Feuerwehren rüsten auf Sichtschutzwände gegen Gaffer

Der erste Einsatz der neuen Sichtschutzwand auf der A 9. Auf Höhe des Parkplatzes Sophienberg in Fahrtrichtung Nürnberg kam es am vergangenen Samstag zu einem Auffahrunfall. Foto: Markus Roider

PEGNITZ. Die Feuerwehren rüsten weiter auf, doch wer denkt, es würde sich um neue Einsatzgeräte handeln, die bei einem Unfall oder Brand zum Einsatz kommen sollen, der täuscht sich. Es geht um Sichtschutzwände gegen Gaffer. Immer mehr Wehren rüsten ihre Fahrzeuge auf, um den leidigen Voyeuren die Stirn zu bieten.

Es ist ein trauriges Thema, wenn man bedenkt, dass es nur darum geht Menschen zu helfen und Leben zu retten. Ein Unfall passiert und nun muss es schnell gehen. Alles Drumherum sollte egal sein, falls man auf der anderen Straßenseite fährt, so oder so. Trotzdem gibt es viele, die das Leid anderer fotografieren oder filmen. „Um das zu verhindern, fragten wir beim Landkreis an, ob wir Sichtschutzwände erhalten könnten“, sagt der Trockauer Kommandant Florian Schedler, „gerade mit dem Schwerpunkt Unfälle auf der A9, benötigen wir die diese.“ Inzwischen wurden die Wehren aus Trockau, Pegnitz und Ottenhof aufgerüstet.

Funktioniert wie ein Wurfzelt

„Seit knapp acht Wochen haben wir die neuen Sichtschutzwände“, sagt der Pegnitzer Kommandant Roland Zahn, „bisher hatten wir noch keinen Einsatz, bei dem diese nötig waren.“ So erzählt er weiter, dass die Wehr ihre Feuerwehrkameraden bereits geschult habe. Ungefähr fünf Minuten würde der Aufbau dauern. Man könne sich das wie ein Wurfzelt vorstellen – man breitet eine Plane aus und diese wird mit Stäben fixiert und stabilisiert, erklärt Zahn. „Wir haben natürlich komplexere Dinge bei der Feuerwehr, da brauchen wir keine großartige Schulung“, scherzt er, „natürlich üben wir trotzdem den Aufbau.“

Hoch genug für Autofahrer

Über den Landkreis Bayreuth erhielten die Wehren, die angeforderten Sichtschutzwände. „Die Wände bestehen aus mehreren Elementen, wobei eines 7,20 Meter lang und 1,80 Meter hoch ist“, erklärt Kreisbrandrat Hermann Schreck, „ein Element kostet ungefähr 455 Euro.“ Die Höhe sei ausreichend für Autofahrer, aber verhindere nicht die Sicht von größeren Fahrzeugen. „Damit ist sie hoch genug für kleinere Autos. Natürlich nicht für Busse und LKWs, aber umso höher die Wände ragen, desto Windanfälliger werden sie“, erklärt Schedler. Die neue Ausrüstung muss natürlich auch in den Fahrzeugen verstaut werden. So musste erstmal Platz geschaffen werden, der eigentlich kaum noch vorhanden sei. „Wir haben natürlich nichts rausgeschmissen, sondern alles etwas enger eingepackt“, erklärt der Ottenhofer Kommandant Franz Leber.

Privatsphäre schützen

Die Ausrüstung sei bei jedem Einsatz dabei. So auch am Samstag auf der A9, bei dem ein Auto in einen Lastwagen aufgefahren ist – die Redaktion berichtete. „Eine Person war bei dem Unfall verstorben, da haben wir das erste Mal die Schutzwand aufbauen müssen“, berichtet Schedler, „wir wollen die Privatsphäre der Verunfallten schützen und in Ruhe arbeiten.“ So würde es wohl niemand wollen, dass Bilder der Verletzten auf Facebook landen. Selbst die Gaffer würden das nicht wollen, wenn sie selber in der Situation wären.

Gaffer sind nicht hilfreich

Dazu erklärte Schedler weiter, dass dieser Voyeurismus wahrscheinlich etwas natürlich sei, jeder würde kurz hinschauen. Auffällig werde es erst, wenn die Personen die Geschwindigkeit reduzieren und mit dem Handy filmen. Dadurch würde die Gefahr eines Folgeunfalls steigen – nur wegen eines Videos. So wollte sich Schedler dazu nur rein spekulativ äußern: „Vielleicht benötige diese Leute Aufmerksamkeit und wollen unbedingt die Ersten sein, die diese „Sensation“ auf Facebook posten.“ So erzählt er von einer Situation am Samstag, bei der Autofahrer sogar angehalten und ausgestiegen seien, nur um ein Video zu drehen. Selbst mit Nachdruck ließen sich die Gaffer von der Feuerwehr nicht vom Unfallort entfernen. So musste die Polizei hinzugezogen werden, damit diese wieder in ihre Fahrzeuge einsteigen.

Unnötige Arbeit

„Wir haben da keine rechtliche Handhabe“, erklärt Schedler, „wir können die Leute nur auffordern zu gehen und erklären, dass es nicht hilfreich ist.“ Ansonsten bliebe ihnen nichts anderes übrig, als die Sichtschutzwände aufzubauen – dass auch wieder Zeit in Anspruch nehme. Zeit die eigentlich für sinnvollere Dinge genutzt werden könnte, wie Menschenleben retten. Doch die Gesellschaft lasse ihnen keine andere Wahl, erklärt er: „Wenn keiner hinschauen würde, wären die Wände gar nicht nötig.“

 

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