Gegen neues Gewerbegebiet Protest in Himmelkron wird lauter

Mehr Verkehr und mehr versiegelte Flächen will der Bund Naturschutz in Himmelkron nicht hinnehmen. Die Ortsgruppe möchte das geplante Gewerbegebiet zwischen A 9 und B 303 im Norden der Gemeinde verhindern. Foto: Stefan Linß

HIMMELKRON. Um die Auswirkungen unseres Handelns zu sehen, genüge ein Blick aus dem Fenster, sagt Wilhelmine Denk. Felder und Gärten sind verdorrt, die Bäume werfen schon ihre Blätter ab, Mensch und Tier leiden unter der extremen Hitze und der Dürre. Die Himmelkroner Ortsgruppenvorsitzende des Bund Naturschutz warnt vor den Folgen der Erderwärmung und will vor ihrer Haustür etwas dagegen tun. "Es sollen weitere 24 Hektar zubetoniert werden. Wir müssen endlich aufwachen und auf die Vernunft setzen", betont die Umweltschützerin. Eine weitere Flächenversiegelung will sie nicht tatenlos hinnehmen.

Im Norden der Gemeinde zwischen der A 9 und der B 303 will die Gemeinde ein zusätzliches Gewerbegebiet schaffen. Ein privater Träger soll sich um die Erschließung kümmern und dafür bis zu 13 Millionen Euro investieren. Der Träger habe sich bereits mit den Grundstückseigentümern verständigt, sagte Bürgermeister Gerhard Schneider im Gespräch mit unserer Zeitung. Es gehe nun darum, einen Bebauungsplan auf den Weg zu bringen. Nach dem Willen des Gemeinderats können sich Betriebe in den Bereichen Logistik, Handel, Handwerk oder Industrie in Himmelkron-Nord ansiedeln.

"Das bisschen Gewerbesteuer, das wir damit mehr einnehmen, zählt doch in 20 oder 30 Jahren nichts mehr", kritisiert Wilhelmine Denk. "Das Land, das wir unseren Enkeln und Urenkeln hinterlassen, ist dann kaputt", sagt sie und fordert eine Kehrtwende.

Spitzenreiter bei der Landversiegelung

Himmelkron gehöre jetzt schon zu den Spitzenreitern bei der Landversiegelung. Das wirke sich besonders gravierend auf die heimische Landwirtschaft aus. Bauern haben wegen der Trockenheit derzeit schon große Schwierigkeiten, dass sie Futter für ihr Vieh bekommen. Wenn weitere Flächen verschwinden, spitze sich die Lage noch zu. Viele Verbraucher verschlimmern das Problem, indem sie auf möglichst billige Lebensmittel setzen und den Landwirten die Existenzgrundlage rauben.

Die Gemeinde leide darunter, dass der Verkehr ständig zunimmt. Flächenfraß, Artenschwund und Insektensterben seien jetzt schon bittere Realität. Darüber hinaus können als Folge der Flächenversiegelung bei Starkregen häufiger Überschwemmungen passieren, argumentiert die Himmelkronerin.

Aus all den Gründen hält die Ortsgruppenvorsitzende des Bund Naturschutz ein Umdenken für dringend erforderlich. Es seien nicht nur die Steuereinnahmen und Arbeitsplätze, die die Gemeinde zukunftsfähig machen. Den Menschen müsse bewusst werden, dass sie auf Pump der künftigen Generationen leben, weil sie immer mehr Ressourcen verbrauchen.

Die Grundsatzfrage

Dass 24 Hektar fruchtbares Ackerland, eine Fläche so groß wie 35 Fußballfelder, unumkehrbar vernichtet werden sollen - solch eine Zerstörung könne nicht einfach hingenommen werden. Deshalb stellt die Ortsgruppe des Bund Naturschutz die grundsätzliche Frage, ob Himmelkron wirklich noch mehr Gewerbeflächen und Arbeitsplätze braucht.

Von einem schwierigen Spagat spricht Bürgermeister Gerhard Schneider. Er kennt die Vorwürfe, dass die Gemeinde großflächig Land verbraucht. "Das ist nichts Neues. Dafür haben wir schon immer Prügel gekriegt", sagt er. Seine Aufgabe sei es jedoch, die Gemeinde vorwärts zu bringen.

"Wir haben den großen Vorteil, dass die gewerbliche Entwicklung die Bevölkerung wenig tangiert", erklärt der Bürgermeister. Die Flächen erstrecken sich hauptsächlich entlang der Autobahn und der Bundesstraße. Außerhalb und etwas abgelegen davon befinden die Ortschaften Himmelkron, Lanzendorf und Gössenreuth. "Sie liegen idyllisch, eingebettet in die Natur", sagt Schneider. Dort bleiben der Erholungsfaktor und die Natur erhalten.

Bei dem geplanten Gewerbegebiet Himmelkron-Nord handle es sich um die Gössenreuther Flur, die sich in unmittelbarer Autobahnnähe befindet. In einem künftigen Bebauungsplan seien wie üblich auch ökologische Ausgleichsflächen vorgesehen. Dort sei es möglich, die Natur zu schützen und zu erhalten.

Nicht länger tatenlos zuschauen

Die Mitglieder des Bund Naturschutz bleiben bei ihrer Kritik und wollen nicht länger tatenlos zuschauen. Wilhelmine Denk kündigt Aktionen an. Sie will die Bevölkerung umfassend über das geplante Projekt und die möglichen Auswirkungen informieren. Niemand solle am Ende sagen können, dass er von nichts gewusst hat.

1 Kommentar

Kommentieren

  1. Passwort vergessen?
  2. * = Pflichtfeld
Sie haben noch keinen Benutzer-Zugang? Jetzt registrieren!

Wenn Sie einen Kommentar verfassen, so wird dieser unter Ihrem Klarnamen, also dem von Ihnen angegebenen Vor- und Nachnamen veröffentlicht. Sollte Ihr Kommentar nicht sofort erscheinen, bitten wir Sie um etwas Geduld. Wir behalten uns vor, Kommentare vor der Veröffentlichung zu prüfen. Bitte beachten Sie hierzu auch unsere Netiquette.

loading