Gedenken am 27. Januar Geheime Waffenforschung im KZ-Außenlager

Der frühere KZ-Häftling Ernst Hoyer im August 2001 in Bayreuth vor dem Gedenkstein am Hagebaumarkt, der an das frühere Lager erinnert. Der Stein wurde inzwischen Richtung Nordring versetzt. Hoyer starb im Alter von 91 Jahren am 28. November 2006 in den Niederlanden. Foto: Archiv/Peter Engelbrecht

BAYREUTH. In Bayreuth wird am Sonntag, dem 27. Januar, eine Gedenkveranstaltung zum Internationalen Holocaust-Gedenktag stattfinden. An diesem Tag 1945 befreite die Rote Armee das KZ Auschwitz.

Um 13 Uhr wird es eine Veranstaltung am Gedenkstein für die Gefangenen des KZ-Außenlagers Bayreuth zwischen Nordring und Hagebaumarkt geben. Im Anschluss gegen 14 Uhr wird Kurier-Redakteur Peter Engelbrecht in den Räumen der Evangelisch-Reformierten Gemeinde in der Erlanger Straße 29 einen Vortrag über „Waffen für die Nazis. Geheime Kriegsforschung in Oberfranken“ halten. Dabei geht es auch um das KZ-Außenlager in Bayreuth, das sich zwischen Juni 1944 und April 1945 in der Neuen Baumwollspinnerei befand.

Veranstalter des Gedenktages sind die Evangelisch-Reformierte Kirchengemeinde Bayreuth, die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Oberfranken und die Kreisvereinigung Bayreuth der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten.

Engelbrecht wertete zahlreiche unter Verschluss gehaltene Akten der alliierten Geheimdienst aus, die inzwischen freigegeben sind. Die Dokumente liefern ein umfassendes Bild über die Kriegsforschungen unter Ausbeutung von KZ-Häftlingen und Zwangsarbeitern in Oberfranken.

Nach dem Krieg wechselten viele der Wissenschaftler in einer geheimen Aktion in die USA, um dort weiter für die Rüstung zu arbeiten. Akten der Bundespolizei FBI und des Geheimdienstes CIA zeigen, dass die Nazivergangenheit der deutschen Forscher im Kalten Krieg keine Rolle mehr spielte. Sogar Kriegsverbrecher waren willkommen.

Das Flossenbürger KZ-Außenlager in Bayreuth trug den Tarnnamen „Institut für physikalische Forschung“. Insgesamt 85 Häftlinge aus neun Nationen arbeiteten an einer Gleitbombe, die mit Hilfe einer Fernsehkamera ins Ziel gelenkt werden sollte. Bewacht wurde das Lager in einem einstöckigen Flachbau am Rande der Spinnerei von SS-Soldaten.

Der spätere Festspielleiter Wieland Wagner war seit September 1944 als ziviler Beschäftigter im „Institut“ tätig, er soll dort mit Hilfe von KZ-Gefangenen Bühnenbilder entwickelt haben. Genaueres ist nicht bekannt. Sein Schwager Bodo Lafferentz, ein SS-Obersturmbannführer, soll Wieland Wagner dort untergebracht haben, um ihm vor der drohenden Einberufung zu bewahren.

Die Gefangenen mussten nach dem dritten Bombenangriff am 11. April 1945 zu Fuß nach Flossenbürg zurückmarschieren. Die Lenkwaffenforschungen wurden daraufhin im Schloss Neudrossenfeld auf Anordnung der Amerikaner fortgesetzt. Der zivile Leiter des Instituts, der Physiker Werner Rambauske, wechselte 1947 wie auch der Raketenforscher Wernher von Braun im Zuge des geheimen „Project Paperclip“ in die USA, um weiter für die Rüstungsforschung zu arbeiten.

 

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