Forstleute schauen in diesen Tagen genau auf die Bäume – Befallene Fichten müssen schnell entdeckt werden Borkenkäfer: Warnstufe gelb im Wald

Fritz Maier zeigt die Spuren des Borkenkäfers am Baum. Foto: Adriane Lochner

Buchdrucker und Kupferstecher sind nicht nur alte Handwerksberufe, sondern auch gefürchtete Schädlinge im Wald. Beide zählen zu den Fichtenborkenkäfern, die auch dieses Jahr ihr Unwesen treiben. Auf die Forstleute könnte einiges zukommen.

Ihre Namen haben die Käfer von den Mustern, die die Larven unter der Baumrinde graben. Während der kleinere Kupferstecher filigrane, verschnörkelte Fraßbilder erstellt, arbeitet sich der Buchdrucker gleichmäßig voran. Die Strukturen gehen meist von einer zentralen Höhle aus, der sogenannten Rammelkammer. Dort treffen sich die erwachsenen Käfer zur Paarung, dort legen die Weibchen ihre Eier, von dort aus fressen sich die Larven durch den Bast. Und genau das ist das Problem.

Käfer locken Weibchen mit Duftstoffen an

Durch die Bastschicht fließt das Lebenselixier des Baumes. Ähnlich wie das Blut des Menschen transportiert es Nährstoffe zu den Organen. Wird der Fluss von der Krone zu Stamm und Wurzeln gestört, bricht der Stoffwechsel zusammen. „Das ist wie ein Multiorganversagen. Irgendwann kommt der Wassertransport zum Erliegen, dann stirbt der Baum“, sagt Fritz Maier, Leiter des Forstbetriebs Nordhalben. Sommerhitze wirkt dabei als Beschleuniger, zum einen, weil die Bäume stärker transpirieren, zum anderen, weil sich die Käfer bei warmen Temperaturen schneller entwickeln.Das war der Grund für große Befürchtungen im Jahr 2014.

Männliche Späher unterwegs

Im Frühjahr beginnen sie bei Temperaturen von 16,5 Grad Celsius auszuschwärmen. Haben die männlichen Späher einen Baum gefunden, senden sie Sexualduftstoffe aus, um Weibchen anzulocken. Sind genügend Käfer da, gibt es einen anderen Duftstoff, der signalisiert „dieser Baum ist besetzt“. Dann lassen sich Neuankömmlinge auf benachbarten Fichten nieder. Sofort beginnt die Fortpflanzung, schon nach sechs Wochen sind die Jungkäfer geschlechtsreif und befallen weitere Bäume. Der Kreislauf beginnt von vorn. Bereits im vergangenen Jahr bereitete der Borkenkäfer den Waldbesitzern Sorgen.

200 Eier

Auch die Eltern bleiben aktiv, ein Käferweibchen legt innerhalb einer Saison etwa 200 Eier. So wächst der Bestand exponentiell, unter optimalen Bedingungen werden aus einem Käfer 100 000.  „Unser Hauptanliegen ist es, die Käferbäume schnell zu finden“, sagt Maier. Zum Forstbetrieb Nordhalben gehören 15 000 Hektar von der Thüringer Grenze bis nach Hof, Kulmbach, Kronach und Bayreuth. Insgesamt 50 Waldarbeiter und Förster führen mehrmals im Jahr Kontrollen durch. Befallene Bäume werden gefällt und unverzüglich ins Sägewerk geschafft. „In richtig schlechten Jahren können das um die 40 000 Festmeter Käferholz sein“, sagt Maier, das entspreche einem wirtschaftlichen Schaden von mehr als einer halben Million Euro. „Tut man nichts, stirbt der ganze Wald ab“, so Maier.

Mit dem Smartphone auf Käferjagd

Um die Borkenkäfer-Früherkennung zu beschleunigen, arbeiten die Staatsforsten seit diesem Jahr mit einem Geoinformationssystem (GIS)-basierten Programm für Tablet und Smartphone. Wo früher Käferbäume aufwendig mit Stift und Papier kartiert wurden, gehen die Meldungen der Förster heute in Echtzeit an die Zentrale. Durch systematisches Vorgehen und hohen Personaleinsatz haben die hiesigen Staatsforsten den Borkenkäfer im Griff. In den Privatwäldern sieht es anders aus.  Allein im Landkreis Kulmbach gehören etwa 20 000 Hektar Wald geschätzten 5000 Privateigentümern. Alle von ihnen sind gesetzlich verpflichtet, ihren Wald alle 14 Tage abzusuchen, wenn der Borkenkäfer droht.

Private Waldbesitzer oft zu alt

Gerhard Lutz, Abteilungsleiter im Kulmbacher Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF), erklärt: „Viele Waldbesitzer sind überfordert, sie können das nicht flächendeckend leisten. Wir beobachten eine Veralterung. Der 75-jährige Vater kümmert sich um den Wald, die Kinder sind berufstätig und haben keine Zeit.“ Dazu komme die Urbanisierung. Junge Waldbesitzer ziehen in Städte, ihre Wälder liegen brach.  Entgegen aller Befürchtungen hält sich der Borkenkäferbefall im Moment noch in Grenzen. Zwar war der Sommer 2015 außergewöhnlich trocken, wodurch sich der Käfer ausbreiten konnte, aber das nasskalte Frühjahr 2016 hat ihn in Zaum gehalten.

Fallen mit Lockstoff

Zur bayernweiten Borkenkäfer-Situation kann man sich auf der Website der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forsten informieren (www.fovgis.bayern.de/borki). An verschiedenen Standorten wird mit Hilfe von Lockstofffallen sogenanntes Monitoring betrieben. Durch Duftstoffe werden Buchdrucker- und Kupferstecherweibchen in Sammelkästen gelockt, um sie regelmäßig zu zählen. Die Beurteilung erfolgt nach einem Ampelsystem: grün steht für „keine Warnstufe“, rot für „Gefährdungsstufe“. In Oberfranken steht die Ampel derzeit auf gelb für „Warnstufe“. Gerhard Lutz sagt: „Der Borkenkäfer steht in den Startlöchern.“ Privateigentümer sollten jede Woche einen Spaziergang durch ihren Wald machen und die Augen offen halten.  

 

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