklitterung“ gefallen. In der Gemeinderatssitzung am Montag sagte Wittauer: „Ich wollte in keinster Weise noch lebende Personen diskreditieren.“ Auf Nachfrage, ob er damit Taegert meine, sagte er: „Ich meine damit jeden, der sich angesprochen fühlt.“

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