Geduldiger Gegner Medi Bayreuth zu Gast bei punktgleichen Frankfurtern

Die Vielseitigkeit von Frankfurts Erik Murphy (am Ball) macht es den Verteidigern schwer. Foto: Imago/Jan Hübner

BASKETBALL. „Heute bin ich ein glücklicher Mensch. Wir müssen jetzt jedoch einsehen, dass uns das in der BCL helfen wird, aber nicht in der BBL“, sagte Raoul Korner am Mittwoch nach dem Champions-League-Sieg gegen Ostende. Denn am Sonntag um 15 Uhr wartet laut ihm in Frankfurt mit den Skyliners ein anderes Kaliber auf Medi Bayreuth als der belgische Serienmeister.

Wie die Bayreuther ist der 1999 gegründete Verein mit zwei Siegen und drei Niederlagen nicht gerade wie erhofft in seine 20. Bundesligasaison gestartet. Neben den meisten Ballverlusten (im Schnitt über 16) lag das bei den Hessen vor allem daran, dass sie bis zum vergangenen Wochenende mit nur 39,9 Prozent auch die schwächste Trefferquote aus dem Feld hatten – und das als die Mannschaft, die ohnehin am wenigsten auf den Korb wirft (knapp 58 Mal pro Spiel). So ist die magere Ausbeute von durchschnittlich 76 Punkten nicht verwunderlich.

„Es gibt auf jeden Fall Teams, die wilder unterwegs sind. Sie nutzen die Uhr und nehmen sich die Zeit, um konsequent die freien Spieler zu finden“, beschreibt Korner die Spielweise der Skyliners. Diese habe sich im Vergleich zur vergangenen Saison nicht verändert, sondern nur das Personal. „Gordon Herbert zieht seine Philosophie durch, egal mit welchen Spielern“, sagt Korner über seinen Trainerkollegen, der Frankfurt schon 2004 zur Deutschen Meisterschaft geführt hatte.

Etwas hat sich dann aber doch ein wenig verändert. Während der letztjährige Center Mike Morrison ein „Athlet“ und „in Ringnähe zu Hause“ war, ist sein Nachfolger Erik Murphy lieber jenseits der Dreierlinie unterwegs. 18 Mal hat es der 2,08-Meter-Mann bisher von dort probiert und die Hälfte seiner Versuche getroffen (aus dem Zweierbereich 9/14). Im Eurocup, in dem die Skyliners mit vier Siegen und zwei Niederlagen kurz vor dem Einzug in die nächste Runde stehen, bestätigte der finnische Nationalspieler seine aufsteigende Form am Dienstag eindrucksvoll und führte seine Mannschaft mit 33 Punkten (13/16 Würfe, davon 5/6 Dreier) und sieben Rebounds zum 85:75 bei Fiat Turin.

König der Balldiebe

Schon beim 83:79 in der Bundesliga gegen Bonn hatte er die entscheidenden Punkte (am Ende 22) beigesteuert. Bis Mitte des zweiten Viertels hatte Jason Clark bereits 14 Zähler auf dem Konto, ehe der „Scoring-Point-Guard“ eine Sonderbewachung durch Yorman Polas Bartolo erhielt und anschließend nur noch vier Punkte machte, dafür dann aber Brady Heslip heiß lief. Ohnehin ist die Punkteverteilung nach dem Abgang von Liga-Topscorer Phil Scrubb und Tai Webster ausgeglichener. „Alle fünf Positionen können werfen. Das ist schwierig zu verteidigen. Es gibt keinen, auf den man nicht aufpassen müsste“, warnt Korner. Dazu zählt auch das Frankfurter Urgestein Quantez Robertson, dem gegen Bonn Historisches gelang. Der vor zwei Jahren als bester Verteidiger ausgezeichnete Skyliners-Kapitän setzte sich mit Steal Nummer 507 an die Spitze der ewigen Bestenliste vor den heutigen Ulmer Assistenztrainer Tyron McCoy.

„Gegen Ostende haben wir die ganzen 40 Minuten eine konstant gute Leistung gezeigt. Das müssen wir auch in Frankfurt machen, sowohl vorne als auch hinten“, fordert Korner. Der Medi-Coach hofft, den gegen Ostende noch geschonten Steve Wachalski dabei wieder einsetzen zu können.

Korner lobt Stockton und Raivio

Die heftige Kritik von Raoul Korner war wohl nicht nur ein geschickter Schachzug, um David Stockton anzuspornen. Trotz der starken Leistung des Spielmachers gegen Ostende sondieren die Bayreuther weiterhin den Markt, wie der Medi-Trainer gestern erklärte. „Es wird keine Panikaktionen geben, weder in die eine noch in die andere Richtung. Und wir haben ja nie gesagt, dass wir ihn loswerden wollen. Wir arbeiten aber ständig daran, das Team zu verbessern – im Training oder auch von außen. Daran hat sich nichts geändert.“

Erfreulich sei jedoch die Reaktion, die Stockton mit 20 Punkten, drei Rebounds, vier Assists, keinem Ballverlust und dem besten Effektivitätswert (25) gezeigt habe. „Ich habe ihm klargemacht, dass es in den letzten Spielen zu wenig war. Die Art und Weise, wie er damit umgegangen ist, war stark. Fairerweise muss man aber auch sagen, dass die Spielweise der Belgier uns gelegen hat.“ Aber auch vor Nik Raivio müsse Korner seinen Hut ziehen. „Er hatte eine gute Trainingswoche und hat gezeigt, was er kann, obwohl er jetzt lange nicht gespielt hat. Das zeigt, wie viel Charakter er hat. Viele hätten aufgegeben, er hat sogar noch härter an sich gearbeitet. Nik hat uns geholfen, das Spiel zu gewinnen.“

 

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