Falschparken Abzocke!

Foto: Ralf Münch

KOMMENTAR. Niemand sollte sich mehr darüber aufregen, für einen normalen Parkverstoß auf Bayreuths Straßen zehn bis 25 Euro berappen zu müssen. Ein entsprechendes Knöllchen sollte vielmehr als Schnäppchen gewertet und sogleich fröhlich bezahlt werden. Denn wer Verbotsschilder missachtet und sich auf einen privaten Parkplatz stellt, der wird vom „Rechtsdienstleister“ Euro Collect mit sage und schreibe 108,66 Euro zur Kasse gebeten. So erging es einem Gast aus Neuenmarkt, der in Bayreuth einkehren wollte und sein Auto verbotenerweise auf dem Platz eines Hotels geparkt hatte.   

Schon in der ersten Forderung auf Schadenersatz für den Parkverstoß verlangte Euro Collect unter anderem eine Inkassovergütung von 52 Euro plus Mehrwertsteuer. Da nimmt sich die reine Schadenersatzforderung des Mandanten mit 22,40 Euro plus Mehrwertsteuer noch bescheiden und angemessen aus.

Die Gesamtforderung strapaziert das „normale“ Rechtsempfinden für die Ahndung eines Parkverstoßes bei weitem. Ja, wer einen Fehler gemacht hat, der muss die Folgen spüren – auch in finanzieller Hinsicht. Doch sogleich fast 110 Euro berappen zu müssen, hinterlässt den Eindruck der knallharten Abzocke. 

Natürlich kann man sich mit Hilfe eines Rechtsanwaltes dagegen wehren, doch die Erfolgsaussichten erscheinen nach Angaben der Verbraucherzentrale Bayern zweifelhaft. Die Juristin der Verbraucherzentrale teilte auf Anfrage mit, in einer Situation, wie auf dem im „Nordbayerischen Kurier“ abgedruckten Foto, halte sie „die Forderung prinzipiell dem Grunde nach für rechtens“.

Da die Gerichte hinsichtlich der Inkassokosten sehr unterschiedlich urteilen, bestünde in jedem Fall ein erhebliches Prozessrisiko. Nur wenn Verbraucher eine Rechtsschutzversicherung haben und diese eine Deckungszusage erteilt, könnte man versuchen, die Ansprüche bezüglich eventuell überhöhter Inkassokosten gerichtlich durchzusetzen. Ein Risiko bleibt also. 

peter.engelbrecht@nordbayerischer-kurier.de

 

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