Flex-Trio auf Irrfahrt Prozess gegen Serienbrandstifter

An dem Holzrückefahrzeug, das die Angeklagten im Waldgebiet bei Ködnitz angezündet haben sollen, entstand am 31. März 240 000 Euro Schaden.⋌ Foto: Archiv/Melitta Burge

BAYREUTH/KULMBACH. Eine Serie von Brandstiftungen, Diebstähle und Sachbeschädigungen wirft die Anklage drei jungen Kulmbachern im Alter von 21, 20 und 18 Jahren vor. Der Prozess vor der Jugendkammer des Landgericht begann mit Rätselraten des Vorsitzenden Richters Michael Eckstein. Auf die Frage „Wozu das alles?“ antwortete einer der Angeklagten: „Ich weiß auch nicht. Eigentlich macht das alles überhaupt keinen Sinn.“

Es ist tatsächlich eine der sinnlosesten Straftatenserien, die seit langem vor dem Landgericht verhandelt werden: Der 21- und der 20-jährige Angeklagte starteten sie am 21. März am Asenturm: Mit einer Flex zerstörten sie die Spendenbox des Fichtelgebirgsvereins. Die Tat gestand der 20-jährige Besitzer der Flex, bestritt aber die in der Anklage genannte Beutehöhe von 200 Euro: „Es waren höchstens zehn bis 20 Euro drin.“

Der junge Mann gestand auch, dass man im gleichen Zeitraum versucht habe, in Fleckl zwei Parkscheinautomaten aufzuflexen. Das habe aber nicht funktioniert: „Die Akkus waren zu schnell leer.“

Der 20-Jährige gestand auch, sich mit seinem etwas älteren Mitangeklagten an einem Zigarettenautomaten auf dem Sportgelände des SV Ramsenthal zu schaffen gemacht zu haben. Er widersprach jedoch dem Vorwurf, das Bargeld in Höhe von fast 700 Euro entnommen zu haben, denn: Erneut habe die Flex schlapp gemacht.

Der nächste Einsatz der Flex war an einem Parkscheinautomaten in einem Parkhaus in Kronach: Erneut kamen die Angeklagten nicht an den Geldbehälter, hinterließen aber laut Anklage einen Schaden in Höhe von rund 7000 Euro.

Der Besuch der Polizei "brachte nichts"

Am Morgen danach bekamen die beiden Besuch von der Polizei. Der 20-Jährige: „Es war halb neun in der Früh, als die Polizei geklopft hat und mit dem Durchsuchungsbeschluss kam.“ Worauf Richter Eckstein ihm vorhielt: „Aber gebracht hat das nichts.“ Der Angeklagte meinte: „Richtig, es war schon irgendwie beeindruckend, aber es hat letztlich nichts gebracht.“

Warum? Die zwei Heranwachsenden machten nicht nur weiter. Sie steigerten die Intensität ihrer Straftaten und holten einen dritten mit ins Boot, einen 18-Jährigen. Nachdem sie erst am 29. März von einem bei Thurnau stehenden Warnleitanhänger der Autobahnmeisterei Rücklichter und Warnleuchten demontiert hatten, machten sie sich zwei Tage danach an einem Holzrückefahrzeug im Waldgebiet bei Ködnitz zu schaffen und schraubten auch hier Scheinwerfer ab. Und „irgendeiner“ der Trios schlug dann vor, man müsse Spuren verwischen. „Fingerabdrücke, DNA und so“, sagte der 20-Jährige. Das Trio besorgte Spiritus, kehrte in den Wald zurück und zündete den Harvester an. Dabei entstand ein Schaden von rund 240.000 Euro.

Kennzeichen abgeschraubt und geflohen

Wie in einem schlechten Abenteuerfilm – der 20-Jährige hatte immer eine Schreckschusswaffe im Gürtel – schraubten die drei die Kennzeichen vom Auto des 21-Jährigen ab, flüchteten durch den Wald auf eine Anhöhe gegenüber und beobachteten den Brand des Geräts. Erst als sie merkten, dass sich ein Mann in der Nähe aufhielt, machten sie sich davon.

Noch am selben Abend sollen der 21-Jährige und der 18-Jährige eine an der B 85 bei Kulmbach im Waldgebiet nahe Höferänger gelegene Blockhütte angezündet haben. Der 20-Jährige sagte aus: „Ich war hundemüde und ich wollte nicht, dass diese Hütte angezündet wird. Ich schlief im Auto ein. Aufgewacht bin ich, als die anderen die Türen zuknallten und die Hütte brannte.“

Auf der Fahrt kam das Trio wieder in Thurnau vorbei. Wieder sagte „irgendeiner“, dass man nun eigentlich auch an dem drei Tage zuvor beschädigten Warnleitanhänger die Spuren vernichten müsse. Gesagt, getan: In einer nahegelegenen Tankstelle besorgte man Zweitaktöl.

Das Trio soll auch versucht haben, einen Werkzeuganhänger und einen Bauwagen im Ködnitzer Waldgebiet anzuzünden. Laut dem Geständnis des 20-Jährigen montierte man von dem Werkzeuganhänger das Stützrad und Leuchten ab. Der 20-Jährige sagte, in den meisten Fällen sei er derjenige gewesen, der die Brandbeschleuniger angezündet habe: „Ich bin Raucher. Ich war der Mann mit dem Feuerzeug.“

Die im strafrechtlichen Sinn am schwersten wiegende Tat begingen die drei in der Nacht zum Ostermontag: Der 20-Jährige und der 18-Jährige legten Feuer an einem Gebäudekomplex, das als „altes Wehrhaus“ bekannt ist und dessen Hauptgebäude einem Ehepaar als Wochenendhaus diente. Der 21-Jährige fuhr das Fluchtfahrzeug.

Die Feuerwehren konnten verhindern, dass des unter Denkmalschutz stehende Hauptgebäude abbrannte. Der Schuppen daneben war nicht mehr zu retten.

Die Brandserie hatte damals für erhebliche Ängste in der Bevölkerung und für Stress bei den Feuerwehren gesorgt. Die Polizei beendete das: Am 2. April wurde das Trio festgenommen. Der 20-Jährige befindet sich in Untersuchungshaft. Der 21-Jährige wurde aus der U-Haft in die Psychiatrie gebracht – offenbar ist er psychisch beeinträchtigt. Für ihn ist ein Gerichtsgutachter bestellt. Sein Verteidiger Werner Brandl erklärte für den 21-Jährigen, der junge Mann gestehe zwar grundsätzlich die Vorwürfe ein, könne sich aber nicht mehr genau erinnern. Der 18-Jährige ist auf freiem Fuß.

Der Prozess wird kommende Woche fortgesetzt.

 

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