Geldanlage mit Aktien "Fünf Prozent Rendite sollten es schon sein"

Dekabank-Chefvolkswirt Ulrich Kater. Foto: Dekabank/Kerstin Hoffmann-Buhr/dpa

FRANKFURT. Sind Aktien nur etwas für Großverdiener? Oder können auch kleine Sparer damit gute Gewinne machen? Wir fragen nach bei Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Dekabank.

Die Deutschen mögen keine Aktien. Warum? 

Ulrich Kater: Aktien spielen ihre Stärke nur über viele Jahre hinweg aus. In der überwiegenden Zeit, wenn es an den Märkten ruhig zugeht, tun die Aktienkurse das, wofür sie da sind: Sie bilden die Ertragskraft der dahinter stehenden Unternehmen ab. Dividenden werden gezahlt, die Kurse steigen moderat an. Wenn es zwischendurch mal runter geht an den Märkten, dann stehen die Aktien plötzlich im Fokus der Diskussion und es sieht es so aus, als könnte man mit Aktien nur Pleiten, Pech und Pannen erleben.

Daher das negative Bild?

Kater: Ja, daher haben die meisten Sparer ein negatives Bild von Aktien. Die Zahlen sprechen aber eine andere Sprache: In den letzten 30 Jahren lagen Aktien mit einer durchschnittlichen Steigerung von über acht Prozent pro Jahr gegenüber allen anderen breiten Anlagemöglichkeiten vorne.

Friedrich Merz möchte das Aktiensparen steuerlich begünstigen. Eine gute Idee?

Kater: Ja, für die Alterssicherung ist das eine gute Idee. Denn es braucht Anreize, um Aktien lange zu halten, damit trotz der zwischenzeitlichen Marktschwankungen ihre langfristigen Renditevorteile zum Tragen kommen.

Ein Steuer-Köder könnte Aktien interessanter machen? 

Kater: In den Ländern, in denen das Aktiensparen weiter verbreitet ist, sind die Sparer nicht etwa schlauer oder finanziell gebildeter als es die Menschen in Deutschland sind. Vielmehr waren es solche steuerlichen Anreize oder andere Förderungen, die über viele Jahre hinweg dazu geführt haben, dass viele Haushalte, ob vermögend oder weniger vermögend, langfristig in Aktien sparen.

Merz ist Aufsichtsratschef des größten globalen Vermögensverwalters Blackrock in Deutschland. Da gibt es Probleme mit der Glaubwürdigkeit, oder?

Kater: Das kommt wohl darauf an, was man generell für ein Bild von Politikern und Entscheidungsträgern in der Wirtschaft hat. Wer meint, dass diese nur zum Schaden anderer arbeiten, wird hier Glaubwürdigkeitsprobleme feststellen. Aber warum sollten auf der anderen Seite nicht auch Aufsichtsräte von globalen Vermögensverwaltern Ideen haben, die für das ganze Land sinnvoll sind?

Aktiensparen ist vor allem für junge Menschen attraktiv?

Kater: Aktiensparen ist insbesondere ein Instrument für die Altersvorsorge oder für den langfristigen Erhalt bestehender Vermögen. Junge Menschen haben meistens wenig Besitz, aber einen Bedarf, Vermögen für später aufzubauen. Hier kommt es wesentlich auf die Zeit an, die zur Verfügung steht.

Wie lange?

Kater: Je länger, desto besser. Wer einmal einen Aktienkurs eines Unternehmens von heute mit dem von vor 30 Jahren vergleicht, bekommt das plastisch vor Augen geführt.

Aktien können die Rente gut ergänzen?

Kater: Unsere Rente im Umlageverfahren ist ein sehr gutes Alterssicherungssystem. Mit ihren Beiträgen bezahlen die heute im Berufsleben Stehenden die Rente der Ruheständler und bekommen selbst dann von der nach ihnen arbeitenden Generation ihre Rente bezahlt.

Das System ist stabil?

Kater: Das gesetzliche System wird in den kommenden 20 Jahren überstrapaziert, da das Verhältnis von den Aktiven zu den Rentnern demografisch bedingt immer unsymmetrischer wird. Das wird dazu führen, dass die gesetzliche Rente künftig relativ zum aktiven Einkommen geringer ausfallen wird. Diese Lücke kann umso besser ausgefüllt werden, je früher man mit kleinen regelmäßigen Sparbeträgen gegensteuert.

Man kann mit 50 oder 100 Euro im Monat über mehrere Jahrzehnte hinweg ein kleines Vermögen schaffen?

Kater: Nehmen wir das Beispiel eines Sparplans über monatlich 100 Euro mit 40 Jahren Laufzeit. Bei einer durchschnittlichen Rendite von fünf Prozent, was bei Aktien über einen Zeitraum von vielen Jahren durchaus realistisch ist, hat man am Ende der Laufzeit ein Vermögen von über 150.000 Euro.

Aber die Gebühren der Fondsgesellschaften sind oft sehr hoch.

Kater: Anlegen in Aktien ist etwas aufwändiger als Sparen auf dem Konto. Wer genug Interesse und Kenntnisse dafür mitbringt und den ganzen Tag dafür Zeit hat, kann es auch selbst versuchen. Wie bei so vielen anderen Dingen im täglichen Leben auch, kann man aber nicht alles selber machen, sondern kauft es ein. Das kostet Geld. Auch das Management, die Verwahrung, die Buchung, die Abrechnungen, die Kontrolle von Aktiengeschäften kosten Geld. Daher die Gebühren. Aktien bleiben im Vergleich zu anderen Anlageformen überlegen. Deshalb macht es wenig Sinn, nur wegen der Gebühren keinen Fonds zu kaufen und das Geld unverzinst auf dem Konto liegen zu lassen.

Aktien werfen auf lange Sicht betrachtet immer gute Gewinne ab?

Kater: Wahrscheinlich nicht mehr eine durchschnittliche jährliche Rendite von über acht Prozent, die die großen deutschen Aktiengesellschaften einschließlich der Dividende in den letzten 30 Jahren gebracht haben. Aber fünf bis sechs Prozent sollten es schon sein. Und das in dieser zinslosen Zeit, die noch lange anhalten wird.

Welche Aktien, welche Branchen, welche Regionen?

Kater: Die erste und wichtigste Entscheidung für einen Sparer ist erst einmal, gedanklich einen langen Zeithorizont für sein Aktienpaket einzuplanen. Danach ist sicherzustellen, dass im Paket eine ausreichend große und gut ausgewogene Mischung von Aktien enthalten ist. Die konkrete Auswahl der Branchen und Regionen ist eine Sache für Spezialisten. Diese Auswahl wird sich mit der Zeit ändern. Gegenwärtig beispielsweise gibt es gerade einen Wechsel von schnell wachsenden Technologieunternehmen hin zu guten Industrieunternehmen oder gar vermeintlich langweiligen Konsumgüterunternehmen. Das kann aber in einem oder in zwei Jahren wieder anders aussehen.

Handelskrieg, Brexit, Schuldenkrise: Steuern wir nicht auf den großen Crash zu? 

Kater: Im 20. Jahrhundert haben die USA zwei Weltkriege, eine wirtschaftliche Depression, viele Rezessionen, Finanzpaniken, Grippeepidemien, Ölschocks und viele weitere Erschütterungen erlebt. Und trotzdem ist der Dow Jones Index von etwa 70 Punkten auf über 25.000 Punkte angestiegen.

 

0 Kommentare

Kommentieren

  1. Passwort vergessen?
  2. * = Pflichtfeld
Sie haben noch keinen Benutzer-Zugang? Jetzt registrieren!

Wenn Sie einen Kommentar verfassen, so wird dieser unter Ihrem Klarnamen, also dem von Ihnen angegebenen Vor- und Nachnamen veröffentlicht. Sollte Ihr Kommentar nicht sofort erscheinen, bitten wir Sie um etwas Geduld. Wir behalten uns vor, Kommentare vor der Veröffentlichung zu prüfen. Bitte beachten Sie hierzu auch unsere Netiquette.

loading