Erster Schritt zur neuen Rosenau

Kommt bald die neue Rosenau? Der Bauausschuss hat den Weg frei gemacht und einstimmig für den Vorbescheidantrag der Bayreuther Bierbrauerei AG gestimmt. Foto: Andreas Harbach

Planungsrechtlich steht einem Wiederaufbau der Rosenau nichts im Wege. Das hat der Bauausschuss des Stadtrats in seiner Sitzung am Dienstagnachmittag deutlich gemacht. Der Vorbescheidantrag der Bayreuther Bierbrauerei AG hat den Ausschuss einstimmig passiert. Alle weiteren Fragen müssen allerdings im Rahmen der Baugenehmigung geplant werden.

Der berufsmäßige Stadtrat und Rechtsreferent Ulrich Pfeifer hat sich tief eingearbeitet in die Materie Rosenau: Elf Fragen des Bauwerbers, elf Antworten der Verwaltung – und längst nicht in allen Belangen kann die Stadt dem zustimmen, was die Bayreuther Bierbrauerei AG gern hätte. Eine Überschreitung der Abstandsflächen über den Rad- und Fußweg entlang des Mühlbachs, beispielsweise, schließt Pfeifer ebenso aus wie einen Ausgang der Diskothek auf diesen Radweg: „Nachbarschutzrechtliche Belange stehen dem entgegen“, sagt Pfeifer kategorisch. Nicht mit sich reden lässt die Stadtverwaltung auch bei einem anderen Punkt: Die Bäume im Biergarten – fünf Kastanien und eine Birke – seien „ortsbildprägend“, sagt Pfeifer. Miniermotte hin oder her: Die Bäume müssen erhalten bleiben und seien, einen entsprechenden Rückschnitt vorausgesetzt, als typische Biergartenbäume zu erhalten.

Parkplätze: Bestandsschutz

Ein für den möglichen Wiederaufbau der Rosenau wesentlicher Punkt allerdings fällt unter Bestandsschutz, wie Pfeifer sagt: die Zahl der Stellplätze. Die Rosenau liegt seit 1970 planungsrechtlich im Kerngebiet der Stadt, wo Vergnügungsstätten zulässig sind. Hat aber – da zwischen 1915 und 1920 gebaut – keiner Stellplatzanforderung gerecht werden müssen. 14 Stellplätze gibt es auf der Fläche an der Badstraße, die nicht bebaut werden darf, sagt Pfeifer. Die „rechnerisch ermittelten 76 Stellplätze“ würden jedoch für den Wiederaufbau anerkannt, sagt Pfeifer. „Wir schlagen Bestandsschutz vor.“ Und zwar „aufgrund der Sondersituation, weil das Gebäude abgebrannt ist. Der Eigentümer kann da nichts dafür“, sagt Pfeifer.

Die Öffnungszeiten müssen offen bleiben

Offen bleiben muss die Frage die nach den Öffnungszeiten der Disco nach dem Wiederaufbau; auch die nach den Vorgaben der Schallschutzverordnung. Natürlich, sagt Pfeifer, müssten die entsprechenden aktuellen Immissionsrichtwerte „beachtet und eingehalten werden“.

Stadträte begrüßen den Wiederaufbau

Der Bauausschuss begrüßt den Wiederaufbau der Rosenau: Schließlich sei „mit dem Brand der Rosenau eine Ära zu Ende gegangen“, sagt der CSU-Fraktionsvorsitzende Stefan Specht. „Wir sind froh, dass es zu einer Neuinterpretation kommen wird.“ Auf Nachfrage Spechts sagt Pfeifer, es müsse im laufenden Verfahren geklärt werden, ob man dem Bauwerber einräumt, einen Zugang zum Biergarten vom Fußweg am Mühlbach aus zu schaffen. „Das war jetzt nicht gefragt.“

Auf die Nachbarn Rücksicht nehmen

Ernst-Rüdiger Kettel (BG) sagt, man wolle natürlich „die Möglichkeit des Wiederaufbaus einräumen – aber auch die Nachbarn schützen“. Denn: es sei nicht immer unbedingt bürgerfreundlich zugegangen dort. Gleichwohl hoffe er, dass durch das „großzügige Signal“, das die Stadt sende, „auf die Belange der Nachbarn Rücksicht genommen“ werde. Das, sagt Pfeifer, müsse im Verfahren geklärt werden, zu dem auch ein Schallschutz-Gutachten gehören werde. „Allerdings weiß ich von sehr guten Bekannten, dass die Belästigung der Nachbarn erheblich rückläufig war zum Schluss. Durch die Security, die im Einsatz war.“

Spannung wegen des weiteren Verfahrens

Die Anwohner hätten natürlich „jetzt mehr Ruhe als vorher“, sagt der SPD-Fraktionsvorsitzende Thomas Bauske. „Andererseits verstehen wir, dass der Eigentümer was für die jungen Leute in der Stadt tun will. Deshalb können wir das auch mitgehen“, sagt Bauske – auch wenn es in der Fraktion Diskussionen gegeben habe. Er sei, sagt Bauske, „auf das weitere Verfahren gespannt“.

Lieber Wohnbebauung?

Mitgehen können auch die Grünen, sagt der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Stefan Schlags. Im weiteren Verfahren müsse man darauf achten, „einen Teil der Dinge, die vor dem Haus stattgefunden haben, nach innen zu verlegen“, sagt Schlags. Beispielsweise mit einem Lichthof für die Raucher. Daumen hoch auch bei der FDP und beim Jungen Bayreuth. Stephan Huttner (FDP) sagt, man „kann es nicht allen recht machen. Aber man kann und will sich nicht vorstellen, dass es so etwas wie die Rosenau nicht mehr geben soll“. Stefan Schuh (JB) nennt die Rosenau „einen wichtigen Baustein des kulturellen Lebens in der Stadt“. Gar nicht vorstellen kann sich Helmut Zartner (DU) einen Wiederaufbau der Rosenau: „Das wäre der richtige Platz für Wohnbebauung“, sagt Zartner.

Tasdelen: Die Stadt verzichtet auf Geld

Halil Tasdelen (SPD) wundert sich, dass die Stadt bereit sei „auf so viel Geld zu verzichten“ – und die bisherige Stellplatzanzahl anzuerkennen. Grob rechnet Tasdelen rund 350 000 Euro auf – und schlägt den Bau einer Tiefgarage vor. Was Pfeifer leicht in Rage bringt: Die Stadt nutze, sagt Pfeifer fehlerfrei „den Ermessensspielraum“. Wer die Rosenau wieder wolle, könne nicht nach der entsprechenden Ablöse rufen. „Dann rechnet sich das von vorn bis hinten nicht mehr.“ Und eine Tiefgarage würde – neben der Frage der Machbarkeit – mehr Verkehr in die Badstraße holen. Was keiner wolle.

Bei der getrennten Abstimmung wegen der Stellplatzablöse stimmen vier der 17 Ausschussmitglieder gegen den Verwaltungsvorschlag. Der Vorbescheidantrag jedoch passiert den Bauausschuss einstimmig.

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