Forscher starten ein Projekt um einer Anomalie bei Bad Staffelstein auf den Grund zu gehen Unter Staffelstein wirds ungewöhnlich heiß

Blick vom Staffelberg auf Bad Staffelstein. Forscher haben dort einen überdurchschnittlich schnellen Anstieg der Erdwärme festgestellt und wollen jetzt herausfinden, ob davon bald die gesamte Region profitieren könnte. Foto: Nicolas Armer/dpa

Die Bürgermeister im Kreis haben Post bekommen. Darin schreibt das Bayerische Wirtschaftsministerium, dass es die Erlaubnis zum Aufsuchen von Erdwärme erteilt hat. Das Schreiben treibt den Bürgermeistern die Sorgenfalten auf die Stirn. Warum in der Region gesucht wird und warum die Ergebnisse der Bundesanstalt zur Suche eines atomaren Endlagers übermittelt werden sollen, erklärt das Ministerium in seinem Schreiben nämlich nicht.

Der Aufseßer Bürgermeister Ludwig Bäuerlein ist besorgt. Das Schreiben, in dem von einer Vorlage der Messergebnisse an die Bundesanstalt für Endlagerung die Rede ist, habe ohne Vorankündigung im Briefkasten gelegen. Eine vier Milliarden Quadratmeter große Fläche gelte es demnach zu untersuchen und einer festgestellten „Anomalie“ auf den Grund zu gehen. Drei Jahre sollen die Untersuchungen zwischen Hassfurt und Goldkronach, zwischen Coburg und dem Ahorntal dauern und noch in diesem Monat beginnen. Überrascht zeigt sich auch Landrat Hermann Hübner, als er im Kreistag nach den Hintergründen der Untersuchungen gefragt wird.

Ein Fenster in den tieferen Untergrund

Die Genehmigung beim Ministerium beantragt und erhalten hat die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU). Sprecher des dortigen Geozentrums ist Harald Stollhofen. Und der Professor spricht von einer Art erstem Ultraschallbild des Bodens und von einem „Fenster in den tieferen Untergrund“, das es aufzustoßen gelte. Demnach soll nicht gebohrt werden, sondern über die vibrierende Bodenplatte eines Fahrzeuges eine Schockwelle mehrere Kilometer tief in den Boden geschickt und deren Reflexion dann aufgezeichnet werden. Der Grund dafür: Die tieferen Gesteinsschichten seien in Nordbayern so gut wie noch nicht erforscht. Über 1000 Meter tiefe Bohrungen habe es bisher kaum gegeben. Mit wenigen Ausnahmen, darunter in Bad Staffelstein im Zuge der Suche nach Thermalwasser.

Überdurchschnittlich schnell wird es warm

Und dabei sei den Forschern etwas Besonderes aufgefallen. Dass der Boden überdurchschnittlich schnell warm wird, je tiefer man gräbt. Während die Temperatur für gewöhnlich alle 100 Meter um ziemlich genau drei Grad steigt, geht es bei Bad Staffelstein schneller. Harald Stollhofen spricht demnach von einem „fränkischen Hotspot“ und davon, dass man vergleichbare Temperaturen im Boden bisher vor allem von dem Molassebecken im Alpenvorland und entlang des Rheingrabens bei Karlsruhe kenne. Woran das liegen könnte? Das sollen die Untersuchungen jetzt zeigen. Sie sollen aber auch Aufschluss darüber geben, ob es sich um eine Staffelsteiner Besonderheit handelt, oder doch eher um eine Fränkische. Träfe letzteres zu, sagt Stollhofen, böte das ein bisher unerschlossenes Potenzial für die Wärmegewinnung in der Region.

Die Ergebnisse werden automatisch geteilt

Bis die ersten Fahrzeuge fahren und messen, würden aber noch einige Monate ins Land gehen. Zunächst müssten die natürlichen Gegebenheiten in der Region untersucht und dokumentiert werden. Weil das Projekt vom Ministerium und damit von Steuergeldern finanziert werde, müsste so effizient wie möglich gehandelt werden. Dazu zähle auch, die Ergebnisse automatisch an die Bundesanstalt zur Suche eines atomaren Endlagers zu übermitteln.

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