Gegen die Schweinepest Neue Mülltonnen sollen Wildschweine aufhalten

Noch halten sich die Wildschweine im Wald auf. Doch bald kommen sie zur Futtersuche auf Parkplätze und Siedlungen. Foto: red

HIMMELKRON. Um zu verhindern, dass sich die Afrikanische Schweinepest ausbreitet, hat Himmelkron besondere Mülleimer angeschafft. Ob das gelingt, wird sich in diesem Winter zeigen.  

Seit diesem Frühjahr hat die Gemeinde Himmelkron auf Parkplätzen wildschweinsichere Mülltonnen. Nach anfänglichen Schwierigkeiten zeigt sich die Gemeinde vorsichtig optimistisch, das Problem gelöst zu haben.

Ende März war der Frust noch groß: Die Gemeinde hatte auf Anraten des Jägers Adolf Reinel im Boden verankerte, wildschweinsichere Mülltonnen angeschafft, um die Tiere davon abzuhalten, den Müll zu fressen. Doch statt in den Mülltonnen landete der Unrat daneben.

Aus dem Boden gerissen

Auf den Parkplätzen stehen nachts Lkw mit polnischen, russischen und ukrainischen Kennzeichen – alles Länder, in denen die Afrikanische Schweinepest seit Monaten auf dem Vormarsch ist. Laut dem Jäger ist im September auch in Belgien ein infiziertes Tier entdeckt worden.

Für Reinel war im März schon klar: Die Afrikanische Schweinepest werde auch nach Himmelkron kommen. Er will aber den Fund der ersten infizierten Sau so weit wie möglich hinauszögern. Dabei sollten die Mülltonnen helfen.

Kurz nachdem die Mülltonnen aufgestellt worden waren, rissen Unbekannte sie mitsamt der Verankerung aus dem Boden. Mittlerweile nutzen, das stellt der Jäger mit Erleichterung fest, immer mehr Menschen die wildschweinsicheren Mülltonnen. Hin und wieder landet Müll noch neben den Tonnen, „doch so sind die Menschen nun mal“, sagt Reinel. Die Situation habe sich aber schon deutlich gebessert.

Das sieht auch Himmelkrons Bürgermeister Gerhard Schneider so: „Von den Mitarbeitern des gemeindlichen Bauhofs kamen in letzter Zeit keine Meldung mehr, dass viel Müll neben die Tonnen geworfen wurde.“ Die Gemeinde Himmelkron reinige diese Hochrisikobereiche regelmäßig, denn an den Seitenstreifen und Parkplätzen treffen sich Menschen aus der ganzen Welt. „Sie können den Erreger auch nach Oberfranken, tragen“, erklärt Reinel.

Gefahr liegt im Müll

Die Gefahr für den heimischen Schwarzwildbestand liegt also im Müll: Der Erreger haftet an Lebensmitteln, Schuhen oder der Kleidung der Menschen, in deren Herkunftsländern die Seuche bereits grassiert. Sobald ein Wildschwein beispielsweise eine mit der Schweinepest verunreinigten Semmel frisst oder mit dem Erreger anderweitig in Kontakt kommt, ist es infiziert – und kann viele andere Schweine mit dem für Menschen und andere Tiere wie Hunde und Katzen ungefährliche Krankheit anstecken und binnen kurzer Zeit unzählige Schwarzkittel töten.

Mit den Maßnahmen, mit denen die Gemeinde Himmelkron den Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest verhindern will, ist der Jäger zufrieden. „Himmelkron ist auf einem guten Weg“, sagt Reinel. „Sicher vor dem Erreger wäre man nur, wenn man jeden Lkw und Pkw aus dem Osten zuschweißt“, aber selbst dann könnte sich die Seuche noch ausbreiten. Auch Detlef Zenk, Leiter der Abfallberatung am Landratsamt Kulmbach, hält dieses Vorgehen für richtig: „Wildschweine lernen immer dazu, da ist es wichtig, Mülltonnen zu nutzen, die man nicht umwerfen kann.“

Abzuwarten bleibt, ob sich die Wildschweine in den Wintermonaten wieder näher an die Siedlungen trauen. „Bisher hatten wir keine Beschwerden, denn die sehr trockene Witterung sorgte dafür, dass die Wildschweine mehr im Wald als auf Freiflächen waren, aber das wird sich nun ändern“, sagt Bürgermeister Schneider.


Info: Im Gemeindebereich Himmelkron leben nach Einschätzung des Jägers Adolf Reinel zwischen zwei und drei Rotten, davon umfasst die stärkste etwa 30 Tiere. Derzeit sucht das Schwarzwild nach Eiweiß, denn die Eicheln im Wald reichen nicht aus, um den Bedarf zu decken. Deshalb graben sie Wiesen und Äcker um, um an die Würmer zu gelangen. Und kommen so immer wieder in Kontakt mit Menschen.

 

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