Europawahl Malte Gallée, die Hoffnung der Grünen

Er will Utopien wahr machen: Der Bayreuther Student Malte Gallée ist oberfränkischer Spitzenkandidat der Grünen für die Europawahl. Foto: Andreas Harbach

BAYREUTH. Sechs Minuten könnten sein Leben verändert haben: So lange dauerte der Auftritt, mit dem Malte Gallée, 25-jähriger Student aus Bayreuth, auf dem Leipziger Grünen-Bundesparteitag Platz 22 auf der Europawahlliste eroberte. Ein Auftritt, mit dem sich der parteipolitische Nobody zum Hoffnungsträger der oberfränkischen Grünen bei der Europawahl im Mai gemausert hat.

Utopien Wirklichkeit werden lassen: Das war Malte Gallées Thema bei seiner beherzten Leipziger Rede. „Ich möchte der erste grüne Europaabgeordnete werden, der jünger ist als die EU, weil eine geeinte EU für mich nie eine Utopie war, sondern eine Selbstverständlichkeit“, rief Gallée den mehr als 600 Delegierten spät am Abend nach einem 14-stündigen Abstimmungsmarathon zu. „Die Menschen in der Halle waren schon müde, aber gerade das hat mich motiviert, sie aufzuwecken“, sagt er dem Kurier. Das gelang ihm. Auf Anhieb wählte ihn eine deutliche Mehrheit auf Platz 22 der Europawahlliste.

Oberfränkischer Spitzenkandidat

Es ist die beste Platzierung für einen oberfränkischen Grünen bei der Europawahl, aber Senkrechtstarter Gallée bleibt Realist: Bei 95 deutschen Sitzen im Europaparlament müssten die Grünen im Mai bundesweit mehr als 23 Prozent einfahren, damit er den Sprung nach Straßburg schafft. „Nicht ganz aussichtslos“ nennt er das vor dem Hintergrund der sehr guten Wahlergebnisse der Grünen. Die Verwirklichung von Utopien ist ja sein Thema.

Für Klimaschutz und fairen Handel

Gallées politische Hauptanliegen: Klimaschutz und fairer Handel mit Afrika. Mit erneuerbaren Energien beschäftigte er sich schon in der zwölften Klasse der Waldorfschule in Heidenheim, wo er aufwuchs. Nach der Schule verbrachte er ein Jahr im Freiwilligendienst des Entwicklungshilfeministeriums und arbeitete in Tansania in der Öffentlichkeitsarbeit für die Verbreitung erneuerbarer Energien. Er lernte die Landesprache Swahili und warb bei der einheimischen Bevölkerung für die Einsicht, dass Solarlampen besser als Öllampen sind. Seit der Zeit liegt ihm faire Handelspolitik besonders am Herzen, sagt er. „Die EU zwingt viele afrikanische Länder in Freihandelsabkommen, auch gegen massiven Widerstand vor Ort. Das verhindert, dass in den Ländern verarbeitende Industrie entsteht.“

Die Uni zog ihn nach Bayreuth

Die Anti-Atomkraftbewegung und der Streit um den Tiefbahnhof Stuttgart 21 waren der Hintergrund für Gallées Beitritt zur Grünen Jugend 2010. „Aus dem Bewusstsein heraus, dass wir Verantwortung für unser Handeln haben.“ Nach der Reaktorhavarie von Fukushima arbeitete er erstmals in einem Wahlkampf mit. Nach Bayreuth zog ihn vor vier Jahren sein Wunschstudiengang Philosophy and Economics, den es nur hier an einer staatlichen Universität gebe. „Wirtschaft muss auch eine ethische Komponente haben und mehr sein als Profitmaximierung“, sagt er. Ein paar Hausarbeiten und die Bachelorarbeit fehlen noch zum Abschluss. Inzwischen fühle er sich hier zuhause, nennt Bayreuth seine Heimat. Schwäbisch schwätzt er nur ausnahmsweise.

Niemandem ist der Planet egal

Dass es ihm Spaß macht, mit Menschen zu reden und sie zu überzeugen, merkte er bei seinen Ferienjobs. Für Amnesty International, die UN-Flüchtlingshilfe, WWF und Worldvision ging er auf Kampagne durch Deutschland. „Ich habe mit Tausenden von Menschen aus allen Gesellschaftsschichten in Fußgängerzonen gesprochen und gemerkt, dass ich diese Menschen erreichen kann. Ich habe niemanden kennengelernt, dem unser Planet egal ist.“

Junge Menschen erreichen

Erst vor sechs Wochen sei er auf die Idee mit der Europakandidatur gekommen. „Ich glaube, dass ich Menschen meiner Generation besser erreichen kann als ältere Kandidatinnen und Kandidaten“, sagt Gallée. Er will wachrütteln. Seine Generation werde die Folgen des Klimawandels am stärksten zu spüren bekommen, jetzt müsse das Ruder herumgerissen werden.

Tipps von Ulrike Gote

Die Bayreuther Grünen seien von seiner Kandidatur überrascht, aber hilfsbereit gewesen. Auch Ulrike Gote habe ihm Tipps für seinen Auftritt gegeben. Gotes Scheitern tue ihm wahnsinnig leid, sagt Gallée. Auf dem Landesparteitag in Regensburg war er noch hinter ihr und Spitzenkandidat Reinhard von Wittken gelandet. Dann kam Leipzig.

Ein Video für Tim Pargent

Aktionen, aber auch Videos in sozialen Netzwerken sollen in seinem Wahlkampf eine große Rolle spielen. Für den Neu-Landtagsabgeordneten Tim Pargent habe er an einem Video mitgearbeitet, ein neuer Clip von ihm selbst sei in zwei Tagen 4000 Mal aufgerufen worden. „Etwas sprachlos‘“ war er, als er am 11. November früh um fünf seinen Erfolg beim Leipziger Parteitag auf Facebook gepostet hatte. Mittlerweile sagt er ganz abgeklärt: „Mit meinem sechsminütigen Auftritt bin ich ganz zufrieden. Aber es war nicht das Maximum, was für mich möglich ist.“

 

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