Ex-Polizist vor Gericht Michael Ecksteins letzter Fall

Michael Eckstein (Zweiter von links) vor seiner letzten Urteilsverkündung. Links die ehrenamtliche Richterin Edeltraut Schweingel, rechts der beisitzende Richter Florian Losert und der ehrenamtliche Richter Stefan Augscheller. Foto: Manfred Scherer

BAYREUTH. Ein Ex-Polizist, der heroinsüchtig und wieder clean wurde, danach eine anerkannte Therapieeinrichtung mitbegründete und nun nach Jahren doch noch als Rückfälliger vor Gericht steht: Es ist ein besonderes Schicksal, das sich im letzten Prozess von Michael Eckstein offenbart. Nach mehr als 15 Jahren als Vorsitzender der Großen Strafkammer geht Eckstein zum Ende des Jahres in den Ruhestand.

Am 19. April erfasste das Auge des Gesetzes den roten Skoda, mit dem der 61-jährige David S. auf der A 9 in Richtung Norden fuhr. Die fest installierte Verkehrsüberwachungsanlage bei Trockau meldete: Hier war jemand mit einem Auto unterwegs, an dem gestohlene Kennzeichen angeschraubt waren. An der Autobahnausfahrt Bayreuth-Süd kontrollierten mehrere Polizeibeamte den roten Skoda. Am Ende der Kontrolle erlitt der Fahrer, David S., einen Schwächeanfall. Er wurde in die Notaufnahme des Bayreuther Klinikums gebracht.

Gleichzeitig begannen Kriminalbeamte mit Ermittlungen, denn: In der Reisetasche von David S. waren knapp 95 Gramm Marihuanablüten, ein Nunchaku, ein ursprünglich aus Japan stammendes und als Waffe eingestuftes Würgeholz, sowie eine mit Sechsmillimeterpatronen geladene Pistole des tschechischen Herstellers Grand Power.

Die Waffen, ein Gutachten des Landeskriminalamtes über den über die Verbrechensgrenze von 7,5 Gramm knapp hinaus gehende Cannabiswirkstoff in dem Marihuana und seine erste Aussage bei der Polizei brachten David S. eine schwer wiegende Anklage ein: Bewaffneter Drogenhandel mit einer sogenannten nicht geringen Menge - vom Gesetz mit einer Mindeststrafe von fünf Jahren bedroht.

Im Verfahren gibt es eine Wendung

Doch im Prozess gab es eine Wendung: David S. sagte aus, er habe in seiner ersten Einlassung, die Drogen und auch die Pistole in Berlin von einem Straßendealer zum Zweck des gewinnbringenden Weiterverkaufs erworben zu haben, gelogen. In Wahrheit habe er das Rauschgift als eine Art Pfand oder Rückversicherung bei sich gehabt. Er habe nämlich bei Leipzig einem Geschäftspartner seine Wohnung zur Verfügung gestellt.

In der Wohnung habe der Partner eine Marihuanaplantage aufgebaut, ihn im Gegenzug mit Marihuana und Methamphetamin versorgt: „Ich war 19 Jahre clean, aber dann hatte ich einen Rückfall.“ Der Angeklagte schilderte, wie er aus seiner Sicht unberechtigt den Polizeidienst hatte quittieren müssen, wie er Heroinsüchtig wurde, davon wieder loskam und dann mit anderen eine Therapieeinrichtung für Junkies gründete und warum er vor wenigen Jahren wieder rauschgiftsüchtig wurde, nachdem seine Frau starb und er das nicht verkraftete: „Das Metamphetamin löste das Heroin ab.“

David S. berichtete, er habe das bei der Kontrolle gefundene Rauschgift nicht verkaufen wollen, habe in den Tagen vor der Kontrolle seine Ex-Freundin in Stuttgart besucht, am Grab seiner Ex-Frau Blumen niedergelegt und seinen Sohn in Mannheim gesehen. Am Tag der Kontrolle sei er wieder auf dem Rückweg in den Raum Leipzig gewesen.

Große Mengen an Drogensubstanzen in den Haaren

Diese neue Einlassung wurde von einem Zeugen der Kripo bestätigt: Nach der Kontrolle gab es eine Hausdurchsuchung bei David S., die Plantage wurde entdeckt, sein Geschäftspartner verhaftet. Ein Haargutachten erbrachte, dass David S. seit Monaten große Mengen Methamphetamin und Cannabis konsumiert hatte.

Im Urteil erläuterte Michael Eckstein, die Einlassung von David S. sei trotz des naheliegenden Verdachts, das Marihuana sei mögliche Handelsware, nicht zu widerlegen. Deshalb wurde der Angeklagte „nur“ wegen Drogen- und Waffenbesitzes zu drei Jahren Haft verurteilt. Wegen der erwiesenen Drogensucht des Angeklagten ordnete das Gericht aber auch eine Therapie an. Was am Ende für David S. unterm Strich steht, wird sich erst in Sachsen zeigen, wenn die Vorwürfe wegen der Plantage gerichtlich aufgearbeitet sind.


Ecksteins wichtigste Fälle

In seiner Zeit als Vorsitzender der Großen Strafkammer leitete Michael Eckstein einige bedeutende Verfahren:

Im Juli 2005 verkündete er lebenslange Haft für den Krankenpfleger Stephan K., der im Jahr 1993 in Kulmbach die 16-Jährige Melanie Preuß umbrachte und erst überführt wurde, nachdem er im Sommer 2004 erneut ein Mädchen tötete – seine eigene Nichte. Im Fall Melanie war im Jahr 1995 ein Mann freigesprochen worden, den lange Zeit viele für den Mörder im Fall Melanie hielten.

Im Mai 2014 verkündete Eckstein den Freispruch im Wiederaufnahmeverfahren gegen den ursprünglich wegen Mordes an Peggy Knobloch verurteilten Ulvi K. Wenige Minuten nach Ecksteins letzter Urteilsverkündung am Dienstag wurde im Justizgebäude Manuel S. wegen Verdacht des Mordes an Peggy beim Ermittlungsrichter vorgeführt.

 

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