Ganz viel Bayreuth beim Allstar-Spiel

Sonst gegeneinander, heute miteinander: Die Bayreuther Assem Marei (links) und Nate Linhart (rechts) wollen zusammen mit Oldenburgs Rickey Paulding den Vorjahreserfolg des Teams international wiederholen. Foto: Peter Kolb

Zweifelsohne ist der sportliche Wert des am Samstag (20.30 Uhr) in Göttingen stattfindenden Allstar-Spiels nicht herausragend, Aussagekraft über die aktuellen Kräfteverhältnisse im deutschen Basketball besitzt es aber dennoch. Schließlich sind nahezu alle einsatzfähigen Hauptdarsteller der ersten Bundesliga-Halbserie versammelt. Dass Medi Bayreuth gleich vier Akteure und damit die meisten aller Erstliga-Teams zu dem Spektakel entsendet, ist ein Beleg dafür, welch tragende Rolle die Mannschaft von Trainer Raoul Korner in der nationalen Eliteliga mittlerweile einnimmt.

Alles andere als tragend bewertet der österreichische Coach seine eigene Rolle beim Allstar-Spiel. „Niemand kommt zu einem Allstar-Spiel, um mich coachen zu sehen“, sagt Raoul Korner ganz bescheiden und ergänzt: „Meine Hauptaufgabe ist das Auswechseln, damit alle die etwa gleiche Spielzeit bekommen. In Auszeiten geht es darum, etwas aufzuzeichnen, das sich im Idealfall spektakulär abschließen lässt.“ Raoul Korner ist nach 2017 das zweite Mal mit von der Partie. Vor Jahresfrist führte er die internationale Auswahl zu einem 102:99-Sieg.

Ein noch älterer Hase im Geschäft ist Center Andreas Seiferth. Er ist das dritte Mal ein Allstar. 2013 debütierte er in Nürnberg. Damals war er 23 Jahre alt und stand als Spieler der TBB Trier in der nationalen Auswahl. Beim letztjährigen Allstar-Spiel in Bonn rückte er für den erkrankten Tim Ohlbrecht in die Mannschaft und rechtfertigte seine Nachnominierung mit soliden sieben Punkten und sieben Rebounds.

Von einer wie auch immer gearteten Ausbeute wird Seiferth den Erfolg seines Mitwirkens heute nicht abhängig machen, als Herausforderung sieht er viel mehr das direkte Duell gegen seinen Medi-Centerkollegen Assem Marei. Auch der Ägypter wurde wie Seiferth vom Publikum in die Starting Five gewählt. „Das ist schon etwas ganz Besonderes, meinem Teamkollegen beim Jump gegenüberzustehen“, sagt er. Assem Marei kann da nur beipflichten. „Ich sehe Andi ja jeden Tag, sonst spielen wir miteinander, jetzt gegeneinander, und ich werde ihm sicherlich nichts schenken“, sagt der Ägypter schmunzelnd.

Korners Freude über die Nominierung seiner Center

Die Freude, dass zwei seiner Spieler in die Startformationen berufen wurden, kann Raoul Korner nur schwer verbergen. „Das ist ein Zeichen dafür, dass sie beliebt sind und ihre Leistungen wertgeschätzt werden. Ohne Zweifel gehören Assem und Andi zu den besten Centern der Liga. Ihre Wahl ist also nicht überraschend, sondern sportlich begründet“, sagt der Medi-Coach, der von seinem Recht Gebrauch machte, einen weiteren Bayreuther in seine Mannschaft zu berufen: seinen Forward Nate Linhart. „Ihn habe ich gewissermaßen stellvertretend für alle so genannten Glue-Guys nominiert – jene Spieler, die extrem viel zum Mannschaftserfolg beitragen, sich aber trotzdem oft im Schatten von anderen bewegen. Er hätte die Berufung auch schon im Vorjahr verdient gehabt“, begründet Raoul Korner seine Wahl. Linhart ist das erste Mal ein Allstar. Seine Berufung empfindet er „als eine riesige Ehre. Außerdem glaube ich, dass das ein riesiger Spaß wird, dieses Wochenende mit Assem und Andi und unserer ganzen Crew. Ich werde es einfach nur genießen.“

Damit steht Andreas Seiferth als einziger Bayreuther im Team national zwei seiner Mannschaftskollegen und Trainer Korner gegenüber. „Das ist schon nicht ganz fair“, spielt der Center auf die Medi-Dominanz im gegnerischen Team an, will aber zumindest sein „Insider-Wissen“ nutzen, um der vom Würzburger Trainer Dirk Bauermann betreuten nationalen Auswahl zum zweiten Sieg nach 2016 (128:118) zu verhelfen. Denn bei allem Spaß gehe es dann letztlich doch darum, zu gewinnen, sagt Seiferth. Nicht von ungefähr erwartet der Center nach einem lockeren Aufgalopp, dass es „speziell im letzten Viertel“ schon „zur Sache“ gehen wird. Da kann ihm sein Bayreuther Trainer nur beipflichten: „Bis auf eine Ausnahme haben ja immer die Ausländer gewonnen. Ich schreibe schon gerne Geschichte – aber nicht so eine.“

Team National mit immensem Erfahrungsschatz

Ließe die Zahl der Allstar-Spiel-Teilnahmen Rückschlüsse auf den Ausgang der Neuauflage in Göttingen zu, so wäre das Team National glasklarer Favorit. Auf insgesamt 23 Berufungen bringt es die deutsche Starting Five, die neben dem Würzburger Nationalmannschaftskapitän Robin Benzing (fünfte Teilnahme) aus dem Bamberger Maodo Lo (2), dem Ulmer Per Günther (8), Bayreuths Andreas Seiferth (3) und Münchens Danilo Barthel (5) besteht. Dazu kommt mit dem Würzburger Dirk Bauermann ein Trainer, der schon zum vierten Mal für die deutsche Auswahl beim Allstar-Spiel in der Verantwortung steht.

Das Team International bringt es hingegen nur auf zwölf Allstar-Spiel-Teilnahmen, wobei alleine deren sieben auf das Konto von Oldenburgs Routinier Rickey Paulding gehen. Ansonsten weiß nur noch der vor der Saison von Bayreuth nach Ulm gewechselte Trey Lewis, wie es sich anfühlt, ein Allstar zu sein. Der Amerikaner war vor einem Jahr schon dabei. Neulinge sind hingegen Assem Marei (Bayreuth), Devin Booker (München) und Peyton Siva (Berlin). Der Alba-Point-Guard landete beim Fan-Voting zwar auf Rang sechs, da aber der Drittplatzierte des Rankings, Bryce Taylor (Bamberg), aufgrund einer Verletzung nicht teilnehmen kann, rückt Siva in die Starting Five des von Medi-Trainer Raoul Korner betreuten Teams nach. Der Kader des Österreichers wird ergänzt durch Jared Cunningham (München), Scott Eatherton (Braunschweig), Nate Linhart (Bayreuth), Josh Mayo (Bonn), Luke Sikma (Berlin), Michael Stockton (Göttingen) und Thomas Walkup (Ludwigsburg), der vor einer Woche für den verletzten Philip Scrubb (Frankfurt) nachnominiert wurde.

Kurzfristig seinen Kader umbauen muss indes Trainer Dirk Bauermann. Da Andreas Obst (Gotha) und Lokalmatador Dominic Lockhart (Göttingen) aus Verletzungsgründen absagen mussten, hat Bauermann Joshiko Saibou (Berlin) und Yorman Polas Bartolo (Bonn) nachnominiert. Komplettiert wird die nationale Auswahl durch Ismet Akpinar (Ulm), Anthony DiLeo (Bonn), Maurice Stuckey (Würzburg), Johannes Thiemann (Ludwigsburg) und Maik Zirbes (München).

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