Festival junger Künstler startet

Am Anfang erklang Musik von Johann Sebastian Bach: Elodie Théry am Violoncello. Foto: Andreas Harbach

Wer wissen will, was sich hinter dem Wort launig verbirgt, wie man einen Abend launig moderiert, launig seine Gäste begrüßt und überhaupt eine launige Festivaleröffnung auf und über die Bühne wuppt, der muss – Sissy Thammer und Claus J. Frankl erleben. Am Mittwochabend war es wieder so weit. Auch wenn das Festival junger Künstler Bayreuth nun in seinem 67. Jahr – wie Frankl anmerkte – das Renteneintrittsalter erreicht hat, kam das Eröffnungsprogramm doch wie der junge Frühling daher.

Was natürlich an den vielen jungen Künstlern lag, die im Europasaal des Zentrums ihr Können zeigten. Darum geht es auch im 67. Jahr des Bestehens des Festivals: dass sich die Jugend der Welt – oder zumindest aus einem kleinen Teil der Welt – in Bayreuth zum Musizieren trifft, andere Kulturen kennenlernt, Vorurteile abbaut. Dazu hat man sich heuer das verschiedene Zeitebenen überwölbende Motto „Roots to the Future“ verordnet, also die Besinnung auf künstlerische Traditionen, aus deren Kenntnis heraus die jungen Künstler auf andere Kulturen zugehen sollen, um aus den Wurzeln heraus Neues zu schaffen.

Zurück zu Bach

Als sich der Vorhang auf der Bühne des Europasaales hob, ging es erst einmal zurück zu einem Komponisten, der in der abendländischen Kultur so fest verwurzelt ist, wie nur wenige: zu Johann Sebastian Bach. Elodie Théry eröffnete den Eröffnungsabend mit der Cello-Suite Nr. 1, um dann sogleich das Stück „Tamani 1“ von Smir Odeh-Tamini folgen zu lassen. „Roots to the Future“ eben, die Bachs altehrwürdige Komposition mit experimentellen Klängen, scharf angerissenen Tönen, verführerischen Glissandi und dramatisch-tremolierenden Passagen kontrastierten. Wer wollte, konnte also bereits bei diesem ersten Programmpunkt das Motto des Festivals „in nuce“ erkennen. Dass das moderne Stück dann aber mit einem ganz konventionell gesetzten Schlusston endete, rief sogleich auch wieder die Rückbesinnung auf die Wurzeln in Erinnerung.

Klänge der großen Steppe

Für weitere musikalische Beiträge sorgten der Chor der Ionischen Universität Korfu unter der Leitung von Dimitris Ktistakis und das Dombra-Ensemble „Shabyt“ aus Kasachstan, das den Raum mit Klängen erfüllte, die im Europasaal so wohl noch nie zu hören waren. Die Dombra ist ein Instrument, das äußerlich Ähnlichkeiten mit einer Mandoline aufweist, aber nur über zwei Saiten verfügt. Und in der Lage ist, vor allem im Ensemble ganz bezaubernde Musik zu verströmen. Oder wie es der Botschafter der Republik Kasachstan, Bolat Nussupov sagte: „Man hört die Klänge der großen Steppe.“

Sissi und Franz

Klänge, die eher vom Charme österreichischer Operettenseligkeit geprägt waren, hörte man dann bei Fritz Kreislers Präludium und Allegro, gespielt vom Eurasian Symphony Orchestra unter der Leitung von Aidar Torybaev. Die Musik sprühte vor Nonchalance und eigentlich fehlte nur noch, dass dazu Sissi und Franz (also, die Sissi aus der k&k-Monarchie) über die Bühne tanzen.

Grußworte von Bayreuths Oberbürgermeisterin Brigitte Merk-Erbe, des Botschafters der Republik Kasachstan, Bolat Nussupov, des Vorstandsvorsitzenden des Festivals, Niklas Braun, des Vorsitzenden der Förderer, Horst Auernheimer und natürlich der Intendantin Sissy Thammer rundeten die auf sympathische Weise ein wenig aus der Zeit gefallene Veranstaltung ab.

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