Gagig Danielyan kommt ohne Deutschkenntnisse nach Bayreuth und macht jetzt die 1,2 im Quali an der Altstadtschule Von Null auf Schulbester in zwei Jahren

Gagik Danielyan hat geschafft, woran selbst er nicht geglaubt hat: Vor zwei Jahren kam er ohne Deutschkenntnisse nach Bayreuth, jetzt verlässt er als Schulbester die Mittelschule Altstadt - mit einem Quali von 1,2. Foto: Eric Waha

Die Not und die Sorge um den Vater hat die Familie von Armenien nach Deutschland geführt. Jetzt hat die Familie, die einen Asylantrag gestellt hat, einen Grund, richtig stolz zu sein. Stolz auf Gagik Danielyan, den 16-jährigen Sohn. Er hat geschafft, was der Rektor der Altstadtschule in seinen fast 45 Dienstjahren noch nie erlebt hat: Der Junge kam ohne jede Deutschkenntnis und geht nach zwei Jahren als Schulbester von der Mittelschule. Mit einem Schnitt von 1,2 im Quali.

Den Weg, den Gagik Danielyan genommen hat, nennt Ronald Langer von der Mittelschule Altstadt "eine super Entwicklung, wenn man das so sagen kann". Nahezu alle Kinder, die als Flüchtlinge oder als Asylbewerber nach Bayreuth kommen, "landen bei uns, machen hier ihre Deutschkurse in Übergangsklassen oder bei Drittkräften", sagt Langer. Unter anderem bei Katharina Schwab-Stepanenko, bei der auch Gagik Danielyan in der Gruppe war. "Ich habe dann noch zusätzliche Kurse belegt, weil ich einen guten Quali machen wollte", sagt der 16-Jährige, der in Armenien eine Art Gymnasium besucht hat, im Gespräch mit unserer Zeitung.

Verzicht auf Sport zugunsten des Lernens

Der schlanke junge Mann mit den wachen Augen und der dunklen Brille scheint einer von den Menschen zu sein, die sich ihren Zielen Schritt für Schritt mit großer Beharrlichkeit nähern. Um sich dann das nächste Ziel zu setzen. "In Armenien", sagt er, "war mein Lieblingssport das Schwimmen. Ich bin eher der ruhigere Charakter." Den Sport hat er in den vergangenen Jahren zurückgestellt, "wegen des Lernens. Darauf habe ich mich konzentriert. Aber vielleicht kann ich ja jetzt wieder anfangen und sogar in einen Verein gehen. Denn Sport ist wichtig und bedeutet auch Gesundheit."

Lehrer halfen auf seinem Weg nach vorn

Gesundheit ist ein Thema, das die Familie - Vater, Mutter, eine vier Jahre jüngere Schwester - bewegt hat, Armenien zu verlassen: "Mein Vater ist im Krieg damals verletzt worden und hat eine Behinderung. Das hat sich immer mehr verschlechtert und konnte in Armenien nicht behandelt werden." Deshalb sei die Familie aus Armenien ausgereist, habe in Deutschland einen Asylantrag gestellt. "Den ersten Monat haben wir in einem Lager in Fürth verbracht. Ich dachte, dass ich nie Deutsch lernen würde, weil es eine sehr schwere Sprache ist", sagt der junge Mann. Nach vier Wochen zieht die Familie nach Bayreuth. "Der Besitzer des Hauses, in dem wir leben, hat mir geholfen, mich an der Altstadtschule anzumelden." Alle Lehrer, sagt Gagik Danielyan, seien "sehr nett" und hätten ihn nach Kräften unterstützt, sich zurecht zu finden. Anschluss zu finden.

Eine neue Sprache ist eine neue Welt

Und einzutauchen in das, was Danielyan so beschreibt: "Eine neue Sprache ist eine neue Welt. In Armenien sagt man: Du bist ein umso besserer Mensch, je mehr Sprachen du kannst." Ein Aufruf, nie die Neugier zu verlieren. Und nie aufzuhören zu lernen. Gagik Danielyan lernt schnell. Auch wegen seines Vaters: "Ich habe ihn immer begleitet, wenn er zu Ärzten oder ins Krankenhaus musste. Und habe für ihn übersetzt." Über Russisch, die Sprache spricht er auch, habe er einen ersten Freund in Bayreuth kennengelernt. Mit den Kenntnissen in Deutsch kamen auch die Freundschaften zu Jungs aus der Schule. "Das war unglaublich, wie sich das entwickelt hat. Aber es ist eben so: Wenn du nett zu den Leuten bis, dann sind sie auch nett zu dir." Egal, welche Muttersprache sie haben.

Der Weg könnte auch aufs Gymnasium führen

Gagiks Mutter sei so stolz auf ihren Sohn, dass sie jetzt natürlich hoffe, der 16-Jährige würde bald aufs Gymnasium gehen können. "Man hat mir gesagt, dass ich diese Chance habe, weil es am Markgräfin-Wilhelmine-Gymnasium die Einführungsklasse für Kinder wie uns gibt. Aber ich habe mich jetzt erst einmal an der Albert-Schweitzer-Schule angemeldet. Dort kann ich in einem Jahr die Mittlere Reife schaffen. Dann sehen wir weiter", sagt er - und fügt mit strahlenden Augen an: "Ich möchte so gern Informatiker werden."

Am liebsten würde er in Bayreuth bleiben

Am liebsten in Bayreuth, "in der Stadt, die ich sehr mag", wie er sagt. Allerdings ist genau diese Frage noch offen, denn: Der Asylantrag, den die Familie gestellt hat, ist abgelehnt worden. "Das Verfahren läuft. Eine Entscheidung, ob wir bleiben dürfen, ist noch nicht getroffen", sagt Gagik Danielyan. "Wenn wir zurück müssen, müssen wir zurück." Doch an die Entscheidung mag der Einser-Schüler, der als Bester seine Schule verlässt, jetzt nicht denken. Schließlich ist jetzt erst einmal Abschlussfahrt. Eine Reise mit seinen Freunden, die er "überglücklich über diese Note" antritt.

Nur ein weiterer Schüler macht einen so guten Quali in Bayreuth

Fast hätte es übrigens für Gagik Danielyan gereicht, den besten Quali in ganz Bayreuth zu machen. Während an der Albert-Schweitzer-Schule (ASS) der beste Schüler mit einem Schnitt von 1,7 im Quali abschließt, wie Rektor Manfred Riedel auf Nachfrage sagt, gibt es einen weiteren Schüler an der Mittelschule St. Georgen, der den gleichen Schnitt wie Gagik Danielyan erreicht hat. Das sagt Rektor Alfred Bogner auf Anfrage des Kuriers.

 

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