Film über einen Sinto Der Hölle von Auschwitz entkommen

Hugo Höllenreiner hat Auschwitz überlebt. Ein Film von Iovanca Gaspar schildert sein Schicksal. Zu sehen ist er am Donnerstag um 17 Uhr in der Black Box des RW21. Foto: Jack Bednarczy

BAYREUTH. Er hat Auschwitz und drei weitere Konzentrationslager überlebt: Der 1933 in München geborene Sinto Hugo Höllenreiner hat sein Leben in den Dienst der Aufklärung als Zeitzeuge gestellt. Der Aufklärung über die Gräuel der Nazis. Die Filmemacherin Iovanca Gaspar hat Höllenreiners Leben in dem Dokumentarfilm „Dui Rroma“ festgehalten. Am Donnerstag, 11. Oktober, stellt sie ihren Film um 17 Uhr in der Black Box des RW 21 vor. Die Veranstaltung im Zuge der Interkulturellen Wochen wird von Gaspars Sohn, dem Komponisten Adrian Gaspar, musikalisch gestaltet.

Höllenreiner wurde im Alter von neun Jahren am 8. März 1943 zusammen mit seiner Familie verhaftet und am 16. März 1943 in das Konzentrationslager Auschwitz deportiert. Die Nazis tätowierten dem Jungen die Nummer Z-3529 in die Haut seines Armes. Josef Mengele führte an ihm und seinem Bruder Menschenversuche durch.

Höllenreiner überlebte nicht nur die bestialischen Versuche Mengeles, sondern auch die weiteren Lager Ravensbrück, Mauthausen und Bergen-Belsen. 36 Angehörige der Familie Höllenreiner starben, seine Eltern und seine fünf Geschwister überlebten den Genozid. Höllenreiner, der 2014 anlässlich einer Gedenkveranstaltung zum 70. Jahrestag des Aufstandes im „Zigeunerlager in Auschwitz-Birkenau“ für sein Lebenswerk als „Botschafter der Menschlichkeit“ geehrt wurde, starb im Juni 2015 in Ingolstadt.

Von Mengele gequält

In dem Dokumentarfilm von Iovanca Gaspar erzählt Höllenreiner ihrem Sohn, dem Komponisten Adrian Gaspar, seine Lebensgeschichte. „Mengeles Augen habe ich heute noch im Kopf“, sagt Höllenreiner, der 2013 mit dem Austrian Holocaust Memorial Award ausgezeichnet wurde. Der Dokumentarfilm „Dui Rroma“ ist 45 Minuten lang. Filmsprache ist Romanes mit deutschen Untertiteln.

Familien verschleppt

„Verfolgt, deportiert, ermordet. Die Geschichte der Sinti in Hersbruck 1939-1945“ hat Paul Kornmayer sein Buch betitelt, das er bei der Veranstaltung vorstellen wird. Der Autor gehört dem Vorstandsteam des Vereins Dokumentationsstätte Konzentrationslager Hersbruck, der an die Geschichte des Konzentrationslagers Hersbruck und der Doggerstollen bei Happurg erinnert, an.

Zu dem 2018 erschienenen Buch ist auf der Homepage des Vereins zu lesen: „Am 8.3.1943 wurden Sinti aus vier in Hersbruck ansässigen Familien, davon zwei Familien komplett, aus ihren Wohnungen geholt und über das Schubgefängnis in Nürnberg ins Zigeunerfamilienlager nach Auschwitz deportiert. Einzelne kehrten nach einer Odyssee durch verschiedene KZ nach dem Krieg zurück.“ In seinem Buch recherchiere Kornmayer die Schicksale der Verschleppten und beschreibe die Auswirkungen der staatlichen NS-Rassenpolitik auf die Familiengeschichten .

Brüder sterben in Dachau

Die Geschichte der Sinti in Bayreuth und deren Schicksal während der Nazizeit wird Historiker Norbert Aas schildern. Verbürgt ist der Tod der beiden Brüder Max und Wilhelm Rose (der Kurier berichtete), die auf nicht bekannte Weise im Konzentrationslager Dachau ums Leben kamen. Ob es weitere Opfer von Sinti-Familien in Bayreuth gab, ist bisher nicht bekannt. In das Gedenkbuch der Stadt Bayreuth, in dem der Opfer der Nazi-Gräuel gedacht wird, haben die Brüder Max und Wilhelm Rose noch keinen Eingang gefunden, obwohl ihr Tod in KZ Dachau belegt ist.

 

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