Fichtelgebirgsverein Immer weniger Siebensternler

Geocaching mit dem Fichtelgebirgsverein an der Tauritzmühle. Doch nicht immer setzen sich die Angebote des Vereins für junge Familien auch ein steigende Mitgliederzahlen um. Foto: Archiv/Wolfgang Hübner

WUNSIEDEL. Ein halbes Tausend Siebensternler weniger binnen eines Jahres: Der Fichtelgebirgsverein verliert an Mitgliedern. Es gibt Ortsgruppen, die haben sogar in nur einem Jahr fast zehn Prozent ihrer Mitglieder verloren. Aber es gibt auch einzelne Ortsgruppen, die wachsen. Und: Bei der Suche nach Gründen und den Gegenrezepten gibt es keine einfachen Wahrheiten.

Zu Beginn des Jahres hatte der Fichtelgebirgsverein (FGV) 16.102 Mitglieder. Ein Jahr zuvor waren es noch 16.643, ein Minus von 3,4 Prozent.

Die Hauptvereinsvorsitzende Monika Saalfrank relativiert die Zahlen etwas. Und erläutert Hintergründe: Ein Teil der Rückgänge seien auf Bereinigungen von Mitgliederlisten, auch im Zusammenhang mit der neuen FGV-Card zurückzuführen.

Hohes Durchschnittsalter

Aber sie spricht auch von einer Überalterung des Vereins, das Durchschnittsalter liege bei jenseits von 60 Jahren. „Ich habe in Schwarzenbach an der Saale sechs neue Mitglieder gewonnen. Aber fünf durch Tod verloren.“ Dem FGV fehle eine ganze Generation. Kinder seien leicht an den Verein heranzuführen, teils würden sie von den Eltern schon mit der Geburt angemeldet. Aber als Jugendliche oder junge Erwachsene gingen sie dem Verein häufig wieder verloren, mangels Interesse oder weil die jungen Leute die Region verlassen.

Angst vor dem Amt

Ein anderes Manko sei, dass junge Familien gerne Angebote des Vereins nutzen, aber dann nicht beitreten. Dabei sei nicht so sehr Geld das Problem: „Die haben Angst, eingespannt zu werden oder ein Amt übernehmen zu müssen.“ Trotzdem gebe es Überlegungen, für diese Zielgruppe eine eigene Familienmitgliedschaft einzuführen. Außerdem sucht der Hauptverein gerade eine neue Referentin für Jugend und Familie.

Junge Wegepaten gewonnen

Und es gebe auch positive Entwicklungen, so Saalfrank. Bei den „Wegepaten“ (sie kümmern sich ehrenamtlich um einen bestimmten markierten Wanderweg) habe man junge Erwachsene gewinnen können – weil dabei dank des nun digitalen Wegenetzes PC und Smartphone zum Einsatz kommen, vermutet Saalfrank.

Harry Panzer aus Tröstrau ist Kassier des Hauptvereins. Auch er relativiert den jüngsten Mitgliederrückgang. Normal sei ein Rückgang von etwa zwei Prozent im Jahr. Und er sagt: Nicht Austritte sind das Problem beim Mitgliederschwund, sondern Todesfälle. Nach seinen Worten machen die jährlichen Mitgliederbeiträge (zuletzt rund 240.000 Euro) gut die Hälfte des Budgets aus, mit dem der Hauptverein seine Aufgaben erfüllen kann.

Ein Verein, zwei Budgets

Dabei muss man wissen, dass der FGV im Grunde zwei Budgets hat, zwischen denen es keine Verbindung gibt: eines für die eigentlichen Vereinsaufgaben. Und eines für die Gipfel- und Unterkunftshäuser. Letztere müssen sich selbst tragen. Es gibt keine Quersubventionierung oder sonstige Verschiebung von Beträgen zwischen beiden Haushalten, sagen Panzer und Saalfrank.

Markant ist der Zugewinn in Bad Alexandersbad: neun Mitglieder mehr auf nun 118. Zugewinne gab es auch in Friedenfels und Thiersheim. Einen Aderlass von zehn Prozent muss dagegen Kirchenlamitz verkraften.

Alte Gleichungen stimmen nicht mehr

Die alten Gleichungen „Jugend- und Kindergruppe = stabile Zahlen“ beziehungsweise „Keine Nachwuchsarbeit = sinkende Zahlen“ stimmen nicht mehr durchgängig. So hat der FGV Fichtelberg (keine eigene Kinder- und Jugendgruppe) nur drei Mitglieder weniger, was lediglich einem Prozent entspricht und damit besser ist als der Schnitt im ganzen FGV.

Aber auch eine Ortsgruppe wie Speichersdorf, die ausgeprägte Angebote für Kinder und Familien bietet und mit der Tauritzmühle (samt Wasserspielplatz und Biberfamilie) eine weit und breit einzigartige Immobilie hat, musste binnen zwölf Monaten 28 Mitglieder abschreiben, knapp drei Prozent. Besser geschlagen hat sich die ebenfalls große Ortsgruppe Weidenberg: nur neun Mitglieder weniger.

Die größte Ortsgruppe (923 Mitglieder) ist übrigens Speichersdorf, gefolgt von Weidenberg (731) und Bischofsgrün (655).

Einmaliger Sondereffekt

Ein besonders markanter Mitgliederschwund hat einen einmaligen Grund. Der FGV Gefrees hat in einem Jahr rund ein Fünftel seiner Mitglieder verloren: 78 weniger auf nur noch 388. Hauptgrund dafür ist jedoch, dass die Volkstanzgruppe einen eigenen Verein „ausgegründet“ hat und nicht mehr Teil der FGV-Ortsgruppe ist.

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