Fraunhofer-Zentrum Aiwanger weiht 20 Millionen Euro teuren Neubau ein

Bayreuth. Ein 20 Millionen Euro ist ein Neubau am Fraunhofer-Zentrum für Hochtemperatur-Leichtbau (HTL) in Bayreuth entstanden. Die europaweit einzigartige Faserpilotanlage erlaubt erstmals eine eigenständige Produktion von Keramikfasern. Denn bisher haben hier Ostasien und Nordamerika die Nase vorn.

Zum Startschuss für die Produktion war Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (FW) am Freitag angereist. Er würdigte die neue Technologie, die ganz Europa Wettbewerbsvorteile bringen werde. In Bayreuth würden künftig keramische Faserverbundwerkstoffe entwickelt, "die andere noch nicht haben". Das HTL-Frauenhofer-Zentrum leiste wichtige Pionierarbeit. "Wir haben die Weichen richtig gestellt", sagte Aiwanger und verwies auf den über acht Millionen Euro hohen Zuschuss, den der Freistaat zu dem Projekt leistet. In gleicher Höhe fördert der Bund das Vorhaben. "Ich hoffe, dass wir das Kind damit zum Laufen bringen", sagte Aiwanger. Die Faserpilotanlage ist in seinen Augen "strukturpolitisch wichtig", um Oberfranken zu stärken "und nicht wieder nur München". Am Ende sei es entscheidend, nicht nur für die Schublade zu forschen, sondern mit den Ergebnissen Geld zu verdienen.

Dass dies der Fall sein wird, davon ist Gerhard Sextl überzeugt, der Leiter des Fraunhofer-Instituts für Silicatforschung in Würzburg, zum dem der Standort Bayreuth gehört. "Hochleistungskeramikfasern sind der Schlüssel für neue Verbundwerkstoffe", sagte Sextl. Die Stoffe würden vor allem für Gasturbinen und in der Luftfahrt genutzt. Hochtemperaturprozesse ließen sich damit mit weniger Energieverbrauch und weniger Kohlendioxid-Ausstoß nachhaltiger gestalten.

Hitzebeständig und formbar

Die Faserverbundwerkstoffe können bei hohen Temperaturen eingesetzt werden und sind ähnlich formbar wie Metalle. Zusammen mit Industriepartnern wie der Firma BJS Ceramics GmbH sollen bekannte Keramikfasern in hoher Qualität hergestellt werden. Danach gehe es darum, neue Fasertypen für noch höhere Einsatztemperaturen zu entwickeln.

Wie der Leiter des HTL-Fraunhofer-Zentrums in Bayreuth Friedrich Raether erklärte, ermögliche die Pilotanlage die Produktion von keramischen Verstärkungsfasern in hohen Mengen. Einige Tonnen pro Jahr könnten damit hergestellt werden. Zwei Fertigungslinien würden dafür aufgebaut. "Wir wollen den Vorsprung der anderen aufholen und neue energieeffiziente Werkstoffe in der Wärmetechnik entwickeln."

Am Beginn einer industriellen Produktion

Andreas Meuer, Vorstand der Fraunhofer-Gesellschaft München, machte deutlich, wie schnell die Entwicklung auf diesem Gebiet voranschreitet. Derzeit sind die USA und Japan auf dem Weltmarkt führend. Mit der Pilotanlage könnte eine industrielle, kostengünstige Produktion beginnen, die neue Leichtbau-Komponenten zur Marktreife bringe.

In nur 20 Monaten Bauzeit ist das Gebäude nach der Grundsteinlegung 2017 fertig gestellt worden. Dies ist laut Sextl nicht zuletzt der Stadt Bayreuth zu verdanken, die schnell Flächen bereit gestellt und den Bau zügig genehmigt habe. Oberbürgermeisterin Brigitte Merk-Erbe (BG) sagte, Investitionen in die Spitzenforschung würden zum Image der Stadt als einem attraktiven Arbeits- und Lebensort wesentlich beitragen. Am Fraunhofer-Zentrum für Hochtemperatur-Leichtbau arbeiten zurzeit 60 Mitarbeiter.

Sextl bedankte sich für die enge Kooperation mit der Universität Bayreuth. Gemeinsam werde ein neuer Professor für Thermoprozesstechnik berufen. Kanzler Markus Zanner betonte die Bedeutung von außeruniversitären "strategischen Allianzen". Beide Einrichtungen könnten als "Innovationsmotoren der Region" wirken. Traditionelle oberfränkische Branchen wie die Keramik- und die Textilindustrie würden im Hochtemperatur-Leichtbau in eine neue Zukunft geführt.

 

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