Fränkische-Schweiz-Museum Fabian Wittenborn neuer Museumspädagoge in Tüchersfeld

Einer seiner Lieblingsplätze im Museum: Fabian Wittenborn vor dem Skelett eines Höhlenbären. Foto: Stefan Brand

TÜCHERSFELD. Es gibt Menschen, die ihre Begeisterung für etwas in kürzester Zeit auf ihr Gegenüber übertragen. Fabian Wittenborn ist so ein Mensch. Der neue Museumspädagoge am Fränkische-Schweiz-Museum infiziert einen schnell mit seiner Leidenschaft. Die gehört der Geschichte ganz allgemein. Vor allem aber der ganz alten – der Steinzeit, der Bronzezeit. Den Grundstein für diese Passion legte er schon sehr früh. Kaum dass er laufen konnte.

„Das war mit drei, vier Jahren, da begann ich Dinos zu sammeln“, so der 32-Jährige, der im westfälischen Mettingen geboren wurde und in Melle bei Osnabrück aufwuchs. Die Saurier landeten im Flur, von ihm zu einer Ausstellung gruppiert. Für die malte er Eintrittskarten und bot seinen Eltern Führungen an. Sein erstes Museum sozusagen. Ein paar Jahre später dann die nächste Stufe. Da kam sein Vater ins Spiel, „der übrigens aus Franken stammt“. Der war Modelleisenbahnbauer und steckte seinen Zweitklässler-Sohn an mit dieser Passion. Doch da war nichts mit der klassischen Variante, wie man sie aus deutschen Hobbykellern kennt.

In vielen Epochen zu Hause

Denn da kam eine antike Variante zum Tragen. Bestückt mit Figuren aus dem Kult-Comic Asterix und Obelix. „Die haben wir auf einem Flohmarkt entdeckt“, sagt Wittenborn. Doch weil es irgendwie ein römischer Bahnhof sein sollte – mit Limes und Germanen und so –, war die Lebensdauer der Kelten begrenzt. Stillstand war auch danach nicht die Sache des Eisenbahnfans: „Ich hatte dann noch meine ägyptische und meine griechische Phase.“

Beim Studium war dann eher die Frühgeschichte sein Schwerpunkt. Seinen Bachelor absolvierte er in Marburg, seinen Master baute er in Heidelberg. Und seine Doktorarbeit widmete er schließlich dem Thema „Die späte Bronzezeit im Ingolstädter Raum“. Schwerpunkt hin, Schwerpunkt her: Fabian Wittenborn war und ist auch in anderen Epochen zu Hause. So war er in seiner alten Heimat Mitglied eines Vereins für Napoleonik – „seit meinem Studium fehlt mir dafür leider die Zeit“. Auch die römische Militärgeschichte beschäftigte ihn in seinen Jugendjahren, „auch wenn das natürlich am Gymnasium eher uncool war“.

Steinzeit-Projektwochen als erstes Erfolgserlebnis

Zurück zum Studium. Das hat ihn geprägt: „In Marburg habe ich meinen Horizont erweitert“, so Wittenborn. In Richtung Vorderer Orient, in Richtung Religionswissenschaften, in Richtung Christentum. In Heidelberg stand für ihn dann die ägäische Bronzezeit im Mittelpunkt, „ehe dann Prof. Wolfgang Stockhammer mein Interesse für diese Phase in Deutschland weckte“. Was ihn dabei fasziniert: Inzwischen könnten Archäologen aus ihren Funden so gut wie alles ermitteln – Alter, Geschlecht, soziales Umfeld, Todesursache. Ja, das sei durchaus vergleichbar mit dem, was Forensiker, was Gerichtsmediziner leisten: „Wir können da DNA-Analysen machen, es gibt heute umfassende Datenbanken, da sind viele einst offene Fragen gelöst worden.“

Das ist der Forscher in Wittenborn. Der wird er auch in Tüchersfeld bleiben. Wo er noch zwei andere Aufgaben hat. Ist er doch auch der Stellvertreter von Museumsleiter Jens Kraus. Und, klar, eben der Museumspädagoge. Da hat er sein erstes Erfolgserlebnis schon hinter sich – die Steinzeit-Projektwochen: „Es waren über 900 Schüler da, auch aus Erlangen oder Neunkirchen. Wir hatten aber deutlich über 1000 Anmeldungen, aber mehr ging halt nicht.“ Trotz der Unterstützung von Studenten aus Bamberg als Betreuer.

Geschichte praxisnah vermitteln

Praxisnah müsse Geschichte vermittelt werden, dann könne man auch den Nachwuchs dafür gewinnen, sagt er. Mit Spinnen, Weben, Töpfern – „Die Kinder waren begeistert, vor allem, weil sie da auch etwas mit nach Hause nehmen können“. Bewerben müsse man solche Vorhaben eigentlich nicht mehr, schon jetzt gibt es Anmeldungen für den Herbst 2019. Dann geht es um Musketiere und Edelfrauen.

Das Fränkische-Schweiz-Museum sei ein offenes Haus und soll noch offener werden, sagt der Vater eines kleinen Jungen. Ach ja, die Familie wird wohl bald größer werden – und auch da ist hörbar Begeisterung im Spiel.

 

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