Freundschaft zwischen den Kurven Fanfreundschaften im Fußball

Dass es für den FCN am Ende nur zu einem 2:5 gegen die Schalker reichte, war aus sportlicher Sicht zwar alles andere als erfreulich. Umso schöner allerdings das Zeichen, dass die Fans beider Vereine am 12. Spieltag der aktuellen Bundesliga-Saison jenseits des Rasens auf den Rängen setzten: Freundschaften zwischen Fans unterschiedlicher Vereine scheinen also doch noch möglich.

Zurück in die 70er

Die Fankultur in deutschen Stadien machte in der jüngeren Vergangenheit nicht immer die beste Figur. Die allgemein zurückhaltende Stimmung bei Länderspielen ist da noch eines der harmloseren Symptome, eskalierende Rivalitäten oder gewaltsam vorgetragener Protest – der übrigens auch verbale Ausschreitungen einschließt – die unschöneren.

Die Fanszene sieht sich überall mit gravierenden Veränderungen konfrontiert, wenn es um den Besuch des Stadions geht, und oft birgt das Konfliktpotenzial. Aus „Ultras“ ist ein Schimpfwort geworden, Eskalationen auf den Rängen pauschal solchen Fangruppierungen zugeschrieben. Die Choreo von Schalker und Nürnberger Fans am zurückliegenden 12. Bundesliga-Spieltag wirkt vielleicht wegen solcher Entwicklungen umso mehr wie ein Blick zurück in die vermeintlich friedlichere Vergangenheit.

Die gute alte Zeit: Fanfreundschaften in den 1970er und 1980er Jahren

Im Bereich der Mode ist das Kommen und Gehen von Trends ein ebenso bekanntes wie akzeptiertes Phänomen. Wenn es hingegen um die Fußballfankultur geht, möchten die meisten Beteiligten nichts davon wissen – die Liebe zum Verein erhält sich der Fan schließlich ein Leben lang, da gibt es keine „Trends“, die einen auf andere Pfade treiben könnten. Deswegen präsentieren sich viele der alteingesessenen Fanclubs auch heute, in Zeiten immer schnellerer und gravierender Veränderungen im Fußballgeschäft, als der Teil des Spiels, der sich diesen Neuerungen widersetzt.

Dabei ist gerade das eingangs aufgegriffene Beispiel vom 1. FC Nürnberg und Schalke 04 ein Beleg dafür, dass es auch innerhalb der Fanszene durchaus so etwas wie „Trends“ gibt. Die Choreographie in der Schalker Veltins-Arena feierte 35 Jahre Freundschaft zwischen den Fans beider Vereine, die – das vermittelte wenigstens das Geschehen im Stadion – durch die Jahre der Abwesenheit des FCN aus dem Bundesliga-Oberhaus nicht gelitten hat.

Eine besondere Fanfreundschaft. Beitrag vom FCN CLUB TV

Quelle: youtube.com

Die beeindruckende Inszenierung der langjährigen freundschaftlichen Verbindung der Fanlager ist aber nicht nur wegen ihres Aufwands an diesem 12. Spieltag der laufenden Bundesligasaison vielen Internetseiten und Zeitungen eine Meldung wert oder weil mehr als 35 Jahre in einer schnelllebigen Zeit eine beachtliche Leistung sind. Sie ist unter anderem deswegen, weil die Blütezeit der Fanfreundschaften inzwischen schon einige Jahre vorüber ist. Die ersten dahingehenden Annäherungen gab es in den 1970er Jahren, in den 1990er Jahren wurde es dann richtiggehend zur Mode, als Fan möglichst viele Aufnäher anderer Vereine auf seiner Kutte vorweisen oder Fanschals präsentieren zu können.

Davon geblieben ist wenig, zumindest für das Auge der Öffentlichkeit, das nicht so tief in die Szene eintaucht. Das mag unterschiedliche Gründe haben. In Freundschaften zwischen Einzelnen gibt es schließlich auch immer wieder Phasen, in denen man sich nähersteht oder kaum Kontakt hat. Über die Entfernungen zwischen den deutschen Städten und mehrere Ligen hinweg ist das nur allzu verständlich. Die Nürnberger und Schalker selbst sind für mögliche Höhen und Tiefen in einer Freundschaft das beste Beispiel. Die Geschichte der Pokalbegegnungen zwischen den beiden Vereinen ist tatsächlich so alt wie der Pokalwettbewerb selbst , sie trugen bereits 1935 das erste Endspiel aus, als noch um den „Tschammerpokal“ gekickt wurde.

Mehr als 70 Jahre später und vor dem Hintergrund einer zu diesem Zeitpunkt bereits seit zwei Jahrzehnten bestehenden Freundschaft zeigten beide Fanlager nämlich, dass im Zweifelsfall die Sympathien auch mal hintanstehen müssen: Im Halbfinale des 1997 eingeführten Ligapokals bedachten sich die Fanblöcke mit „Nettigkeiten“ vom Schlage eines „Ihr werdet nie deutscher Meister!“ (Schalke war damals amtierender Vizemeister) oder „Ihr seid Scheiße wie der BVB!“. Keineswegs unübliche Schmähungen, aber für jahrzehntelange Freunde wiederum erstaunlich.

Die bekanntesten Fanfreundschaften (und Rivalitäten) im Fußball

Geschadet hat diese Episode der Freundschaft offenbar nicht und somit zählt die Verbindung von FCN und Schalke 04 weiterhin zu den bekanntesten und längsten, die die Bundesliga-Geschichte vorweisen kann. Ihren Anfang nahm sie 1980 und die überlieferte Version dreht sich seither um ein Mädchen namens Monika . Ein bisschen romantische Verklärung mag in diese Geschichte mit hineinspielen, die Freundschaft mag auch auf andere Weise zustande gekommen sein, am Ergebnis ändert sie freilich nichts.

Bayer Leverkusen und Kickers Offenbach

Sie klingt überdies erheblich freundlicher, als man das von den Ursprüngen der Freundschaft zwischen Fans von Leverkusen und den Kickers Offenbach behaupten könnte. Die besteht auch seit der Saison 1980/81, funktioniert aber eher nach dem Prinzip „Der Feind meines Feindes ist mein Freund“ – was in diesem Fall die Frankfurter Fans meinte, mit denen die Offenbacher eine offene Rivalität pflegten.

Für die feindlich gesinnte Stimmung zwischen Leverkusenern und Frankfurtern hatte wiederum Jürgen Gelsdorf gesorgt, seines Zeichens Libero bei Bayer 04 und verantwortlich für eine schwere Verletzung von Frankfurts südkoreanischem Stürmer Bum-Kun Cha. Die Frankfurter Fans nahmen das nicht nur zum Anlass für Morddrohungen gegen Gelsdorf, sondern erschienen außerdem zu DFB-Pokalbegegnung zwischen Leverkusen und Offenbach. Die Anhänger des OFC besorgten an diesem Abend den Schutz für alle angereisten Leverkusenern und legten damit den Grundstein für die bis heute bestehende Freundschaft.

Borussia Dortmund und – viele andere

Unter demselben Motto wie Leverkusener und Offenbacher haben übrigens auch die Fans vom BVB und von Rot-Weiß Essen zusammengefunden. Gemeinsames Ziel dieser beiden Fangruppierungen: Selbstverständlich die Schalker. In den 1990er Jahren wuchs die Gruppe der Fanfreunde dann innerhalb kürzester Zeit an, denn alle wollten mit den Dortmundern befreundet sein. Freundschaftsschals gab es daher mit Saarbrücken, dem VfB Leipzig, Darmstadt 98, Union Berlin, Hertha BSC, dem FSV Zwickau, dem Karlsruher SC, Juventus Turin und Lazio Rom.

Nicht immer ernstgemeint und keineswegs immer unproblematisch waren diese Annäherungen, wie etwa die Beziehung zwischen BVB-Anhängern und Fans des SC Freiburg . Langlebiger waren und sind da eher die Freundschaften zum HSV und zu 1860 München. Dass in der Hochzeit der Fanfreundschaften auch Freundschaftsschals von Dortmundern und Schalkern bzw. Dortmundern und Bayern auftauchten, dürfte von allen Beteiligten wohl mit einer gewissen peinlichen Betroffenheit zur Kenntnis genommen werden.

Schließlich gehören diese Konstellationen traditionell zu den größten Rivalitäten, die der deutsche Fußball vorzuweisen hat . Nicht, dass es davon zu wenige gibt, allein die lokalen und/oder regionalen Derbys sorgen schon für eine überaus beachtliche Zahl: HSV und St. Pauli, HSV und Werder Bremen, die „Feindschaften“ zwischen den rheinländischen Vereinen Gladbach, Köln, Leverkusen und Düsseldorf, die Animositäten zwischen Schwaben und Baden – die Liste würde jeglichen Rahmen sprengen.

Wirklich dramatisch sind diese Antipathien nicht, solange sie in einem vertretbaren Rahmen ausgelebt werden. Gewaltausbrüche sind dabei jedoch leider nicht unüblich, genauso wenig wie Beleidigungen weit unterhalb der Gürtellinie. Mit Fußball hat das alles natürlich nichts mehr zu tun, die Leidtragenden sind am Ende die Vereine und unbeteiligte Fans.

Haben Fanfreundschaften noch eine Berechtigung?

An sich eine seltsam anmutende Frage, die trotzdem vor einigen Jahren genauso im Blog der Berliner Hertha gestellt wurde. Seltsam ist sie nicht zuletzt deshalb, weil gerade die Berliner in der jüngeren Vergangenheit keineswegs durch freundliches, geschweige denn freundschaftliches Verhalten aufgefallen wären . Die Frage müsste vielleicht angesichts solcher Eskalationen daher vielmehr lauten: Warum sollten sie nicht mehr zeitgemäß sein? Weil sich heutzutage Fußballspiele medial besser vermarkten verlassen, wenn sie zu einem Derby hochstilisiert werden und damit eine Rivalität unterstellt wird, die so vielleicht die wenigsten Beteiligten empfinden?

Wenn Rivalität eskaliert

Die einfache Antwort lautet: Es gibt keinen wirklichen Grund, warum Fanfreundschaften heute weniger angesagt sein sollten, als noch vor 20 Jahren. Im Prinzip müsste es in einer derart vernetzten Zeit wie der heutigen sogar erheblich einfacher sein, freundschaftliche Kontakte zwischen den Vereinen und über Ligagrenzen hinaus zu knüpfen. Es lassen sich schließlich ausreichend Beispiele dafür finden, dass das funktionieren kann.

Eine Annäherung wäre – von den hoffnungslosen Kandidaten einmal abgesehen, die es leider immer gibt – in vielen Fällen sicherlich nicht die schlechteste Lösung. Dazu reicht schon ein Blick in den Jahresbericht der Zentralen Informationsstelle Sporteinsätze für die Saison 2017/18 : Von einer Entspannung der Verhältnisse ist dort kaum etwas zu finden, selbst die gesunkene Zahl der erfassten Straftaten ist kein Indiz dafür, dass es in und um die deutschen Stadien nach wie vor ein Problem mit gewaltbereiten und gewalttätigen Fans gibt.

Die Zustände sind nicht so dramatisch wie etwa in Argentinien. Die Gewaltexzesse, die im Zusammenhang rund um die Finalbegegnungen im Superclásico zwischen den Stadtrivalen River Plate und Boca Juniors zu beobachten waren, sind in dieser Form sicherlich beispiellos. Andererseits gibt es auch in Deutschland allzu häufig Vorfälle, die stark an die Ausschreitungen in Buenos Aires erinnern. Angriffe auf Fanbusse gehören zu den Gewaltakten, die immer wieder in die Nachrichten gelangen.

Sie sind sicherlich an der Spitze der Eskalation anzusiedeln, ähnlich wie bei einem Eisberg – darunter wartet ein breites Spektrum von Gewalttaten, von denen das Abbrennen von Pyrotechnik fast noch zu den „harmloseren“ zu zählen ist. Dazu gehört auch, dass es inzwischen zur „guten“ Sitte geworden zu sein scheint, von den Stadionrängen herab mit vorzugsweise noch gefüllten Bierbechern zu werfen. Das mag der Werfer vielleicht nicht als Akt der Gewalt werten, aber diejenigen, die es zu Unrecht trifft, sehen das sicher anders. Was damit noch nicht einmal abgedeckt ist: Das erschreckende Potenzial verbaler Gewalt, das sich regelmäßig in Beleidigungen oder gar Drohungen entlädt.

Mehr als Freundschaft: Wie freundschaftlich verbundene Fans nicht nur für den Fußball Gutes tun

Dabei gibt es auf der anderen Seite so viele Beispiele dafür, was gemeinschaftliche Anstrengungen von Fans unterschiedlicher Vereine im positiven Sinne bewirken können. Zum Beispiel das Projekt „tribunes sans frontières“/Tribüne ohne Grenzen, das die Fans des 1. FC Kaiserlautern zusammen mit den Anhängern des FC Metz vor zwei Jahren auf die Beine gestellt haben.

Beide Fanlager verbindet bereits seit 15 Jahren eine Freundschaft, mit dem Projekt sollen die Grundlagen geschaffen werden, um diese zukünftig weiter vertiefen zu können. Dazu sollen vor allem Verständigungsprobleme beseitigt werden, weil die Sprachkenntnisse auf beiden Seiten nicht optimal sind. Bei regelmäßigen Treffen wird das Schritt für Schritt geändert, vorbereiten können sich Fans beispielsweise mit dem eigens angelegten Fan-Wörterbuch , das ihnen zumindest die wichtigsten Vokabeln an die Hand gibt.

Die Hand reichen die Augsburger Fans im Rahmen ihres seit mehr als zehn Jahren bestehenden Projekts „Augsburg Calling“ allen Anhängern von Auswärtsmannschaften, die es in die Stadt verschlägt. Das Fanprojekt ermöglicht es Heim- wie Auswärtsfans, gemeinsam die Stadt und sich gegenseitig kennenzulernen, miteinander zu feiern und auf diesem Wege mögliche Gewaltpotenziale schon im Vorfeld zu beseitigen. Keine einfache Aufgabe, wie Initiator Gerhard Seckler im Interview mit einem Blick auf die Anfangszeit des Projekts erklärt – weil auch die eigenen Fans skeptisch waren.

Für eine bessere Verständigung und gegen Rassismus engagieren sich auch die Braunschweiger Eintracht und das Fanprojekt Braunschweig zusammen mit anderen Partnern. Angefangen hat diese Arbeit mit dem „Aktionsjahr für Toleranz, Vielfalt und Respekt“, das im Juli 2015 eine vorläufigen Abschluss fand, seitdem aber durch eine vom Verein gegründete Stiftung fortgeführt wird. Das ist nur eine kleine Auswahl an Projekten, die oft auch durch den Pool zur Förderung innovativer Fußball- und Fankultur (PFiFF) der DFL unterstützt werden.

Platz für Freundschaften – Fankultur im Wandel

Definitiv keine Freundschaft wird es mehr geben zwischen dem, was pauschal gerne als „der moderne Fußball“ bezeichnet wird und dem, was kaum weniger pauschal als „Fankultur“ gilt. Was nicht zuletzt daran liegen mag, dass die Verantwortlichen hinter dem neuen, kommerzielleren Fußball der Fanszene immer weniger Platz einräumen. So zumindest scheint es für viele aktive Fans, die sich mit ihren Wünschen und Forderungen nicht nur nicht gehört, sondern zugleich auch noch verurteilt finden.

Die Grundlagen der Fankultur

In der heutigen Zeit ist es schwer zu glauben: Aber Fußball hatte in Deutschland nicht immer den Stellenwert, den es heute vorweisen kann. Es dauerte mehr als 20 Jahre, bis der Ballsport nach seiner Einführung im Jahr 1874 zu deutschlandweiter Popularität fand. Ein wichtiger Grund für den Aufschwung war die Arbeiterklasse, die um die Wende zum 20. Jahrhundert das Spiel für sich entdeckte und im Zuge dessen für einen sprunghaften Anstieg der Fußballvereine sorgten.

Auf der anderen Seite wuchs auch die Begeisterung der Zuschauer, so dass die Spiele bereits in den 1930er Jahren von zehntausenden Zuschauern in den Stadien verfolgt wurden. Was nicht zuletzt daran lag, dass sich in der Anfangszeit des vereinsmäßig organisierten Fußballs noch eine recht eindeutige Unterscheidung von Arbeiter- und „Bonzen“-Vereinen vornehmen ließ. Der Klassenkampf wurde, wenn man so will, auf dem Rasen ausgetragen und machte es den Zuschauern dadurch leichter „ihren“ Verein je nach sozialem Hintergrund zu finden.

Erst die Gründung der Bundesliga gab dann den Startschuss für das, was bis heute als Fankultur gilt, mit den klassischen Merkmalen:

  • Durch die baulichen Veränderungen der Stadien zur WM 1974 erhielten die meist jugendlichen Fans die Gelegenheit, sich in den Kurven zusammenzufinden.
  • Wie die britischen Fans fingen auch die deutschen Anhänger jetzt mehr und mehr an, von den Rängen mit rhythmischen Klatschen und Singen ihre Mannschaft anzufeuern.
  • Dazu kam die optische Identifikation: Der Schal in den Vereinsfarben gehörte in jedem Fall dazu, vermehrt kamen jetzt Fahnen hinzu – und die „Kutte“, die jeden echten Fan kenntlich machten.
  • Die „Kutten“ organisierten sich wiederum in Fanclubs und gaben in den Kurven bis in die Mitte der 90er hinein den Ton an. Dort bekamen sie aber seit den 1980ern Konkurrenz in Form von Hooligan-Gruppierungen, die sich für den Sport gar nicht interessierten und die Identifikation mit dem Verein lediglich als Grundlage für ihre gewalttätigen Auseinandersetzungen nutzten.

Mit den ausklingenden 90er Jahren wurden aber vor allem die Hools durch die aufkommende Ultra-Bewegung abgelöst. Die orientierte sich weniger an den englischen Vorbildern, sondern übernahm ihre Grundlagen mehr aus der in Italien bereits etablierten Ultras-Szene. Diese Gruppierungen bestimmen seither die Fankultur in den Stadien, sie sind unter anderem verantwortlich für die aufwändigen Choreografien und verschreiben sich voll und ganz ihrem Verein.

Besonders ausgeprägt ist aber nicht nur ihre Identifikation mit dem Verein, sondern auch die Wertschätzung für den Fußball an sich. In gewisser Weise stellen die Ultras innerhalb der Entwicklungen im modernen Fußball die Traditionalisten dar, die sich deshalb auch – öffentlichkeitswirksam in den Stadien – gegen eben diese Veränderungen stellen.

Eines der jüngeren Beispiele für diese Gegenposition, die vereinsübergreifend vorgetragen wurde, war der Protest gegen die Ansetzung von Montagsspielen in der 1. Bundesliga. Der wiederum in der Tradition der „Pro 15:30“-Proteste stand, mit dem die Ultra-Szene bereits gegen die Zerstückelung der Bundesligaspieltage auf mehrere Tage und unterschiedliche Anstoßzeiten protestierte – und aus der die Initiative „ProFans“ hervorgegangen ist.

Tatsächlich ist es genau diese Haltung, wegen der die Ultras in der Öffentlichkeit mit zwiespältigen Gefühlen wahrgenommen wird: Einerseits muss das Engagement dieser Fans, nicht nur im Stadion, sondern vor allem auch im sozialen Bereich – bei Aktionen gegen Rassismus, bei der Unterstützung von Minderheiten etc. – die verdiente Wertschätzung erfahren. Andererseits sorgt die Selbstinszenierung als Rebellen dafür, dass die Ultras nicht nur von den Vereinen, sondern auch von anderen Fans kritisch betrachtet werden.

Gemeinsam für den Fußball: Fanfreundschaften als positives Zeichen

Problematisch ist außerdem, dass der moderne Fußball in seiner kommerzialisierten Form immer weniger Raum lässt für die Ultraszene. Nicht nur wegen der kritischen Haltung zu vielen Themen und der Bereitschaft, diese kundzutun. Ein wiederkehrendes Thema ist offenkundig die um sich greifende Kommerzialisierung, hinter der die Interessen und Wünsche der Fans vermeintlich keine Rolle mehr spielen. Dass dadurch ein großes Stück Fankultur oder die Fankultur in ihrer bekannten Form wegbrechen könnte, ist eine Gefahr, die nicht unterschätzt werden sollte.

Nicht, weil darunter die Stimmung in den Stadien leiden könnte. Sondern weil die Fanszene nicht nur für den Verein und den Sport wichtig ist. Beispiele wie die eingangs erwähnte Fanfreundschaft zwischen Nürnbergern und Schalkern, wie die zahlreichen Projekte, mit denen die Fans für mehr Verständnis untereinander und in der gesamten Gesellschaft zusammenarbeiten, sind doch letztlich genau die positiven Zeichen, die den Fußball über alle Grenzen hinweg so populär gemacht haben.

 

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