Kneipenfestival Die ganze Stadt wird zur Bühne

Partystimmung galore: Beim 21. Bayreuther Kneipenfestival im Jahr 2013 reichten OK Kid hochprozentige Erfrischungsgetränke. Die Konzertlocation, die altehrwürdige Rosenau, ist leider Geschichte – sie brannte am 11. Mai 2017 ab. Foto: Archiv/Peter Kolb

BAYREUTH. Es ist das 26. Kneipenfestival, das am 20. Oktober in Bayreuth stattfinden wird. Und es ist – wieder einmal – das größte aller Zeiten. 29 Bands und DJs stehen auf 22 Bühnen. Inzwischen kommen mehr als 6000 Menschen zu dem Festival, das Musik für jeden Geschmack bietet. Vor allem: handgemachte Musik mit starkem Fokus auf Bands aus der Region. Aber auch nationale und internationale Bands sind inzwischen am Start.

Dreimal zehn macht 1000. Das ist die verquere Zauberformel, mit der alles begonnen hat. Zehn Bands, zehn Bühnen, zehn Mark Eintritt – das waren die festen Größen beim ersten Bayreuther Kneipenfestival im Jahr 1993. Und der Erfolg gibt den Veranstaltern recht: 1000 Besucher sind am 3. November 1993 in Wandertagsstimmung. Das Konzept Kneipenfestival geht auf. Kein Wunder also, dass der Kurier den herbstlichen Musikmarathon auch heute noch präsentiert. Die Zahl der Bands hat sich im Laufe der Jahre nahezu verdreifacht – und bis zu 6000 Fans sind dabei, wenn die ganze Stadt zur Bühne wird.

Als geistiger Vater des Bayreuther Kneipenfestivals darf sich Roland Klötzer bezeichnen. Der heute 62-jährige Neudrossenfelder ist Anfang der 1990er Jahre Vertriebschef bei der Bayreuther Bierbrauerei AG. „Im Zuge einer Marketingkampagne wollte ich damals der Brauerei ein neues Image verpassen“, erklärt Klötzer. Und weiter: „Grundidee war, die Bayreuther Musikszene in den Fokus zu rücken und eine Art Nachwuchsfestival zu etablieren. Mit dem Kurier fand ich auch einen Partner, der bereit war, hier mit einzusteigen. Der damalige Redaktionsleiter Hans Schwab war sofort begeistert von der Idee Kneipenfestival“, sagt Klötzer im Interview. „Nebeneffekt sollte auch sein, die Bayreuther Gastronomen und Gastronomieobjekte erstmals bei einer großen Veranstaltung unter einen Hut zubekommen.“

Ein steiniger Weg

Doch bis im November 1993 der erste Akkord erklingt, ist es ein steiniger Weg. Nicht alle Kneipenwirte lassen sich von der Idee mitreißen. Deutlich wird dies vor allem bei einer Zusammenkunft aller Aktien-Wirte im „Bierstüberl“ auf dem Gelände der Aktienbrauerei. Roland Klötzer hat das Konzept fürs Kneipenfestival – einmal zahlen, zehn Konzerte besuchen – gerade erklärt und seine Hoffnung manifestiert, dass an solch einem Abend doch bestimmt einige Hundert Besucher anlocken lassen, als ein Gastronom aufsteht, ihm kopfschüttelnd auf die Schulter klopft und mitfühlend fragt: „Von was träumst Du nachts?“

Aber Roland Klötzer hält an der Idee Kneipenfestival fest: Bands aus Bayreuth für das Bayreuther Publikum. Und so geht es am 3. November 1993 einmal quer durch den musikalischen Gemüsegarten der Stadt: Es gibt Gute-Laune-Dixie mit den Red Main Ramblers, Hard-Rock mit Anysin und Saving Grace, Heavy-Metal mit Headaway, oberfränkischen Blues mit der Blues AG, Melodic-Punk mit SMP, „fränkische Liedla“ mit dem Liedermacher Philipp Zurek alias Gsottmoar sowie Rock in all seinen Facetten mit The Fake, den Transpiraten und der Uncle Ben‘s Reisplantagen Bluesband.

Premiere mit Erfolg

Der Erfolg der Premiere nimmt den Zweiflern den Wind aus den Segeln und nach der Manöverkritik ist schnell klar: Das Bayreuther Kneipenfestival bleibt keine Eintagsfliege. Roland Klötzer, erst Vertriebsleiter, dann Prokurist und später Direktor der Aktienbrauerei, sowie der Kurier halten an dem Konzept fest. Grundgedanke war und ist, dass die Bayreuther Bands den Schwerpunkt des Festivals bilden.

Doch nach einigen Jahren ist klar: Die Aktienbrauerei kann das Festival nicht mehr alleine stemmen. Es ist: zu groß geworden. 1999, die junge Veranstaltungsagentur Motion ist Partner der Aktienbrauerei, habe Klötzer Matthias Mayer und seinen Geschäftspartner Manuel Kraus mit den Worten überrascht, dass „das Kneipenfestival kurz vor dem Aus steht. Es war der Brauerei über den Kopf gewachsen“, sagt Mayer. Finanziell und organisatorisch habe die Brauerei das nicht mehr stemmen können. Deshalb sei die Agentur damals in die Veranstalterrolle geschlüpft, „um das Festival zusammen mit dem Kurier auch breiter aufzustellen mit einer guten Mischung aus regionalen und überregionalen Bands“, wie Mayer sagt. Zwischen 3000 und 4000 Besucher hatte das Kneipenfestival damals.

Festival der Geheimtipps

Und es hat sich im Lauf der Jahre zu einem Festival der Geheimtipps entwickelt, wie Mayer sagt. 2005, beispielsweise, stand eine damals noch wenig bekannte Fiva MC auf der Bühne. „Heute eine der besten deutschen Rapperinnen.“ Zwei Jahre später waren Polarkreis 18 beim Kneipenfestival dabei. Ein Jahr darauf waren sie die ganz große Nummer. „Und 2008 hat sich, leider zu spät um sie unterzubringen, eine Band beworben, die heute ebenfalls große Hallen füllt: La Brass Banda.“ Das sei es, was das Kneipenfestival schon immer ausmache, sagt Mayer: Es sei der Spiegel der regionalen Musikszene, einer sehr starken Szene, gemischt mit Bands von teilweise weit her.

Ermöglicht habe das der – durchaus mutige – Sprung von zwölf bis 14 Kneipenbühnen auf 20 Veranstaltungsorte. „Nur so war es möglich, ein Festival für die ganze Stadt zu machen.“ Ein Festival, das alle Altersgruppen abdeckt: Schüler, Studenten, bis hin zum älteren Semester, der zu Rock und Pop aus seiner Jugendzeit schwelgt. Eigentlich unglaublich, dass das Festival inzwischen in seinem 26. Jahr angekommen ist, sagt Mayer. Und in diesem Jahr mit 29 Bands und DJs auf 22 Bühnen noch einmal an musikalischer Bandbreite zugelegt hat. „In anderen Städten sind Kneipenfestivals nach drei bis vier Jahren und einer anfänglich großen Euphorie eingeschlafen“, sagt Mayer. In Bayreuth dagegen macht die Vielfalt die Musik.

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