F-16: Absturzursache endlich klar

35 Millionen Euro hat die F-16 gekostet, die im August 2015 in den Kitschenrain stürzte. Nach über einem Jahr liegt nun endlich der Abschlussbericht der US-Untersuchungskommission vor. Foto: Archiv/Gerald Morgensterin

Über ein Jahr lang hat die US-Armee das Wrack des amerikanischen Kampfjets untersucht, der am 11. August 2015 bei Engelmannsreuth in den Wald stürzte. Jetzt ist der Abschlussbericht da. Das Ergebnis: Der Pilot hat keinen Fehler gemacht.

Fünf Mal hatte Pilot Ryan versucht, das Triebwerk neu zu starten, an diesem heißen Tag im August 2015, an dem er auf einem Übungsflug vom Luftwaffenstützpunkt Spangdahlem in Rheinland-Pfalz nach Grafenwöhr war. 675 Flugstunden hatte der Pilot zu diesem Zeitpunkt schon absolviert, er galt als erfahren.

Doch das Triebwerk seiner F-16 blieb aus. Wegen eines technischen Defekts: Ein kaputtes Kugelkopflager hatte einen Fehler in der Hauptsteuerung des Triebwerks verursacht. Dieser verhinderte, dass weiter Kerosin eingespritzt wurde. So steht es im nun veröffentlichen Untersuchungsbericht der US-Armee.

Kaputter Jet kostet US-Armee 35 Millionen Euro

Ryan steuerte den Jet über unbewohntes Gebiet, warf die Benzintanks ab, dann sprang er mit einem Fallschirm ab. Zu diesem Zeitpunkt ist der Kampfjet noch mit 290 Stundenkilometern in rund 120 Metern Höhe unterwegs. Bei der Landung verletzte sich Ryan leicht. Die rund 35 Millionen Euro (39, 7 Millionen US-Dollar) teure Maschine stürzte in den Wald – Totalschaden.

Die Untersuchungskommission entlastet nun den Piloten: Ryan, der mittlerweile wieder ganz normal im Einsatz ist, treffe keine Schuld. Zum Zeitpunkt des Unfalls habe nichts darauf hingewiesen, dass es irgendwelche Probleme geben könnte, weder mit dem Triebwerk, noch mit der Mechanik, noch mit sonstigen Komponenten.

Viele F-16 stürzen wegen Triebwerksproblemen ab

Seit der Einführung der F-16 im Jahr 1974 sind bereits mehrere der Jets abgestürzt, viele wegen Triebwerksschäden oder Problemen bei der Kerosineinspritzung. F-16-Kampfjets sind noch in 25 Ländern im Einsatz, neben den USA unter anderem auch in den Niederlanden, Polen und der Türkei. Laut dem Luftfahrtmagazin Flight International ist jeder siebte genutzte Kampfjet eine F-16. Sie sei damit der weltweit beliebteste Kampfjet.

Eine besonders hohe Zahl an Opfern forderte der Absturz einer griechischen F-16 bei einer Nato-Übung in Spanien im Jahr 2015. Bei diesem Absturz wurden beide Piloten sowie neun Mitarbeiter des französischen Bodenpersonals getötet.

 

Darum stürzte die F--16 auch ohne Schub nicht sofort ab

Er gab alles: Fünf Mal versuchte F-16-Pilot Ryan, sein Flugzeug neu zu starten. Als er bemerkte, dass er es nicht schaffen würde, steuerte er den Jet noch über unbewohntes Gebiet, bevor er ihn abstürzen ließ. Und das alles ohne Antrieb. Nicht übermäßig ungewöhnlich, sagt Uwe Glatzel, Professor am Lehrstuhl für Metallische Werkstoffe der Uni Bayreuth. Denn kein Flugzeug fällt einfach so vom Himmel, nur weil das Triebwerk ausfällt.

Am leichtesten hätten es hier natürlich die Segelflieger, die gar kein Triebwerk haben. Dafür seien die Tragflächen so groß, dass Segelflugzeuge sogar nach oben gleiten können: Wenn sie auf 100 Höhenmetern starten, bis zu 2000 Meter hoch, sagt Glatzel.

Piloten von Kampfjets seien deutlich stärker gefordert. Einerseits, weil ihre Flügelflächen deutlich kleiner sind. Andererseits, weil diese Flugzeuge nicht für langsame Geschwindigkeiten ausgelegt sind. „Aber auch ein F-16-Pilot kann das noch beeinflussen“, sagt Glatzel. „Wenn er die Nase leicht nach oben zieht, kann er etwa in einem 45-Grad-Winkel sinken.“ Während ein Mensch, der mit gespreizten Armen und Beinen aus einem Flugzeug fällt, rund 50 bis 60 Meter pro Sekunde zurücklegt, stürzt ein auf diese Weise gesteuerter Kampfjet laut Glatzel nur mit rund 30 Metern pro Sekunde ab.

Sprung aus dieser geringen Höhe "sehr gefährlich"

Um ausrechnen zu können, wie viel Zeit dem Piloten zum Steuern blieb, müsste man allerdings noch wissen, auf welcher Höhe der Jet ursprünglich geflogen ist. Die US-Armee gibt aber lediglich bekannt, auf welcher Höhe der Pilot den Schleudersitz betätigte: in 400 Fuß, also rund 120 Metern Höhe.


Das sei schon ungewöhnlicher sagt Glatzel. Denn Fallschirmspringer müssen laut Gesetz ihren Schirm spätestens 500 Meter über dem Boden öffnen, de Reserveschirm spätestens auf 225 Metern. Andererseits hätten Base-Jumper, die nicht aus einem Flugzeug, sondern von Gebäuden oder Felsen abspringen, die Höhe bereits illegal auf unter 100 Meter gedrückt. Sprünge aus so geringer Höhe seien also möglich. Zudem habe der Schleudersitz dem Piloten vermutlich noch einige Meter Luft nach oben gebracht. „Aber sehr gefährlich war das auf jeden Fall.“

 

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Zu einer Bildergalerie zum Absturz geht es hier.

Im Landkreis Pegnitz weckt das Unglück Erinnerungen an 1971, als beim Absturz eines Hubschraubers 37 US-Soldaten starben.

 

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