Fremdenverkehrszahlen Fichtelgebirge: Tourismus boomt - aber nicht überall

Gut besucht ist derzeit der Badestrand des Fichtelsees. Das liegt auch an den neuen Attraktionen: Das Open-Air-Naturraum-Team mit Ideengeber Sebastian Voit an der Spitze hat Sandplatz und Kinderbecken angelegt – „mit Fichtelgebirgssand“ wie Voit extra betont - unterstützt vom gemeindlichen Bauhof und vom Waldhotel, von dem auch die Kletterhüpfburg kommt. gis/Foto: Harald Judas

OCHSENKOPF. Im Fichtelgebirge kennen die Gäste- und Übernachtungszahlen seit Jahren nur eine Richtung: nach oben. Das gilt auch wieder fürs erste Halbjahr 2018. Am Ochsenkopf dagegen sind die Zahlen uneinheitlich. Dafür gibt es teils handfeste Gründe.

Die Zahlen: Kommen vom Landesamt für Statistik, sie beruhen auf der monatlichen Meldepflicht, die Hotels und Gasthöfe mit zehn und mehr Betten haben. Die im Fichtelgebirge zahlreichen Kleinvermieter sind also nicht enthalten, sie werden landesweit nur einmal jährlich erhoben.

Das Fichtelgebirge: Hatte in den Monaten Januar bis Juni 3,7 Prozent mehr Gäste und vier Prozent mehr Übernachtungen als im gleichen Zeitraum 2017. Die Fränkische Schweiz hatte drei Prozent mehr Gäste und 2,7 Prozent mehr Übernachtungen.

Allerdings sind die Fichtelgebirgszahlen stets mit Einschränkung zu genießen. Denn das Landesamt subsumiert unter dem Fichtelgebirge auch die Zahlen aus den Städten Hof und Bayreuth. So waren unter den gut 265 000 Gästen des Fichtelgebirges auch gut 12 000 in Bayreuth und gut 5000 in Hof. Vor allem die Bayreuther Zahlen zogen die Fichtelgebirgszahlen in die Höhe: 7,6 Prozent mehr Gäste, 7,1 Prozent mehr Übernachtungen in der Wagnerstadt.

Ochsenkopf: In der touristischen Kernregion des Fichtelgebirges gehen die Zahlen mit Blick auf die einzelnen Orte munter rauf und runter. Warmensteinach setzt seinen Aufwärtstrend der vergangenen Jahre unvermindert fort: 7,2 Prozent mehr Gäste und sogar zehn Prozent mehr Übernachtungen. Dagegen gibt es in Fichtelberg einen deutlichen Einbruch. Doch der ist einem einzigen Haus geschuldet: Das BLSV-Sportcamp Nordbayern in Neubau ist seit Anfang des Jahres geschlossen. In vergangenen Jahren stand das BLSV-Camp für ein Fünftel bis ein Sechstel der Fichtelberger Zahlen, wie Tourismusmanager Andreas Munder weiß. Auf diesem Hintergrund sind die Rückgänge in Fichtelberg – 8,2 Prozent weniger Gäste, 15,4 Prozent weniger Übernachtungen – fast moderat. Anders ausgedrückt: Wäre das Sportcamp noch in Betrieb, hätte auch Fichtelberg steigende Zahlen gehabt. Uneinheitlich sind die Bischofsgrüner Zahlen: 8,3 Prozent weniger Gäste und 1,8 Prozent weniger Übernachtungen. Was auch die Nachricht enthält, dass in Bischofsgrün die Gäste heuer länger blieben als im Vorjahreszeitraum.

Und Mehlmeisel hatte laut den Zahlen des Landesamtes 16,8 Prozent weniger Gäste. Die aber ebenfalls länger blieben als im Vorjahr, denn das Minus bei den Übernachtungen liegt nur bei 0,4 Prozent.

Andreas Munder nennt eine Reihe von Gründen für die uneinheitlichen Zahlen am Ochsenkopf: Während Februar und Mai in diesem Jahr sehr gut waren, reichte der eigentlich auch gute Januar nicht an die Zahlen des Januar 2017 heran. Damals hatte der Ochsenkopf den besten Januar jemals gehabt. Und der war trotz des Deutschen Winterwandertages 2018 nicht zu toppen.

Munder ist trotzdem zuversichtlich, dass am Ende des Jahres positivere Zahlen stehen könnten. Unter anderem, weil dieses Jahr bisher 30 Kleinvermieter erstmals bei der Buchungsplattform booking.com angeschlossen sind, „und die können sich teils über eine deutlich verbesserte Nachfrage freuen“, so Munder. Die TMO – deren Geschäftsführer Munder ist – wie auch die Tourismuszentrale Fichtelgebirge versuchen seit Jahren, auch unter den kleineren Vermietern den Anteil der Onlinebuchbarkeit zu erhöhen.

Weißenstadt: Im Landkreis Wunsiedel hat sich in jüngeren Jahren mit nun zwei großen Hotels zum neuen Schwergewicht im Fichtelgebirge entwickelt. Die ganz stürmischen Wachstumsraten gehören hier inzwischen auch der Vergangenheit an, aber es geht immer noch aufwärts: 10,6 Prozent mehr Gäste, elf Prozent mehr Übernachtungen im Vergleich zum ersten Halbjahr 2017. Das ist auch deswegen bemerkenswert, weil das Gesundzeit Resort Siebenquell in der ersten Jahreshälfte 2017 zeitweise aus Werbezwecken mit preiswerten Pauschalen auf Masse und Auslastung statt Marge gesetzt hatte, im März und April 2017 war das Resort nach eigenen Angaben ausgebucht gewesen.

Bad Berneck: Die Kurstadt, einst ein Schwergewicht im Kurtourismus alter Prägung, kann sich auch über gute Zahlen freuen: 44,6 Prozent mehr Gäste und immer noch 9,1 Prozent mehr Übernachtungen.

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