Gegendemonstranten feierten nach dem Motto "Fasching statt Faschismus" Wunsiedel wehrt sich mit Humor gegen Neonazis

Mit Humor und Verkleidung gegen Rechtsextremismus: Wunsiedler zeigten sich einfallsreich. Foto: Lapp

Masken, Musik und gute Laune – so demonstrierten am Samstag einige hundert Wunsiedler gegen Rechtsextreme der Partei Der dritte Weg. Friedlich und laut lieferten sie die Geräuschkulisse, während 108 Rechtsextreme durch die Stadt zogen, um an die Bombardierung von Dresden vor 70 Jahren zu erinnern.

Cowboys, eine Banane und Indianer – die Bürgerinitiative „Wunsiedel ist bunt“ mit ihren etwa 250 Gegendemonstranten auf dem Rathausplatz war auf Fasching und gegen Rechtsextreme eingestellt. Und sie hatten zwei Lieblingslieder: „Schwarzbraun ist die Haselnuss“, in dem sie Neonazi-Gedankengut veralberten. Und „Von den blauen Bergen kommen wir“. Refrain: „…wir wollen keine Neonazis hier“. Faschingslieder, Tröten und ein lauter Tusch – die Wunsiedler scheinen den richtigen Ton im Umgang mit den Rechtsextremen gefunden zu haben.

Mehr Gegendemonstranten als Rechtsextreme

„Wir haben schon ein wenig Routine“, sagt Wilfried Kukla (62), der Versammlungsleiter. Schon vor Jahren hatten sie die Rechten mit Ballons oder Konfetti begrüßt. „Wir haben Flagge gezeigt“, sagt Kukla, der mit der Zahl der Gegendemonstranten „sehr zufrieden“ war. Denn im nahen Marktredwitz und in Schönbrunn waren große Faschingszüge. Aber in Wunsiedel sei „die Stimmung sehr gut“ gewesen, und das „Programm hat gepasst“. Ziel war es, mehr Gegendemonstranten zu mobilisieren als die Rechtsextremen. Das gelang. Als diese in etwa 20 Metern am Rathausplatz vorbeizogen, sangen die Gegendemonstranten.

Nach Angaben von Tony Gentsch (30), einem Führungsmitglied der Partei Der dritte Weg, seien genau 108 zum Gedenkmarsch gekommen. Zwar war die Veranstaltung schon ab 16 Uhr genehmigt, allerdings warteten die Rechten, bis die Sonne untergegangen war. Sie kamen aus der Region, aus Sachsen, aus Südbayern, aus der Schweiz und Tschechien. Erst am Montag hatten sie die Veranstaltung angemeldet, zu kurzfristig, als dass die Bürgerinitiative „Wunsiedel ist bunt“ eine größere Aktion hätte planen können.

Doch scheint Wunsiedel als Aufmarsch-Ort in rechtsextremen Kreisen nicht mehr ganz die Zugkraft zu haben, wie es noch vor einigen Jahren war. Angesichts der Symbolkraft der Stadt zeigten sich einige Teilnehmer enttäuscht von „nur“ 108 „Aktivisten“. Die meisten davon waren eher jünger, nicht älter als 30. Mit Fackeln, Fahnen und ernster klassischer Musik von Wagner und Beethoven zogen sie durch die Stadt.

Polizei sprach lediglich Platzverweise aus

Zu Zwischenfällen kam es nicht, alles blieb friedlich. Im Umfeld der beiden Demonstrationen sprachen laut Polizei die Beamten neun Platzverweise aus. Auf Deutsch: Neun Personen durften nicht mitmachen. Ein Gegendemonstrant hatte sich den Rechten in den Weg gesetzt. Strafrechtlich sei das nicht relevant, hieß es bei der Polizei. „Nur ein kalter Hintern.“

Während auf dem Rathausplatz keine Reden gehalten wurden, gab es bei den Rechten drei davon. Sie kanzelten die Gegendemonstranten als „Alkoholiker“ ab oder als „elendes Häufchen“, deren Veranstaltung sei lächerlich. Die einzigen, die der Toten gedenken würden, seien sie selbst, sagte Rico Döhler (38), der die Veranstaltung angemeldet hatte und Stützpunktleiter von Vogtland der Partei Der dritte Weg ist.

Nicht vorgestellt wurde den Rechten der neue Stützpunktleiter für den Bereich Bayreuth, Hof und Kulmbach. Schon bevor die rechte Plattform Freies Netz Süd im vergangenen Jahr vom bayerischen Innenminister verboten worden war, waren die meisten der Rechtsextremen in die neue Partei eingetreten. Wenig später wurde einer ihrer wichtigsten Planungszentren, ein Haus in Oberprex, beschlagnahmt. Allerdings zeigte der Aufmarsch, dass damit deren Organisationsfähigkeit nicht zerstört wurde. Einer der Redner kündigte auf der Schlusskundgebung vor dem Bahnhof an, es werde weitere Veranstaltungen „auf der Straße“ geben.

 

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