Gastronomie Fachkräfte dringend gesucht

Dehoga-Neujahrsempfang: Bezirksvorsitzende und Gastgeberin Andrea Luger mit Ralf Barthelmes, Präsidiumsmitglied des Dehoga Bayern. Foto: Stefan Schreibelmayer

BAYREUTH. Die Gastronomen setzen auf den neuen bayerischen Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger. Denn trotz der Tatsache, dass die Übernachtungszahlen in Oberfranken nun schon das vierte Jahr in Folge gestiegen sind, gebe es genug Probleme und Anliegen, hieß es beim Neujahrsempfang des Hotel- und Gaststättenverbands Dehoga in Bayreuth.

Das Thema, das der Branche mit ihren knapp 1000 Betrieben in Oberfranken am meisten auf den Nägeln brennt, ist der Mangel an Fach- und Hilfskräften - und das seit Jahren, sagte Dehoga-Bezirksvorsitzende Andrea Luger. Zwar sei die Zahl der Beschäftigten in Bayern in den vergangenen zehn Jahren von 300.000 auf 400.000 gestiegen, doch reiche das nicht aus: "Unsere Dienstleistungsbranche ist unglaublich arbeitsintensiv", sagte Luger. Die Folge sei, dass viele Betriebe bereits die Öffnungszeiten reduziert oder zusätzliche Ruhetage eingeführt hätten. Eine Entwicklung, die dem Wirtshaussterben auf dem Land weiter Vorschub leiste.

Hoffen aufs Fachkräftezuwanderungsgesetz

In dem Zusammenhang begrüße der Verband das geplante Fachkräftezuwanderungsgesetz, das die Anwerbung von Arbeitskräften aus dem Ausland erleichtern soll. Es müsse jedoch darauf geachtet werden, dass das neue Gesetz nicht zu bürokratisch wird und auch für kleine Betriebe problemlos nutzbar sei, denn die stünden in harter Konkurrenz zu Großbetrieben.

An die eigene Nase fassen

Die Betriebe müssten aber auch selber etwas tun. Zwar habe der deutliche Rückgang an Auszubildenden in Oberfranken von einst rund 900 auf momentan 496 (minus 51 zum Vorjahr) auch mit dem Trend zum Studium und der demografischen Entwicklung zu tun, doch müssten die Gastronomen "ihre Hausaufgaben schon selbst erledigen. Ausbildung muss Chefsache sein, mehr denn je muss in die Ausbildung investiert werden." Auszubildende dürften nicht als reiner Kostenfaktor gesehen werden, der auch noch Arbeit und Mühe mache. "Die Auszubildenden sind unsere Zukunft. Wer jetzt nicht ausbildet, der braucht sich morgen nicht über mangelndes Personal zu beschweren", sagte Luger. Auch der Verband werde seine Anstrengungen in der Nachwuchswerbung nochmals intensivieren.

Dass der Mitarbeitermangel auch mit teils schlechter Bezahlung zu tun haben könnte, bestritt Luger auf Nachfrage. Auch wenn es wie überall das eine oder andere schwarze Schaf gebe, müssten Gastronomen heute ordentlich zahlen, wenn sie überhaupt noch Beschäftigte anwerben oder halten wollten. Hinzu komme das Trinkgeld.

Arbeitszeit: Forderung an Staatsregierung

Luger und Gastredner Ralf Barthelmes, Präsidiumsmitglied des Dehoga Bayern aus Würzburg, forderten die Staatsregierung zu einem Vorstoß im Bundesrat mit dem Ziel auf, das Arbeitszeitgesetz zu flexibilisieren. Statt einer täglichen müsse eine wöchentliche Höchstarbeitszeit möglich sein, um Arbeitsspitzen etwa bei Feiern abfangen zu können. Auch Branchenfremde, die sich abends oder am Wochenende neben ihrem eigentlichen Job noch etwas dazuverdienen wollten, könne man so besser einsetzen, sagte Barthelmes dem Kurier. Bei Festangestellten könne das dann zum Beispiel so geregelt werden, dass diese in der Woche an vier Tagen arbeiten und drei Tage frei haben.

Am Ball bleiben will der Verband beim Gaststättenmodernisierungprogramm, für das Wirtschaftsminister Aiwanger 30 Millionen Euro bis 2020 in Aussicht gestellt hat. Es soll vor allem auch kleinen Betrieben zugute kommen, die Modernisierungen aus eigener Kraft kaum stemmen können. "Das hat Aiwanger versprochen, da nehmen wir ihn beim Wort", sagte Barthelmes.

Übernachtungszahlen

Bis Ende November sind die Übernachtungen in Oberfranken laut Dehoga-Bezirksvorsitzender Andrea Luger um 2,1 Prozent gestiegen, sodass die absolute Zahl für 2018 im Bezirk bei deutlich über fünf Millionen liegen werde. Die Bettenauslastung habe bei 40,3 Prozent gelegen, die durchschnittliche Aufenthaltsdauer bei 2,4 Tagen. In Gesamtbayern lag das Übernachtungsplus sogar bei 4,7 Prozent. Allerdings gab es in Oberfranken regional deutlich Unterschiede, so Luger. So gingen die Übernachtungen in Coburg (minus 5,7 Prozent) und Hof (minus 0,7) zurück, während sie in Bamberg (plus 3,8) und Bayreuth (plus 4,5) deutlich zulegten. Bei den Ferienregionen fiel Coburg-Rennsteig um 3,1 Prozent zurück. Zuwächse gab es im Frankenwald (3,4 Prozent), dem Fichtelgebirge (3,0), der Fränkischen Scvhweiz (2,1) und der Region Obermain-Jura (1,3).

 

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