Flucht endete in Kulmbach 37-Jähriger steht in Chemnitz wegen Mordes vor Gericht

Symbolfoto: Paul Zinken/dpa

CHEMNITZ / KULMBACH. Was sich in der Nacht auf 23. April zwischen der sächsischen Kleinstadt Stollberg und Marktschorgast abgespielt hat, könnte man wohl eine Irrfahrt nennen. Was davor war, ist derzeit Gegenstand eines Verfahrens am Landgericht Chemnitz. Dort ist ein Mann angeklagt, der im Verdacht steht, seine Freundin erstochen und sich dann mit dem Auto nach Oberfranken abgesetzt zu haben.

An den bisherigen Verhandlungstagen machte der Angeklagte 37-Jährige über weite Strecken einen seltsamen Eindruck, wie der Prozessbeobachter Jan Oechsner von der Tageszeitung „Freie Presse“ berichtet. Die Richterin am Landgericht Chemnitz frage den Angeklagten, der in einem Haftkrankenhaus in Untersuchungshaft sitzt und dort auch behandelt wird, immer mal wieder nach seinem Befinden. „Er wirkt immer ein wenig neben sich und scheint sich der Tragweite dessen, um was es geht, nicht so ganz bewusst zu sein“, berichtet Oechsner im Gespräch mit unserer Zeitung.

22 Zentimeter langes Küchenmesser im Rücken

Fest steht bisher nur, dass die Lebensgefährtin des angeklagten Mannes am Morgen des 23. April dieses Jahres tot in der gemeinsamen Wohnung aufgefunden wurde. In ihrem Rücken steckte ein 22 Zentimeter langes Küchenmesser. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten vor, die Frau im Streit ermordet zu haben. Er soll ihr nachgegangen sein, sogar eine Tür zum Badezimmer eingetreten und die 27-Jährige dann niedergestochen haben. So berichtet die "Freie Presse" von den Ausführungen des Staatsanwaltes in der Verhandlung.

Und während die Richterin den Angeklagten offenbar mit Geduld zu einer Aussage bewegen will, versuchte es Staatsanwalt Jörn Wunderlich am vergangenen Verhandlungstag mit Nachdruck. „Reden Sie endlich mal“, habe er den Angeklagten angeherrscht, wie die Chemnitzer Tageszeitung berichtet. Bis dato blieben aber alle Versuche, den Tatverdächtigen zu einer Aussage zur Tat zu bewegen, erfolglos. Der Mann auf der Anklagebank schweigt weitgehend. Lediglich, dass es ihm im Krankenhaus nicht gut gehe und er zurück ins Gefängnis wolle, hat er laut Berichten der Freien Presse bisher mehrfach geäußert.

Urteil erst nach der Jahreswende

Festgenommen wurde der Tatverdächtige wenige Stunden nach dem gewaltsamen Tod seiner Lebensgefährtin von Kulmbacher und Bayreuther Polizisten am Klinikum in Kulmbach. Zuerst war er in der Nähe der A 9 unvermittelt auf einem Firmengelände in Marktschorgast aufgetaucht. Mitarbeiter des Unternehmens haben bereits vor Gericht ausgesagt. Von Marktschorgast aus kam der Mann mit dem Notarzt nach Kulmbach ins Krankenhaus. Weil die Mitarbeiter dort seine Personalien nicht feststellen konnten, verständigten sie die Polizei. Kurz danach war klar, dass es sich um den Tatverdächtigen des Stollberger Mordfalles handelte. Er wurde verhaftet und der Polizei in Sachsen überstellt.

Ein Urteil in dem aufsehenerregenden Mordfall wird es heuer nicht mehr geben. Der nächste Verhandlungstag ist für den 8. Januar 2019 angesetzt. Der Verteidiger des Mannes, dem Vernehmen nach ein erfahrener Pflichtverteidiger, hat im Verlauf des Prozesses von einem Gutachten gesprochen, das seinem Mandanten eine paranoide Schizophrenie attestiere. Sollte der Mann für den Mord an seiner Lebensgefährtin verurteilt werden, wird sein Geisteszustand im Urteil wohl eine zentrale Rolle spielen.

 

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