Für die Bayreuther Landesgartenschau sind rund 4000 Dauerkarten verkauft, in Öhringen mehr als 25.000 Gartenschau-Karten: Interesse gering

Pressesprecher Mirko Streich präsentiert die Dauerkarten für die Landesgartenschau. Rund 4000 Karten sind verkauft. Foto: Eric Waha

Eine Dauerkarte für die Landesgartenschau ist vor allem für die Menschen interessant, die vor Ort leben. Die jeden Tag oder ein Mal in der Woche hingehen. In Öhringen in Baden-Württemberg haben die Einwohner das erkannt. Da hat jeder Öhringer eine Dauerkarte, wenn am 22. April die Landesgartenschau dort eröffnet. In Bayreuth sieht das ganz anders aus.

In Öhringen spricht man von einem Rekord. Für die Landesgartenschau mit dem Titel "Der Limes blüht auf" sind mehr als 25.000 Karten verkauft worden. Dauerkarten der unterschiedlichsten Kategorien. Die "Heilbronner Stimme" zitiert den Öhringer Oberbürgermeister Thilo Michler in einem Artikel von Ende vergangener Woche mit den Worten: "Öhringen ist die erste und einzige Stadt Deutschlands, die mehr Dauerkarten verkauft hat, als sie Einwohner hat." Die Stadt hat rund 23.000 Einwohner.

"Nicht Äpfel mit Birnen vergleichen"

Die Geschäftsführerin der Landesgartenschau in der baden-württembergischen Stadt, Annette Stoll-Zeitler, erklärt das im Gespräch mit unserer Zeitung so: Es habe drei Phasen des Ticketverkaufs gegeben. Und einen zusätzlichen Rabatt, den der Handels- und Gewerbeverein über ein Rabattheft eingeführt hatte. "Die haben Rabattmarken im Wert von über 100.000 Euro in den Markt gegeben", sagt Stoll-Zeitler. "Die Marken konnten voll auf den Ticketpreis angerechnet werden." Gerade die letzte Woche bis 22. Januar, in der die Dauerkarten zum am stärksten verbilligten Preis angeboten wurden, sei "gigantisch gewesen. Wir haben pro Tag bis zu 2000 Karten verkauft. Wir sind stolz auf unsere Öhringer, dass die so hinter uns stehen". Allerdings warnt Stoll-Zeitler davor, "Äpfel mit Birnen zu vergleichen. Unser Kartenmodell ist anders als in Bayreuth. Der Schub wird auch in Bayreuth noch kommen". Rund 12.700 der 25.000 Dauerkarten sind Einzelkarten für Erwachsene. Dazu kommen 6100 Familienkarten und 6200 - allerdings kostenlose - Kindergarten.

Bayern sind so

Ein Grund, den Kopf in den Sand zu stecken, ist der signifikante Unterschied zwischen den Öhringern und den Bayreuthern bei den verkauften Dauerkarten für Dagmar Voß, Geschäftsführerin der Bayreuther Landesgartenschau, noch lange nicht: "Das war schon immer so. Die Baden-Württemberger nutzen solche Angebote anders. Die Bayern machen das nicht in dem Maße." Mirko Streich, der Pressesprecher der Bayreuther Schau mit dem Titel "Musik für die Augen", belegt das mit Zahlen: "In Deggendorf waren es vor zwei Jahren zu einem vergleichbaren Zeitpunkt auch erst 4000 Karten." Außerdem, sagt Streich, könne man Öhringen und Bayreuth nicht ganz vergleichen, "weil die in Öhringen eine andere Rabattstaffelung verwendet haben. Und wenn man die Aufteilung der Karten anschaut, relativiert sich das auch ein bisschen Zudem: Die erhöhen die Preise peu à peu." In Bayreuth liege der Vorverkaufspreis beispielsweise für die Erwachsenen-Dauerkarte konstant bei 90 Euro. "Bis einen Tag vor der Eröffnung am 22. April." Dann kostet die Karte 100 Euro.

Über 21.000 Tageskarten verkauft

Dass das Interesse der Bayreuther durchaus groß ist, sei daran zu erkennen, dass "wir erstmals in der Geschichte der bayerischen Landesgartenschauen Tagestickets im Vorfeld angeboten haben. Auch auf Anregung der Bayreuth Marketing und Tourismus-GmbH. Da haben wir 21.000 Stück verkauft", sagt Streich. Zum regulären Preis von 16 Euro. Streich sagt, es sei natürlich Wunsch der Veranstalter, "so viele Dauerkarten wie möglich zu verkaufen. Am besten sollte jeder eine Dauerkarte haben". Weil die sich schnell rechne. Sechs Besuche und die Dauerkarte habe sich amortisiert. "Wir gehen davon aus, dass sich die Leute mit den Tageskarten Appetit holen und dann noch eine Dauerkarte kaufen." Schließlich sei das Angebot groß: "Wir haben in den sechs Monaten rund 2000 Veranstaltungen. Da ist für jeden etwas dabei", sagt Streich.

Mehr Vorverkaufsstellen als sonst

An der Zahl der Vorverkaufsstellen könne es nicht liegen, dass der Ansturm der rund 71.000 Bayreuther und der Einwohner aus dem Einzugsgebiet der Landesgartenschau noch nicht nach oben geschnellt sei: "Normal sind zwei bis drei Vorverkaufsstellen. Wir haben zehn." Eine weitere komme in den nächsten zwei Wochen in Kulmbach dazu. Weil von dort Kritik laut geworden war, dass es keine Vorverkaufsstelle gibt. Obwohl die Nachfrage dort aktuell noch sehr gering ist, wie Tonja Süsser von der Tourist-Info auf Nachfrage unserer Zeitung sagt. "Aber es wäre sicher gut, eine Anlaufstelle in Kulmbach zu haben."

Becher enttäuscht vom bisherigen Interesse

Während Streich sagt, insgesamt sei man bei der Landesgartenschau-Gesellschaft zufrieden mit dem Kartenverkauf, nennt Manuel Becher, der Geschäftsführer der Bayreuth Marketing und Tourismus GmbH (BMTG) die Vorverkaufszahlen "nicht zufriedenstellend". Er hätte sich einen deutlich höheren Vorverkauf gerade bei den Dauerkarten gewünscht. Vor allem, weil die Leute in langen Schlangen schon für die Tageskarten angestanden seien. Während die BMTG dafür zuständig sei, für die Landesgartenschau außerhalb Bayreuths die Werbetrommel zu rührend, müsse die Landesgartenschau-Gesellschaft vor Ort das Interesse hoch halten. Dennoch sagt Becher: "Das Interesse wird noch kommen. Ich bin zu 100 Prozent vom Produkt Landesgartenschau überzeugt. Es ist ein tolles Angebot, das da gemacht wird. Jeder aus der Gegend, der einmal dort war, wird sicher eine Dauerkarte kaufen." Die Landesgartenschau-Gesellschaft rechnet mit 750.000 Besuchern. Mindestens.

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