Filmkritik "Wackersdorf" von Oliver Haffner

Johannes Zeiler (links) als Hans Schuierer in einer Szene des Films "Wackersdorf". Foto: Erik Mosoni/Alamode Film/dpa

PEGNITZ. Der Film „Wackersdorf“ versucht, die Geschichte des Widerstands gegen die Wiederaufbereitungsanlage im oberpfälzischen Wackersdorf an Hand eines Einzelschicksals zu erzählen. Das gelingt in weiten Teilen, doch eines fehlt: Der Eindruck einer Massenbewegung.

Regisseur Oliver Haffner greift sich die Person von Hans Schuierer (Johannes Zeiler), dem damaligen SPD-Landrat von Schwandorf heraus. Der hat ein schweres Erbe zu verwalten: Die Bergwerksregion erlebt den Strukturwandel, Zechen schließen, die Arbeitslosigkeit steigt. In diese hoffnungslose Lage platzt Umweltminister Alfred Dick (Sigi Zimmerschied) und bietet ihm „saubere“ Hochtechnologie, über 3000 Arbeitsplätze.

"Metzger gibt's in der Oberpfalz auch"

Das Treffen setzt den Ton für den Film: Weißwürste habe er aus München mitgebracht, meint der Minister. „Metzger gibt’s in der Opberpfalz auch“, sagt Schuierer. Es folgt eine Szene, in der Zimmerschied als Umweltminister voller Herablassung über die Besonderheit der Münchener Weißwurst doziert und schließlich mit dem Satz endet: „Bei uns ist eben immer noch a bisserl Petersilie im Sud – das sind eben die kleinen Feinheiten.“

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Feinheiten, die ein Oberpfälzer nicht verstehen könne, meint er da, ohne es auszusprechen. Ist Schuierer anfangs noch bereit das für die Arbeitsplätze zu erdulden, wird die herablassende Haltung der Münchener ihm bald zur Triebfeder im Widerstand gegen die WAA und er zu einem ihrer Rädelsführer.

„Bei uns redet man, wenn es etwas zu sagen gibt.“

Zeiler spielt den inneren Kampf des Landrats gekonnt. Mit wenigen, dafür treffenden Strichen zeichnet er ein Bild von einem Mann, der eben nicht anders kann: Weil es um seine Heimat geht, um seine Wähler – und nicht um eine persönliche Erfolgsbilanz. Wie im Bayerischen üblich, braucht es dafür keiner ausschweifenden Dialoge, dafür sitzt jedes Wort, oder wie Schuierer im Film sagt: „Bei uns redet man, wenn es etwas zu sagen gibt.“ Man erkennt die Oberpfalz gut, in diesem Film.

Verpasste Chancen, aber sehenswerter Film

Was man außerhalb des intensiv inszenierten Kammerspiels um Schuierers Gewissen nicht so erkennt, das ist die Größe des damaligen Widerstands: Kaum sind in einer Szene mal mehr als hundert Menschen zu sehen – und das, wo doch Hunderttausende zu den Sonntagsspaziergängen gekommen sind. Einige Originalbilder von Schlachten zwischen Demonstranten und der Polizei wurden gezeigt. Inszeniert wurde kein gewaltsamer Zusammenstoß. Der Film verschenkt so eine Chance auf Spannung, auf großes Drama, bleibt aber ein mehr als solides, sehenswertes Kammerspiel, das viel über die politischen Hintergründe zur WAA offenbart -- und deswegen sehenswert.

 

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