Fünf Stufen bis zum Himmel Schlosskirche nach einem Jahr wieder geöffnet

Foto: Andreas Harbach

BAYREUTH. Gut 200 Menschen wollten dabei sein, als sich die Türen endlich wieder öffneten: Am Samstagabend erhielten die Verantwortlichen der katholischen Pfarrei Unsere Liebe Frau feierlich den Schlüssel ihres Gotteshauses zurück. Der erste Blick ins Innere faszinierte die Besucher.

Der Himmel ist weit oben. Das gilt in der Natur und in der Schlosskirche. Am Samstag aber, kurz nach 18 Uhr, fehlen plötzlich nur noch fünf Stufen. Genau so viele Steintritte liegen zwischen dem Vorplatz und der Eingangstür. Dann können ihn die Besucher sehen – Bayreuths neuen Himmel.

Ein Jahr lang wurde die einzige katholische Markgrafenkirche restauriert (wir berichteten mehrfach). Etwa 2,5 Millionen Euro wurden verbaut. Es ging um weltlich-profane Dinge wie eine neue Elektrik oder die Installation einer Lüftungszentrale. Aber es ging auch um religiöse Bestandteile der Kirche. Die Marienfigur am Altar wurde in Richtung Besucherraum verschoben, die Farbstruktur des Gotteshauses verändert. Um nur zwei Aspekte zu nennen. Über allem aber schwebt der neue Himmel. Denn die Stuckornamente von Giovanni Battista Pedrozzi hatten die Gemälde in drei Deckenspiegeln eingefasst. Die Gemälde wurden vor 150 Jahren bei einer Sanierung übertüncht. Kirchenmaler Franz Fersch aus dem Kreis Eichstätt hat die Lücke nun geschlossen und um die liturgische Aussage ergänzt.

„Ich musste mich erst wieder daran gewöhnen, dass die Menschen so weit weg sind“, sagt Pfarrer Christian Karl Steger nach seinem ersten Gottesdienst in der neuen alten Kirche. Während der Bauzeit zelebrierte er im Pfarrsaal. Unter beengten Verhältnissen. Seit Samstag nun feiert die Gemeinde wieder dort, wo 1758 alles begann. Markgraf Friedrich III. und seine Frau Wilhelmine ließen die Kirche erbauen. Eröffnet wurde sie an Ostern, wie Steger am Tag vor dem Palmsonntag betont. Kirchenpfleger Stefan Behrendt achtet derweil auf den Duft. „Endlich wieder Weihrauch“, sagt er. Denn auch dafür war es im Pfarrsaal zu eng.

Die Palmweihe findet auf dem Vorplatz statt, ehe Architekt Michael Fränkel und Michael Erhard vom Staatlichen Bauamt den Schlüssel an Kirchenpfleger Behrendt übergeben. Dann öffnen sich die Türen. Pfarrer, Ministranten und das Allerheiligste ziehen ein. Und gut 200 Menschen schlängeln hinterher. An der Tür staut es sich, langsam geht es vorwärts. Stufe für Stufe – die Blicke gehen nach oben. Wann ist der Himmel zu sehen? Weihrauch zieht seine Bahnen. Der Chor der Schlosskirche singt – für die Besucher in diesem Moment noch nicht zu sehen – von der Empore herab. Dazu läuten die Glocken. Die Sekunden auf den fünf Stufen, sie fühlen sich an wie der Weg in den Himmel.

Und dann ist er da. Der Moment, in dem die Türschwelle überschritten wird, sich der Duft von Weihrauch in der Nase mit dem Geruch von frischer Farbe vermengt – und die Blicke kreisen. „Ein Stück Himmel kommt wieder zurück.“ Treffender als mit diesem Satz hätte es Pfarrer Steger in der Predigt nicht ausdrücken können. Und er fügt hinzu: „Es ist ein neuer Himmel.“ Denn die Deckengemälde wurden komplett überarbeitet. Was sich dort jetzt zeigt, ist eine Mischung aus altchristlichen und modernen Motiven – teilweise sogar regional angehaucht. So hat sich etwa ein Korb mit fränkischen Brezen ins Heilige Land verirrt. 

Chor sorgt für beeindruckende Gänsehaut-Atmosphäre

Der Gottesdienst ist von einer erhabenen Stimmung geprägt. Im neuen Festraum sorgt der beeindruckende Auftritt des Schlosskirchen-Chors für Gänsehaut-Atmosphäre. Und auch nach rund eineinhalb Stunden bleiben noch viele Besucher und unternehmen einen Streifzug durch die Kirche. Angelika Schucker (22) und Oma Marlies Schwalb (78) deuten gerade nach oben auf die Motive des neuen Himmels. „Es sind moderne Elemente, aber die typischen Kirchenbilder sind nicht ganz weg“, sagt Schucker, die schon als Kind mit ihrer Großmutter in die Schlosskirche ging. „Ich finde, es ist sehr gut geworden“, sagt Schwalb. „Die Farben sind heller, die Säulen waren auch anders.“ Die Enkelin ergänzt: „Die Marienfigur kommt besser zur Geltung.“

Auch der 17-jährige Benedikt Deinzer ist begeistert. „Das Gesamtbild wurde aufgewertet. Alles glänzt, wirkt freundlicher. Und natürlich beeindrucken die Deckengemälde.“ Stefan Haas hat es fast ein wenig die Sprache verschlagen, so überwältigt ist der 56-Jährige vom runderneuerten Gotteshaus. „So ein reicher und schmuckvoller Raum, der aber nicht überladen ist. Und die Madonna tritt jetzt auch voll heraus. Es ist fast ein kleines Osterwunder.“ Haas geht seit Jahren in diese Kirche, ist auch in der Kirchenverwaltung tätig. „Die Schlosskirche war vorher schon die schönste. Jetzt ist sie noch schöner geworden.“

Und dabei ist sie noch gar nicht ganz fertig. Auf die Empore darf am Samstag nur der Chor. Daneben stehen verpackte Orgelteile; es spielt eine Übergangslösung. „Deshalb ist die Kirche unter der Woche auch noch zu“, sagt Pfarrer Steger. „Aber samstags und sonntags ist ab sofort die neue Schlosskirche wieder unser strahlender Festsaal.“

 

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