Freude über gemeinsame Fortschritte

„Die Leute kamen fröhlich, und sie gingen fröhlich“: Dekan Thomas Guba in der Bayreuther Stadtkirche. Foto: Andreas Harbach D

Kirchen in Bewegung: Die Reformation ist Geschichte und doch nicht abgeschlossen. 500 Jahre nach dem Thesenanschlag denken die Kirchen oftmals gemeinsam über Fehler der Vergangenheit und Gemeinsamkeiten für die Zukunft nach. Auch in Bayreuth.

Für den Dekan fielen Weihnachten und Ostern sozusagen auf einen Tag – den Jubiläumsreformationstag. Jedenfalls zog Thomas Guba, zuständig für Bayreuth und Bad Berneck Nord, zufrieden Bilanz. „Ich war sehr positiv überrascht über den starken Besuch“, sagte Guba über den Gottesdienst in der Bayreuther Stadtkirche, „weil der Reformationstag sonst nicht so besonders besucht ist. Diesmal aber waren keine Gesangbücher mehr zu bekommen“. Auch in Bad Berneck sah er Grund zum Frohlocken. „Die Kirche war bis zur zweiten Empore besetzt, das gibt es sonst nur zu Weihnachten.“ Mindestens genau so wichtig: „Es herrschte eine gute und gelöste Stimmung. Die Leute kamen fröhlich, und sie gingen fröhlich.“

Konzert in der Stadtkirche

In Bayreuth konzentrierten sich die Feierlichkeiten zum 500-jährigen Jubiläum des Thesenanschlags zu Wittenberg auf die Stadtkirche. Nach dem Gottesdienst am Vormittag stellte am Abend ein Festkonzert den Luther-Choral „Ein feste Burg ist unser Gott“ in den Mittelpunkt (unsere Besprechung lesen Sie rechts). Auch in Bad Berneck gab es einen Gottesdienst zum Reformationstag. Danach konnten die Besucher ein Kunstprojekt von Petra Feigl und Nora Gomringer betrachten: An die Mauer des Kirchturms wurde ein Film projiziert, den die beiden Lyrikerinnen produziert hatten, aus Material ihres Kunstprojekts „Aufsmaulschaun“, das Luthers vielen Wortschöpfungen nachspürt (Seite 19).

Riesiger Andrang

An der zentralen Feier, dem Kirchentag des Kirchenkreises in Coburg, nahm Regionalbischöfin Dorothea Greiner aus Bayreuth teil. Auch sie berichtete über riesigen Andrang. Die Besucher seien in andere Kirchen umdirigiert worden, sagte Greiner, doch hätten Hunderte Menschen noch kurz vor Beginn des Gottesdienstes vor den Türen der St. Moritz-Kirche ausgeharrt. „Wir mussten sie reinlassen.“

Greiner feierte zusammen mit dem Bamberger Erzbischof Ludwig Schick in Coburg einen ökumenischen Gottesdienst. In ihrer Predigt erinnerte Greiner daran, dass katholische und evangelische Kirche lange in theologischen Streitigkeiten, „vor allem aber in Unversöhnlichkeiten und Eitelkeiten“ gefangen gewesen seien. Dass jetzt ein Reformationsjubiläum von den verschiedenen christlichen Konfessionen erstmals seit 500 Jahren gemeinsam begangen werde, sei „reine Gnade Gottes, unverdient und unbezahlbar.“ Im Gespräch mit dem Nordbayerischen Kurier betonte Greiner die Fortschritte, die Katholiken und evangelische Christen gemacht hätten, auch, indem sie einander um Vergebung baten, „für die Feindseligkeiten und Vorurteile, die doch über die Jahrhunderte hinweg das Gegeneinander geprägt haben.“ Der schönste Augenblick während des Jubiläumsjahres sei für sie ein ökumenischer Versöhnungsgottesdienst in der Bamberger St. Stephan-Kirche mit dem Titel „Healing of Memories“ („Heilung der Erinnerung“) .

Die Reformation schreitet voran

In ihrer Predigt äußerte sie die Hoffnung, dass Christus seine Kirche weiter reformiere: „Die Welt braucht uns gemeinsam. Sie braucht Christen, die miteinander verkündigen, lieben und der Not der Menschen in unserem Land und weltweit gemeinsam begegnen.“ Erzbischof Ludwig Schick verwies in seiner Ansprache unter anderem auf ein Grundelement der reformatorischen Lehre, nach dem der Mensch „allein durch seinen Glauben“ das ewige Leben erlange. Dies sei früher ein Kampfbegriff gewesen. Diese Kontroverse sei heute aber kein Thema mehr, sagte der Erzbischof. Gemeinsam hörten und beherzigten Protestanten und Katholiken das Wort des heiligen Paulus an die Galater: Denn in Christus Jesus komme es darauf an, „den Glauben zu haben, der in der Liebe wirksam ist“.

Der Ton macht die Musik

Greiner und Schick predigten gemeinsam über die vier sogenannten „Soli“ als Kerngedanken der Reformation: „Solus Christus“ (Christus allein), „Sola fide“ (allein durch den Glauben), „Sola gratia“ (allein durch Gnade) und „Sola scriptura“ (allein durch die Heilige Schrift). „Das trennt uns nicht mehr, das verbindet uns“, sagte Greiner dem Kurier. Schick wie Greiner stellten fest, dass die großen christlichen Kirchen 500 Jahre nach Beginn der Reformation viele trennende Gräben überwunden hätten. Fortschritte im Verhältnis der beiden Konfessionen sieht auch Thomas Guba: „Es hätte sein können, dass jede Seite das Jubiläumsjahr dazu nutzt, sich abzugrenzen. Stattdessen hat man über die Punkte, die einen trennen, gesprochen und ist sich dabei näher gekommen.“

Auch da macht der Ton die Musik. Dorothea Greiner machte ihrem katholischen Kollegen jedenfalls ein Kompliment: „Ich freue mich sehr, dass in den vergangenen acht Jahren von Begegnung zu Begegnung Vertrauen und Geschwisterlichkeit gewachsen sind. Das liegt auch an ihm persönlich.“

Kirchplatz 1, 95444 Bayreuth

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