Forschung Fränkischer Kleinstsatellit im Orbit

Auf seiner vierten Mission: Der „Universität Würzburg Experimentalsatellit“ (UWE) wurde von Russland aus Ende des Jahres ins All geschickt.⋌ Foto: red

BAYREUTH/WÜRZBURG. Wenn der nächste fränkische Kleinst-Satellit „UWE-4“ im Orbit kreist, hat ein geborener Bayreuther die Finger mit im Spiel: Klaus Schilling, Professor am Zentrum für Telematik der Julius-Maximilian-Universität Würzburg. Denn am 27. Dezember starteten weltweit die ersten Tests von Elektro-Triebwerken in der Ein-Kilo-Satellitenklasse, wie Schilling mitteilt. Über die Forschung ist der Lehrstuhlinhaber für Robotik und Telematik auch mit der Universität Bayreuth verbunden.

Kurz vor Ende des Jahres 2018 ließen die Raumfahrtinformatiker der Uni Würzburg den bereits vierten Experimentalsatelliten ins All bringen. Um seine Umlaufbahn selbst zu kontrollieren, wird der Pico-Satellit erstmals Elektro-Antriebe nutzen. Bisher habe man nur die Ausrichtung gezielt verändert. „Insofern ist dies ein neuer Meilenstein für die Welt der Kleinstsatelliten, der hier gemeinsam mit den Partnern von der Technischen Universität Dresden realisiert wurde“, stellt Schilling fest.

Was am 27. Dezember frühmorgens an der südöstlichen Grenze von Russland zu China am Himmel als leuchtender Streifen zu sehen, war also keine Sternschnuppe. Dort strahlten die feurigen Antriebe einer Soyuz-Rakete, die vom Kosmodrom Wostotschny auf den Weg ins All geschickt worden war. Mit an Bord: „UWE-4“, der vierte der „Universität Würzburg Experimentalsatelliten“ (UWE). Der erste war 2005 entsandt worden und befindet sich mittlerweile im Deutschen Museum.

Das „UWE-Programm“ dient dem Informationsdienst Wissenschaft zufolge dazu, innovative Technologien weiterzuentwickeln, um die Raumfahrt kleiner, kostengünstiger und effizienter zu machen. Dabei würden die Defizite der Miniaturisierung durch fortgeschrittene Software ausgeglichen, um in den widrigen Bedingungen des Weltraums zu überleben. Der Pico-Satellit sei etwa 585 Kilometern Höhe ausgesetzt worden und kreise nun 16-mal am Tag um die Erde. Wenn er über die Bodenstation Uni Würzburg fliege, könne er für maximal zwölf Minuten Kontakt aufnehmen und seine angesammelten Daten übertragen.

Wie Schilling berichtet, ist „UWE-4“ von den Doktoranden Philip Bangert und Alexander Kramer und weiteren Studenten realisiert worden. Der Satellit ist mit vier Triebwerken ausgestattet, die je 0,25 g Treibstoff zur Verfügung haben. Durch den effizienten Elektroantrieb könne er über ein Jahr Störungen seiner Umlaufbahn korrigieren. Nach Ende seiner Mission werde er gezielt auf einen Absturzorbit gebracht. Nachfolgemissionen werden bereits vorbereitet. Das Projekt wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie durch das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) gefördert. red/ue

 

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