Flüchtlingskinder: keine schnelle Lösungen

Zwei Flüchtlingskinder in einer Kindertagesstätte in Düsseldorf. In Bad Berneck droht wegen hoher Zahlen eine Überforderung bei Integration und Betreuung. Jetzt ist klar: einfache, schnelle Lösungen gibt es nicht.Foto: Archiv/Monika Skolimowska/dpa

Der Landkreis will die Stadt Bad Berneck bei den Herausforderungen in der Betreuung von Flüchtlingskindern nicht allein lassen. Insbesondere die Kindertagesstätte Kindernest kann mit Unterstützung rechnen. Aber schnelle und einfache Lösungen gibt es nicht. Das ist das Ergebnis eines Gespräches im Landratamt. Doch die Kurstadt hat noch ein weiteres Anliegen.

Teilnehmer waren neben Bürgermeister Jürgen Zinnert (SPD) der Verwaltungsleiter Christian Hohlweg, Pfarrerin Karin Scheler für den Träger der Kita und Leiterin Pia Rebitzer; für die Landkreisverwaltung nahm unter anderem Anelia Sheljakow, Geschäftsbereichsleiterin Jugend und Soziales teil.

Bürgermeister Zinnert hatte sich im November mit einem Hilferuf an Landrat Hermann Hübner gewandt, nachdem sich zuvor Leitung und Träger der Kindertagesstätte Kindernest an ihn gewandt hatten.

Die Qualität der Kinderbetreuung sei nicht mehr gewährleistet, schrieb Zinnert. Was Pfarrerin Karin Scheler so nicht mittragen wollte. Aber auch sie warnte dem Kurier gegenüber vor einer drohenden Überforderung, weswegen trotz formal freier Plätze ein Aufnahmestopp verhängt wurde.

Kinder aus 21 Nationen

Kinder aus 21 Nationen besuchten die Kindertagesstätte, 18 der gut 120 Kinder in der Einrichtung sind Flüchtlingskinder. Mit deren Eltern sei in der Regel mangels Sprachkenntnisse keinerlei Kommunikation möglich, auch nicht über so elementare Dinge wie zu welchen Zeiten die Kinder gebracht und geholt werden. Auch „kulturelle“ Probleme gebe es, schildert Zinnert – wenn Kinder nicht wissen, was Klopapier oder eine Unterhose ist; auch Dinge wie Stift, Schere oder ein Puzzle seien vielen Kindern unbekannt.

„Lediglich an jedem Montag steht von 10 bis 13 Uhr eine Dolmetscherin für die arabische Sprache zur Verfügung“, so Zinnert in seinem Schreiben, „die evangelische Kirchengemeinde Bad Berneck als Betreiber der Kita hat außerdem bereits auf eigene Kosten eine Sozialpädagogen-Stelle mit 25 Prozent der regulären Vollzeitarbeitszeit besetzt, was angesichts der auftretenden Probleme jedoch hinten und vorne nicht mehr ausreicht.“

Um die notwendige Integrationsarbeit (Zinnert: „Wo, wenn nicht in der Kita?“) leisten zu können, forderte der Bad Bernecker Bürgermeister in seinem Brief vom November „vor allem zusätzliches Betreuungspersonal, das die Stadt Bad Berneck nicht stellen kann und zu stellen unserer Meinung nach auch nicht vorrangig verpflichtet ist“.

Derzeit ist die Betreuung gut

Anelia Sheljakow vom Landratsamt sagt nach dem Gespräch: „Wir suchen flexible Möglichkeiten und wollen einzelfallbezogen in konkreten kleinen Schritten helfen.“ Dabei gehe es weniger um die aktuelle Situation, sondern um die zukünftige Entwicklung, „derzeit sind die Kinder gut betreut, die Standards sind gewahrt.“

Verwaltungsleiter Christian Hohlweg hat aus dem Gespräch mitgenommen: „Man sieht das Problem und nimmt unsere Sorgen ernst. Aber der große Wurf war es noch nicht.“ Zusagen etwa für zusätzliches Personal habe es nicht gegeben, „wir versuchen, finanzielle Unterstützung aus verschiedenen Töpfen zu bekommen“, die Gesetzeslage stehe einer einfachen Lösung im Weg. Immerhin sehe es danach aus, dass aus der Sachmittelförderung beispielsweise Tablets angeschafft werden könnten mit Übersetzungsprogrammen. Aus Hohlwegs Sicht muss sich aber vor allem auf politischer Ebene etwas ändern, Politik und Gesetzesgeber seien gefordert. Auch auf dieser Schiene setze die Stadt weiter auf Unterstützung durch Landrat Hübner.

Auch Hohlweg sagt, dass im Kindernest derzeit noch die Betreuung gewährleistet ist. Aber man habe inzwischen weitere Anfragen von Flüchtlingsfamilien für einen Platz in der Kita bekommen, was nach Lage der Dinge abgelehnt werden musste.

Was wird aus dem Zuzugsstopp?

Aber es gab noch eine weitere Forderung aus Bad Berneck: die nach einem Zuzugsstopp von Flüchtlingen in die Kurstadt. Die war nicht Thema der Besprechung am Donnerstag im Landratsamt. Aber anscheinend sei dieses Thema inzwischen im bayerischen Sozialministerium angekommen, so Hohlweg: Über die Regierung habe das Ministerium entsprechende Daten bei der Stadt angefordert.

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