Frauentag: Macht ungleich verteilt

Im neugewählten Bundestag ist der Frauenanteil auf 30,9 Prozent gesunken. In der letzten Legislaturperiode waren noch 36,5 Prozent der Abgeordneten Frauen. Foto: Maurizio Gambarini/dpa/Archiv

Ein Meilenstein im Kampf um die Gleichstellung: Das Wahlrecht für Frauen. Vor 100 Jahren erhielten die Frauen in Deutschland das Recht, zu wählen und sich selbst wählen zu lassen. Dem ging ein langer Kampf der Frauenbewegung voraus. Doch immer noch haben Frauen in der Politik mit Vorurteilen zu kämpfen.

Der Weltfrauentag am 8. März entstand aus dem Ringen um Gleichberechtigung, Wahlrecht und Emanzipation. Die Vereinten Nationen machten ihn zum Tag für die Rechte der Frau und den Weltfrieden. Doch wie weit sind wir heute, wenn es um Frauen in der Politik geht?

Die Bayreuther CSU- Bundestagsabgeordnete Silke Launert, Mitglied im Familien- und Frauenausschuss und engagiert in der Frauenunion, sieht im Frauenwahlrecht einen "elementaren Grundpfeiler einer modernen Gesellschaft". Leider sei dies noch immer nicht in allen Ländern dieser Erde angekommen. Dass Frauen wählen dürften, sei "der Indikator für die Fortschrittlichkeit eines Landes" und sollte eine Selbstverständlichkeit sein.

"Gute Frauen ziehen Frauen an"

Doch auch in ihrer Partei liegt der Frauenanteil nur bei etwa 20 Prozent. Die Politik wird größtenteils von Männern gemacht. Und wenn sich Frauen einbringen wollten, sehen sie sich "noch mit zahlreichen Vorurteilen konfrontiert". Fähigkeiten wie soziale Kompetenz würden als Schwäche und nicht als Stärke ausgelegt. Und Männer seien besser darin, sich ein gutes Netzwerk aufzubauen. "Oftmals fehlt Frauen einfach die Zeit, abends Termine und Verabredungen wahrzunehmen", sagt Launert. "Denn häufig sind es noch immer die Frauen, welche die Kinder zu Bett bringen." Aber es gebe in Bayreuth erfolgreiche Frauen in der Politik, wenn auch noch zu wenige. "Ich bin davon überzeugt, dass gute Frauen wiederum gute Frauen anziehen."

Die Vizepräsidentin im Bayerischen Landtag, Inge Aures, blickt auf eine langjährige politische Karriere in der SPD zurück. Sie ist Landtagsabgeordnete für Kulmbach und Wunsiedel, davor war sie Oberbürgermeisterin der Stadt Kulmbach, ist Stadt- und Kreisrätin. "In der SPD haben wir aktuell einen Frauenanteil von 32 Prozent", sagt Aures, und damit einen höheren als die CDU (26 Prozent).

Kritischer Blick auf Frauen

Heute sei es eine Selbstverständlichkeit, dass Frauen in Deutschland wählen und sich am politischen Geschehen beteiligen. "Das war nicht immer so." Letzten Endes stehe das Wahlrecht für Frauen und Männer dafür, dass beide Geschlechter im Staat die gleichen Rechte und Pflichten haben. Dennoch hätten es Frauen in der Politik schwerer: "Frauen werden bei ihrem Vorgehen stets kritischer beäugt als Männer", weiß Aures aus Erfahrung. "Ich denke, Frauen treten weniger aufbrausend auf als Männer, sind aber bei der Durchsetzung ihrer Ziele oftmals hartnäckiger. Für mich trifft das auf jeden Fall zu." Auch Gehaltsunterschiede von 21 Prozent zwischen Männern und Frauen seien nicht akzeptabel. "Da müssen wir dran arbeiten, das darf auf keinen Fall so bleiben".

Von mutigen Frauen hart erkämpft

Auf kommunaler Ebene engagiert sich Dagmar Keis-Lechner, Grünen-Kreisrätin in Kulmbach, in der Politik. Sie vertritt die Ansicht: "Das Frauenwahlrecht, vor 100 Jahren durch mutige Frauen hart erkämpft, ist heute wie damals aus meiner Sicht nicht verzichtbar. 50 Prozent unserer Bevölkerung ist weiblich und muss entsprechend repräsentiert werden."

Aber Männer und Frauen sind nicht gleich. "Sie müssen aber vor dem Gesetzt gleich behandelt werden", stellt Dagmar Keis-Lechner fest. Und Gesetze würden von der Politik gemacht. So sei zwingend erforderlich, dass Frauen zur Hälfte Gesetze mitgestalten, ihre Umsetzung begleiten und überprüfen. Das Frauenstatut der Grünen besagt: Bei einer Liste ist jeder ungerade Platz ein Frauenplatz und wird nur von einem Mann belegt, wenn keine weitere Frau kandidiert. "Damit werden Frauen gestärkt und in die Gremien gewählt."

Frauen nicht die besseren Männer

Frauen sollten sich treu bleiben und nicht versuchen, die „besseren Männer“ zu werden. "Wir sind anders, entscheiden anders und haben andere biologische und sozial geprägte Erfahrungen", ist Keis-Lechner überzeugt. Über mangelnde Achtung könne sie sich weder in ihrer Partei noch in der Kommunalpolitik beschweren. "Allerdings bin ich im Kreistag mit den Kolleginnen in der Minderheit. Und das muss sich ändern. Daher mein Aufruf: Frauen geht nicht nur zur Wahl, sondern lasst euch auch wählen – wir brauchen euch!"

Nur ein Drittel an Einfluss

Als erste Oberbürgermeisterin der Stadt Bayreuth hat Brigitte Merk-Erbe nicht viele Kolleginnen. Nach Zahlen des Landesamtes für Statistik waren es 2010 sogar nur 129 Frauen in bayerischen Gemeinden, die erste Bürgermeisterin oder Oberbürgermeisterin einer kreisfreien Stadt waren. Merk-Erbe bekleidet ihr Amt seit 2012. Zum Weltfrauentag teilt sie mit: "Frauen stellen in unserem Land rund 52 Prozent der Bevölkerung. Doch in der Politik, wie in vielen anderen Bereichen, wäre man schon froh, wenn sie einen 30-prozentigen Anteil an Führungspositionen hätten."

Dafür gebe es nicht nur eine Ursache, sondern unterschiedliche Gründe. "Natürlich spielt eine wesentliche Rolle, inwieweit eine politische Gruppierung offen dafür ist, mit Frauen auf aussichtsreichen Plätzen ins Rennen zu gehen." Die Bayreuther Gemeinschaft habe damit in den vergangenen 20 Jahren nie ein Problem gehabt. "Angelika Rund oder ich selbst haben bei Stadtratswahlen auf Platz 1 kandidiert und auch 2014 stand eine Frau auf Platz 2."

Im Stadtrat nur neun Frauen

Auch im Stadtrat von Bayreuth sei "noch Luft nach oben": Der Stadtrat hat 44 Sitze, gerade mal neun sind von Frauen besetzt. Dass eine Frauenquote helfen könnte, daran hat Merk-Erbe ihre Zweifel. "Ich persönlich bin keine Anhängerin einer Quote", sagt die Oberbürgermeisterin. "Frauen können sich auch ohne Quote durchsetzen."

Für Frauen häufig problematisch sei das zur Verfügung stehende Zeitfenster für Kinder, Familie und Kommunalpolitik. "Was es für Frauen oft schwer macht, ist ihr ausgeprägter Wille, immer gut vorbereitet zu sein. Männer scheinen mir da etwas sorgloser", meint Merk-Erbe. "Ich persönlich glaube, dass für die Menschen unserer Stadt nicht das Geschlecht, sondern die Sicherheit, dass die Interessen ihrer Stadt glaubwürdig und angemessen vertreten werden, entscheidend ist.“

 

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