Für Atommüll "nicht geeignet"

Container mit radioaktiver Lauge stehen in der Schachtanlage Asse bei Remlingen (Niedersachsen). Foto: Sebastian Gollnow/dpa/Archiv

„Wir werden wachsam sein“. So reagiert Karl Paulus auf die geplante bundesweite Suche nach einem Endlager für hoch radioaktiven Atommüll auch im Fichtelgebirgsgranit. Aus seiner Sicht ist das Gestein zu brüchig, zu klüftig und habe zu viele Wassereinschlüsse, sagt der Geschäftsführer der Bund-Naturschutz-Kreisgruppe Wunsiedel. Auch der Bayreuther Landrat Hermann Hübner sieht das so.  

Die bundesweite Einbeziehung des Granits bei der Endlagersuche sei ein politischer Kompromiss. „Ich bin nach wie vor davon überzeugt, dass der zerklüftete Granit im Fichtelgebirge dafür nicht geeignet ist“, sagt Hübner. Dies werde auch die Standortsuche ergeben. Schließlich gehe es um eine sichere Lagerung des Atommülls über einen Zeitraum von einer Million Jahre.  

Die weiße Landkarte

 „Leitprinzip ist die weiße Landkarte“, erläuterte Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) in Berlin. „Wir betrachten das gesamte Bundesgebiet  Wir bevorzugen keine Regionen. Wir schließen keine Regionen von vorne herein aus“, lautet die Vorgabe. In einem weiteren Schritt sollen Gebiete ausscheiden, die ungeeignet sind – etwa, weil Erdbebengefahr besteht oder es Bergbauschäden gibt. Im nächsten Schritt werden Gebiete ausgewählt, die Mindestanforderungen entsprechen. Anhand weiterer Kriterien, etwa der Nähe zu Wohngebieten, werden dann die besten Standorte bestimmt.

Die Bürger sollen während der gesamten Zeit eingebunden sein und mitreden dürfen. Transparent, ergebnisoffen und streng wissenschaftlich will der Bund bis 2031 nach einem Ort suchen, an dem hoch radioaktiver Atommüll eine Million Jahre lang möglichst sicher lagern kann. Gestern stellten Union, SPD, Grüne und Ministerin Hendricks einen Gesetzentwurf vor, der nun innerhalb weniger Wochen durchs Parlament soll.

Kritik der Umweltschützer

Die hoch radioaktiven Atomabfälle sollen tief in einem Bergwerk entsorgt werden. Als geologische Formationen kommen Salz, Ton und kristallines Gestein wie Granit in Frage. Naturschützer sehen Kritikpunkte. „Insbesondere die Regelungen zu Bürgerbeteiligung, Rechtsschutz und Transparenz im Suchverfahren müssen dringend nachgebessert werden“, sagt etwa BUND-Chef Hubert Weiger. Greenpeace-Atomexpertin Susanne Neubronner bemängelt, der Gesetzentwurf konzentriere sich „einseitig auf die tiefengeologische Lagerung, obwohl weltweit alle unterirdischen Atom- und Giftmüllkippen entweder schon beschädigt sind oder zumindest große Probleme haben.“ Alternative Lagerkonzepte müssten geprüft werden.

1000 Meter unter die Erde

Karl Paulus vom Bund Naturschutz glaubt, dass die für ein Endlager notwendigen Deckenstärken im Fichtelgebirge gar nicht gegeben sind. Im Abschlussbericht der „Kommission Lagerung hoch radioaktiver Abfallstoffe“ vom Juni 2016 heißt es, ein sogenanntes Endlagerbergwerk sollte in einer Tiefe von 500 bis 1000 Meter errichtet werden. In der  aktuellen Studie im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums mit dem Titel „Projekt Christa“ geht es um ein Endlager in Kristallingestein, also Granit. Die Untersuchung nennt als „besser geeignet erscheinende Kristallinvorkommen“ in Bayern unter anderem einen Teilbereich des Fichtelgebirges mit einer Fläche von etwa 360 Quadratkilometern. Auf gleichem Niveau befinden sich demnach auch der nördliche Oberpfälzer Wald (385 Quadratkilometer) im Bereich Landkreis Neustadt/Waldnaab,  südliche Teile des Landkreises Tirschenreuth und die Stadt Weiden sowie der Saldenburg-Granit im Bayerischen Wald. 

Studie lobt Granit

Eine weitere Studie über die Endlagerung radioaktiver Abfälle in Deutschland der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe lobt den Granit für seine hohe Festigkeit und Hohlraumstabilität und seine geringe Temperaturempfindlichkeit. Allerdings weise kristallines Gestein in geklüftetem Zustand eine hohe Durchlässigkeit auf. In diesem Fall müsse der dichte Einschluss der Abfälle durch technische Barrieren gewährleistet werden, schrieben die Wissenschaftler im Jahr 2007.

Brigitte Artmann, Grüne Kreisrätin in Wunsiedel, kämpft seit Jahrzehnten gegen ein Endlager im Fichtelgebirge. Die Region ist für sie „ein möglicher Standort von vielen“. Man sollte erst einmal die erste Runde bei der Standortsuche abwarten. Die Öffentlichkeit sollte wachsam sein und sich bei der Bürgerbeteiligung mit einbringen, rät Artmann. „Wir sollten nicht in Panik verfallen.“ Es werde auf eine politische Entscheidung hinauslaufen, warnt sie.

Mehr dazu:

Endlager-Suchen auch im Fichtelgebirge

Atommüll-Endlager: Region will mitreden

 

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