Fußball Wie wird man eigentlich Fußballfan?

Viele sind seit Kindesbeinen nicht nur dem Sport, sondern auch einem ganz speziellen Fußballteam verbunden. Doch was, wenn man diese lebenslange Bindung bislang verschlafen hat?

Bei manchen scheint es in den Genen zu stecken. Andere bekamen es in die Wiege gelegt – die Rede ist vom Fußballvirus. Leute, die es mit der Muttermilch aufsogen, sind so durch und durch Fan, wie andere Linkshänder oder rothaarig sind. Da stellt sich keine Motivationsfrage.

Doch für Außenstehende ist das oftmals wesentlich schwerer zu begreifen: Wie wird man eigentlich Fußballfan, wenn man nicht mit dem Thema groß wurde? Welchen Verein sucht man sich aus, wenn man nicht gerade durch Geburts- oder Wohnort einen naheliegenden Kandidaten hat? Und wie verhindert man, dass man als Anfänger bei den lebenslangen Fans heraussticht wie ein Dortmund-Schal im Schalke-Fanblock? Kurz: Wie wird man als Spätzünder noch ein richtiger Fußballfan? Das alles zeigt der folgende Ratgeber Step-by-Step.
 

1. So infiziert man sich freiwillig

Viele glauben, dass es mehrere Startpunkte gäbe, um Fußballfan zu werden. Stimmt nicht. Denn das allermeiste davon ist „das Pferd von hinten aufzäumen“. Und wer glaubt, los ginge es, sich einen Erstligaverein auszusuchen, mit dem man mitfiebert, liegt schon falsch.

Das Krimi-Feeling auf sich wirken lassen

Unter tausend leidenschaftlichen Fußballfans finden sich ebenso viele „Warums“. Eines eint jedoch wirklich alle – und zwar global: Das spannungsgeladene Krimi-Gefühl. Jedes Spiel kann zu praktisch jedem Zeitpunkt eine überraschende Wende nehmen. Selbst Begegnungen, die eigentlich felsenfeststanden, können sich drehen. Es ist einfach die Tatsache, dass immer wieder großartige Überraschungen drin sind. Dass es, auch wenn es auf Laien wie ein fein dirigiertes Sport-Orchester wirkt, tatsächlich kein Drehbuch gibt. Im Gegenteil, wenn der Faktor Mensch die Oberhand gegenüber Training, Strategien und Taktiken gewinnt, werden daraus die spannendsten Krimis, die unglaublichsten David-vs.-Goliath-Geschichten.

Und so empfiehlt es sich dringend, um einen ersten Schritt zu tun, in der weiten Welt der Internet‑Videos nach genau solchen emotionsgeladenen Momenten zu fahnden. Der Suchbegriff lautet „Spannendste Fußballspiele aller Zeiten“. Heraus kommen dann Begegnungen wie:

· Das Halbfinale des DFB-Pokals 1984 zwischen Schalke und Bayern

· Das Endspiel um die deutsche Fußballmeisterschaft 1959 zwischen Frankfurt und Offenbach

· Das Gruppenspiel der WM 1982 zwischen Italien und Brasilien

Gucken, gucken, gucken – zunächst mal allein

Doch Fußball ist, in aller Ehrlichkeit, nicht immer so hochklassig wie in diese Ausnahme-Matches. Allerdings ist das kein Nachteil, ganz im Gegenteil. Der klassische Arbeitsfußball, wie er an jedem Spieltag zelebriert wird, hat auch genügend Spannung und Highlights. Und viel mehr noch: Man lernt erst dadurch wirklich die guten von den weniger guten Spielen und Spielern zu unterscheiden.

Ergo: Für einige Wochen schaut man sich den normalen Bundesliga-Spielbetrieb an. Allerdings ist das 2019 nicht mehr ganz so einfach, wie es das früher war. Der Grund: Es gibt ein komplexes Verteilungsschema, wie die Spiele im TV gezeigt werden . Im Free-TV gibt es eher weniger zu sehen, das meiste gibt es nur gegen Abos bei Pay-TV-Sendern wie Sky oder DAZN. Allerdings, in dieser frühen Phase sollte man sich daran noch nicht binden. Deshalb auch ein Tipp: Sehr viele regionale öffentlich-rechtliche Radiostationen übertragen die Spiele wie ehedem per Radioreporter und Konferenzschaltung.

Live in der Nähe – es muss kein Erstligaspiel sein

Deutschland ist Fußballland – und die drei oberen Profiligen mit ihren insgesamt 56 Mannschaften sind nur die Spitze des Eisbergs. Darunter gibt es tausende weitere Fußballvereine . Hinzu kommt darüber hinaus noch die sogenannte wilde Liga – bestehend aus Vereinen, die sich unabhängig selbst organisieren. Aus der großen Palette möglicher Clubs sucht man sich einen in seiner Nähe aus – man darf davon ausgehen, dass es in jedem Stadtteil, jedem Kiez, jedem Dorf mindestens eine Truppe gibt.

Und sie alle haben natürlich regelmäßige Spiele. Davon schaut man sich nun einige an. Das ist niedrigschwellig, kostet nur wenige Euros Eintritt und ist viel „näher am Spiel“ als in den großen Ball-Arenen. Übrigens: Nur, weil es die unteren Ligen sind, bedeutet das keineswegs qualitativ schlechteren Fußball, ganz und gar nicht. Gerade hier verorten „Fußball-Feinschmecker“ die pursten Spiele, ohne Milliarden-Support und sämtlichen „Tand“ der oberen Liga-Sphären. Und gleichsam gibt es als Bonbon auch noch ein Hineinschnuppern in die Magie des Live-Fan-Daseins, das man am Computer oder Fernseher gar nicht mitbekommt.

2. Der Fan erwacht

Nach diesem ersten Kapitel wird einem schon sehr klar sein, ob man sich grundsätzlich für den Fußball begeistern kann. Und wenn das feststeht, wird es Zeit, die Leidenschaft auf ein seriöses Fundament zu stellen, sie zu unterfüttern. Doch das ist auch mit Arbeit verbunden.

Ab in die Kneipe

Ein Gutes hat die Tatsache, dass die heutige Bundesliga sich oft hinter einer Pay-TV-Wand verschanzt: Kneipen, die andernfalls aussterben würden, wurden so wieder zum Treffpunkt, denn hier gibt es oft jenes Pay-TV. Ergo: Man überprüft bei sich im Ort, welche Kneipe Sky und Co. hat und begibt sich samstagnachmittags dorthin.

Keine Sorge, ein paar Stamm-Fans werden dort immer sein. Das Rezept ist denkbar simpel. Man schaut Bundesliga, unterhält sich (gibt offen zu, sich noch in der Lernphase zu befinden) und spitzt vor allem die Ohren. Denn das gute alte Stammtischgerede, das zum Fußball dazugehört wie rote und gelbe Karten, offenbart sehr viele Einblicke.

Regeln wollen gepaukt werden

Eines muss allerdings glasklar sein: Selbst, wenn man bis zu diesem Punkt bereits einige dutzend Spiele gesehen haben wird. Selbst, wenn man vielleicht schon die Regel-Standards verinnerlicht haben wird, so ist es doch für echtes Fantum unabdingbar, sich die Grundregeln und die Feinheiten einzubläuen. Keine Sorge, das sieht umfangreicher aus, als es eigentlich ist. Wichtig ist vor allem:

  • Die Abseitsregel
  • Echte Fouls und „hart aber fair“
  • Ecken, Frei- und Strafstöße
  • Die Rollen der Schiedsrichter

Wenn man diese Punkte verinnerlicht hat, darf man sich als ausreichend sattelfest sehen – den Rest lernt man mit der Zeit automatisch und vieles braucht man zwar für einen Schiedsrichterschein, aber sicherlich nicht, um Fan zu sein.

Ein paar Euro setzen und dabei lernen

Fußball lebt davon, dass immer relative(!) Chancengleichheit herrscht. Allerdings ist auch klar, dass diese oftmals nur auf dem Papier besteht. In der Realität besteht zwischen zwei Matchkandidaten ein oft signifikanter, manchmal jedoch auch nur minimaler Unterschied hinsichtlich Fähigkeiten, „Kampfmoral“ aber auch solchen Dingen wie dem Austragungsort des Matches, der Geschichte bisheriger Begegnungen.

Diese Chancen zu prognostizieren, ist das täglich Brot der Wettanbieter. Für die jeweiligen Begegnungen geben sie eine Prognose ab , die während des Spiels laufend aktualisiert wird. Zum Lernen gehört es, sich mit solchen Quoten zu beschäftigen. Denn sie geben einem die mit Abstand unvoreingenommensten Schätzungen über einen Spielausgang. Man lernt, selbst wenn man die dahintersteckenden Bewertungskriterien nicht genau kennt, abzuschätzen, wie die Chancen einer Begegnung stehen – ohne persönliche Meinungen und Subjektivität anderer Fans, sondern unbestechlich statistisch. Wenn man darin dann etwas profilierter geworden ist, kann man auch den einen oder anderen Euro setzen.

Es wird Zeit für ein Team

Der finale Schritt dieses zweiten Kapitels besteht nun darin, sich für ein nationales Team der drei deutschen Profiligen zu entscheiden. Nein, man muss kein totaler Fan sein. Aber man sollte das Team vielleicht wie eine Wohnung seines Fan-Daseins begreifen: Eine Heimatbasis, an der man festhalten kann – ohne freilich andere Begegnungen weniger zu genießen.

Doch nach welchen Kriterien sucht man sich „sein“ Team? Da gibt es bei Lichte betrachtet nur zwei Optionen:

1. Die Regional-Variante: Ein Team, das in relativer (= maximal 100 km) Nähe zum eigenen Wohn- oder Herkunftsort beheimatet ist. Vielleicht aber auch der Club aus dem ursprünglichen Geburtsort.

2. Die Eigenschafts-Variante: Jedes Bundesliga-Team hat eine mehr oder weniger lange Geschichte, die dazu führte, dass der Truppe ein bestimmter Charakter zugesprochen wird. Erfordert natürlich mehr Beschäftigung mit dem historischen Hintergrund.

Dabei steht letzteres tendenziell für engeres Fantum, denn man muss sich zwangsweise auch mit Teams jenseits des eigenen Dunstkreises befassen – es gibt so beispielsweise nicht wenige Kölner, die aufgrund dessen nicht dem FC oder Fortuna, sondern vielleicht Werder Bremen, dem HSV oder Stuttgart zuhalten. Was hier nur zählt, sind persönliche Belange, deshalb sollte man sich auch von niemandem hineinreden lassen.

Allerdings klingt das auch alles schwerer als es ist: Wenn man sich wie bisher neutral, aber intensiv mit Fußball befasst hat, wird man beinahe automatisch gewisse Sympathien für ein Team entwickelt haben – egal aus welchem Grund.

3. Eine kleine Flamme der Leidenschaft

Alles an grundständigen Dingen, das man braucht, um Fußballfan zu sein, hat man bis zu diesem Punkt bereits geleistet – und wird vielleicht eine lebenslange Leidenschaft in sich entfacht haben. Doch nach dieser Pflicht hat natürlich auch die Kür zu folgen.

Vereinsgeschichte zum Lernen und Begreifen

Falls man sich für die Eigenschafts-Variante entschieden hat, um zu seinem Verein zu finden, wird man darüber schon so manche geschichtlichen Interna erfahren haben. Doch ein Verein ist weitaus mehr als solche einzelnen Details. Er ist ein Mosaik aus unzähligen Begegnungen, Charakterköpfen, Spielweisen.

Vielleicht ist dies die passende Gelegenheit, einmal eine „Pilgerfahrt“ ins Museum seines Teams zu unternehmen, sich mit Literatur zu bewaffnen und tiefe Einblicke zu wagen. Denn Fan-Leidenschaft ist niemals nur eine Identifikation mit dem Ist-Team. Dazu befinden sich alle Mannschaften heute, was die Schlüsselfiguren auf dem Feld anbelangt, sowieso in einem viel zu raschen Wandel. Vielmehr geht es darum, die Gesamtheit zu begreifen – das gilt selbst für die als „Reagenzglas-Teams“ verschrienen Truppen aus Leipzig, Heidenheim und Hoffenheim.

Es darf geshoppt werden

Nun ist es auch an der Zeit, sich gewisse Fan-Utensilien zuzulegen. Nein, man braucht nicht sofort aberdutzende Aufnäher, um sich die typische Fan-Kutte zusammenzustellen – das ist viel mehr ein Langzeitprojekt, das man aber gerne jetzt starten darf. Aber da der geneigte Fußballfan künftig fast automatisch zu Spielen seines Teams reisen wird, braucht es einfach „Helferlein“.

Neutral, nützlich und auch noch verhältnismäßig günstig ist der klassische Fußballschal; alternativ Kappen, Hüte oder auch ein normales Fan-T-Shirt. Toll fürs Büro sind kleine Wimpel mit Ständer. Ob man allerdings so weit gehen und sich ein richtiges Trikot kaufen will, sollte man nicht vorschnell beantworten.

Zum einen ist es eine Tatsache, dass sämtliche Teams ihre original-lizensierten Jerseys nicht gerade verschenken . Ein „nacktes“ SC Freiburg Trikot beispielsweise (eine der „günstigeren“ Mannschaften) kostet ohne Rückennummer und sonstige Beflockung bereits rund 75 Euro. Bei den Bayern geht es dagegen erst bei knapp 90 Euro los. Ziemlich viel Geld für etwas, das im Endeffekt ein glorifiziertes T‑Shirt aus Funktionsstoff ist – und mit dem man nebenher auch noch Werbung für den Vereinssponsor läuft.

Zum anderen spricht gegen das Trikot, dass viele Teams sie jede Saison etwas ändern. Man wirkt also schnell etwas altbacken – vor allem, wenn man auf Spielernamen setzt oder gar der Haupt-Sponsor wechselt. Zumal selbst Hardcore-Fans die teuren Stücke kaum abseits der Fankurve tragen.

Ein Abo ist fast Pflicht

Fußball untersteht, wie bereits erwähnt, ständigem Wandel. Und mittlerweile ist es einfach eine Tatsache, dass man mit dem Inhalt der normalen Nachrichten im TV und Tageszeitung nur noch an der Oberfläche kratzt. Ein echter Fan indes will mehr wissen. Aus diesem Grund sollte man überlegen, ob man nicht Lektüre abonnieren möchte.

  • Der „Kicker“ gilt als das wichtigste deutschsprachige Zentralorgan des Fußballs. Hier gibt es sowohl breite Überblicke wie sehr detailliertes Wissen.
  • 11 Freunde“ ist ein selbsternanntes „Magazin für Fankultur“, dessen Eigenbezeichnung sehr präzise trifft. Hier stehen weniger die nackten Daten im Vordergrund (ungleich zum Kicker), dafür fußballerische Leidenschaft und Kultur.

Jedes Team gibt eigene Fan-Magazine heraus. Vielfach gibt es die nur als Dreingabe einer Mitgliedschaft, teilweise aber auch als normales Abo. Eine gute Ergänzung, weil hier auch Dinge erwähnt werden, die für die zuvor genannten Magazine zu sehr ins Vereinsdetail gehen.

Wer sich für die spielerischen Hintergründe interessiert, sollte zudem regelmäßig auf einer wichtigen Seite vorbeischauen, dem Portal „Transfermarkt Der Name ist hier Programm, also das Who-is-Where des Weltfußballs mit dem Fokus auf Spieler und Trainer.

Fußballlieder kann jeder mitsingen

Warum singen Anhänger Gelsenkirchens „ Wir sind Schalker, asoziale Schalker“, die zudem noch herausstellen „ wir schlafen unter Brücken oder in der Bahnhofsmission“? Was hat für Dortmunder „Krankenschein, dann die Omma tot“ mit dem Europapokal zu tun? Und warum besingen Bayern‑Fans einen harten Nach-Spiel-Kater mit „ In Schwabing früh am Morgen, fall ich aus der Boazn raus“?

Die Antwort ist ganz einfach: Fußball-Fankultur ist untrennbar damit verbunden, sein Team zu unterstützen. Und der beste, lauteste, stimmungsvollste Weg dazu ist es, dies mit möglichst lauten Gesängen zu tun. An diesem Punkt war man als Fan schon mehrmals live im Stadion. Und es wird niemanden kalt gelassen haben, wenn auf einmal die ganze Kurve, gefühlt sogar das ganze Stadion wie eine Stimme den gleichen Song singt.

Dabei sind die Fußballlieder noch viel mehr. Sie sind identitätsstiftend, haben die gleiche Wirkung wie eine Nationalhymne auf Patrioten, das musikalische Aushängeschild einer bekannten Band auf ihre Anhänger.

Und damit beschließt man die Lernphase seines Fan-Daseins: Indem man die wichtigsten Songs seines Vereins erlernt. Keine Sorge, es sind keine kompositorischen Höchstleistungen. Sie sind darauf ausgelegt, dass jeder sie selbst im Eifer des Gefechts noch mitsingen kann. Damit werden die Stücke zu mehr als nur einem unterstützenden, einheitsstiftenden Song. Sie sind ein Destillat von allem, was Fußball so großartig macht und was, Milliardensummen und Hinterzimmer-Deals zum Trotze, war, ist und sein wird: Die Spannung, wenn 22 Beinpaare versuchen, einen Ball ins Tor zu befördern und zehntausende dabei mitfiebern.

Fazit

Eigentlich ist es nicht schwer, zum Fußballfan zu werden – selbst wenn man vielleicht schon dreißig oder auch noch mehr Lebensjahre auf dem Buckel hat und bislang Fußball so gar nichts abgewinnen konnte. Es hat schon seine Gründe, warum es der Sport mit den meisten weltweiten Anhängern ist – denn es gibt keine Einstiegshürde und selbst die auf Laien meist recht komplex wirkenden Regeln sind eigentlich mit etwas Routine wirklich einfach zu verstehen. Und man erntet etwas, das größer ist, als die meisten anderen Hobbies.

 

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