Feuerwehr: Strategie gegen Gaffer

Mobile Sichtschutzwände sind ein geeignetes Mittel, um Gaffer vom fotografieren und filmen von Unfällen abzuhalten. Foto: Federico Gambarini/dpa

Gaffer sind überall. Kein Unfall, kein Brand, bei dem nicht Passanten oder vorbeifahrende Autofahrer das Smartphone zücken, um zu filmen oder zu fotografieren. Dominik Salosnig, Leiter der Polizeiinspektion Kulmbach, kennt diese Zwischenfälle natürlich auch. Seit fast jeder ein Smartphone besitzt, wird fotografiert und gefilmt, wenn irgendwo ein Unfall geschehen ist, wenn es brennt oder die Polizei sonst aus einem Anlass im Einsatz ist.

„Ich kann verstehen, dass sich die Leute für eine nicht alltägliche Situation interessiere“, sagt Salosnig. Zu weit sollte das aber nicht gehen. „Aber wir haben doch alle auch eine Moral. Wir könnten selbst Opfer werden. Da muss ich mich doch dann mal fragen, ob es mir angenehm wäre, wenn man mich als Verletzten filmt.“ Spektakuläre Zwischenfällen mit Gaffern, die Rettungsarbeiten behindern, wie das vor wenigen Tagen nach dem schrecklichen Unfall mit einem Feuerwehrauto der Fall gewesen ist, hat es laut Salosnig im Bereich Kulmbach bislang noch nicht gegeben. Aber natürlich stoßen auch hier Polizisten wie Feuerwehrleute bei Unfällen oder Bränden immer wieder auf Schaulustige, die das Handy zücken. Fotografiert und gefilmt werde inzwischen bei vielen Polizeieinsätzen, so Salosnig. „Handyvideos sind für uns ein Thema“, weiß der Inspektionschef. Er weiß auch: „Es ist schwer, dagegen anzugehen. Solange die Leute die Videos nicht verbreiten, können wir das nicht wirklich unterbinden, sofern die Personen den Einsatz nicht stören.“ Komme es zu Störungen, könne die Polizei die Hobbyfilmer vom Einsatzort entfernen. Das sei auch der Fall, wenn es gelte, die Rechte von Opfern zu schützen.

Eigene Strategie

Die Feuerwehr in der Stadt Kulmbach hat inzwischen ihre eigene Strategie entwickelt und damit Erfolg. Kommandant Michael Weich erklärt, die Wehr versuche, wann immer es möglich sei, ihre Fahrzeuge so zu positionieren, dass man von außen so wenig wie möglich sehen könne. Weich: „Und wenn wir große Einsätze in Firmen haben, ist das Gelände sowieso gesperrt.“ Es sei noch nie vorgekommen, dass die Feuerwehr Gaffer gewaltsam entfernen musste. Mit diesen Problemen hätten eher jene Feuerwehren zu tun, die öfter zu Einsätzen auf den Autobahnen ausrücken müssen.

Gefahr für alle

Gaffer können, wie Anne Höfer von der Pressestelle des Polizeipräsidiums in Bayreuth weiß, bei einem Unfall wie auch bei Einsätzen allgemein stören. „Zum einen ist es für einen schwer verletzten Menschen sicherlich eine schlimme Situation, wenn er in seinem Zustand von Schaulustigen regelrecht angeglotzt und vielleicht sogar noch gefilmt wird. Wenn Sie sich einmal selbst in diese Lage versetzen, würden Sie das sicherlich auch nicht erleben wollen.“ Davon abgesehen sei das auch unter Umständen nicht erlaubt. Wer Bilder mache, die die Hilflosigkeit eines Menschen zur Schau stellen, mache sich strafbar. Doch das ist nicht alles: „Darüber hinaus bringen Gaffer durch ihre Sensationsgier nicht nur andere, sondern auch sich selbst in Gefahr. Verkehrsteilnehmer, die bei einem Unfall plötzlich anhalten, um einen guten Blick auf die Situation zu erhaschen, haben durch abruptes Bremsen in der Vergangenheit immer wieder weitere Verkehrsunfälle provoziert. Dabei kann es sowohl bei anderen Verkehrsteilnehmern als auch bei den Schaulustigen selbst zu materiellen, aber vor allem auch zu gesundheitlichen Schäden kommen. Das sollten Sie also allein schon aus eigenem Interesse unterlassen“, mahnt Anne Höfer.

Von Gaffern behindert

Die Polizeisprecherin fährt fort: „Der aus unserer Sicht wichtigste Punkt betrifft aber uns als Polizei und insbesondere die Rettungskräfte. Gerade bei schweren Verkehrsunfällen zählt manchmal jede Minute, um Menschenleben zu retten. Wenn Rettungskräfte, Feuerwehr und Polizei auf ihrem Weg zur Unfallstelle von Gaffern behindert werden, kann das unter Umständen den Unterschied zwischen Leben und Tod bedeuten. Das sollten sich die Schaulustigen vor Augen führen.“ Schon längst seien die Rettungskräfte dazu übergegangen, Sichtschutzwände zu erreichten, wenn eine Unfallstelle besonders im Blickfeld von Passanten liege. „Unsere Hoffnung ist natürlich, dass keine unbeteiligten Schaulustigen mehr anhalten, wenn es nichts zu sehen gibt. Ziel ist es also, die Wände möglichst schnell an den Unfallort zu bringen, um den Gaffern den Anreiz zu nehmen.“

„Kleinere“ Vorfälle gab es in der Vergangenheit schon, sagt Anne Höfer: „Auf den Autobahnen machen wir leider immer wieder die Erfahrung, dass Verkehrsteilnehmer, die an der Unfallstelle vorbeigeleitet werden, in Schrittgeschwindigkeit vorbeifahren oder sogar stehen bleiben, um einen besseren Einblick zu bekommen oder ein Bild mit dem Smartphone zu machen.“

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