Endlich wieder einkaufen im Ahorntal

Die Leidenszeit ist vorbei. Nach vierjähriger Durststrecke im wahrsten Sinne des Wortes können die Verbraucher jetzt wieder am Ort einkaufen. Gestern eröffnete der Ahorntaler Einkaufsmarkt. Im Untertitel auch „Unser Laden im Tal“ genannt.

Noch schnell ein Foto vom ganzen Marktteam? Muss das sein? Ja, sagt der Berichterstatter vom Kurier. Also gut, dann machen wir das halt. Und lächeln auch. Das zehnköpfige Personal des Dorfladens, der nun ein Vollsortimenter mit 380 Quadratmeter Fläche wurde, hat nichts gegen die Presse. Aber alle sind angespannt, alle wollen loslegen. Und gleich ist es so weit, gleich schneiden die Vertreter der Gründungsgesellschafter des Unternehmens, das dieses Projekt trägt, das Band vor dem Haupteingang durch. Und dann will man hinter der Theke und an der Kasse präsent sein.

Viele Scheren wären nötig gewesen

Eigentlich hätten ein paar hundert Menschen zur Schere greifen müssen. Haben sich doch rund 300 Haushalte aus dem Ahorntal finanziell als stille Teilhaber an diesem Vorhaben beteiligt. 80 000 kamen so zusammen. „Das war die Basis, ohne euch hätten wir das nie stemmen können“, betonte denn auch Bürgermeister Gerd Hofmann bei der Eröffnungsfeier. Und zeigte sich „hin und weg“ angesichts der enormen Zuspruchs an diesem Donnerstagvormittag.

„Kauft ein!“

Das zeige, dass der Laden sehr wohl Akzeptanz finde und dadurch auch überlebensfähig sei. Wie Hofmann appellierte auch Wolfgang Göbner, Geschäftsführer der Unternehmensgesellschaft Dorfladen, an die Ahorntaler: „Kauft hier ein.“ Denn immerhin muss der Einkaufsmarkt ein monatlichen Umsatz von 106 000 Euro erzielen, um rentabel zu sein.

Mitarbeiter ziehen voll mit

Die Voraussetzungen seien gut, so Göbner. Nicht nur, weil man dem Edeka-Standort in Marktredwitz einen höchsten zuverlässigen Lieferanten für das Grundsortiment gefunden habe. Sondern auch, weil die Mitarbeiter vom ersten Tag an tatkräftig anpacken: „Seit 1. August sind sie hier beschäftigt, schon am 4. kam die erste Lieferung – 55 Rollcontainer mit je eineinhalb Kubikmeter Volumen.“ Wie sich das Personal da engagiert habe, um alles an den richtigen Platz zu schaffen und dafür auch noch Regale umzubauen und neu zu ordnen, sei schon höchst beachtlich gewesen. Bürgermeister Hofmann lobte seine Ahorntaler.

Nicht abhängen lassen

Weil die es eben nicht so einfach hinnähmen, „dass wir auf dem flachen Land immer mehr abgehängt werden und immer weitere Wege zurücklegen müssen“. Eine Einschätzung, die auch die Grußwortredner aus der hohen Politik teilten. Hier funktioniere die Dorfgemeinschaft eben noch, meinte die SPD-Bundestagsabgeordnete Anette Kramme. Denn auch in anderen Kommunen in vergleichbarer Lage werde versucht, einen Dorfladen ins Leben zu rufen. Doch oft gelinge dies nicht, weil der Zusammenhalt fehlt.

Auch Abgeordnete zeichnet Anteile

„Ich habe gesagt, wenn das was wird, dann mache ich das – jetzt habe ich es gestern Abend getan“, sagte ihre Landtagskollegin Gudrun Brendel-Fischer von der CSU. Und meinte damit das Zeichnen von Anteilen. Auch sie nun also stille Teilhaberin an einem Projekt, dass ohne Fördergelder nicht zu verwirklichen gewesen wäre. So bekam die Gemeinde vom Amt für ländliche Entwicklung aus Bamberg 150 000 Euro für die Sanierung und den Umbau des ehemaligen Edeka-Marktes, der im Herbst 2013 dicht machte. Und für die Ausstattung des neuen Marktes flossen 60 000 Euro an Zuschuss aus dem Leader-Programm, was immerhin 40 Prozent der hier anfallenden Kosten abdeckt.

Böllerklänge zur Eröffnung

Das Durchschneiden des Bandes durch Vertreter der UG-Gründungsmitglieder – die vier Kirchengemeinden von Volsbach über Poppendorf bis Kirchahorn, dazu der Sportverein und die Ahorntaler Blasmusik – garnierten krachende Klänge der Volsbacher Böllerschützen. Danach stürmten Ehrengäste, stille Teilhaber und viele weitere Bürger den Laden. Sie schauten sich nicht nur um, sie kauften auf fleißig. Tiefes Durchatmen bei Wolfgang Göbner: „Das stimmt mich wirklich optimistisch.“ Auch wenn es in nächster Zeit noch jede Menge Detailarbeit zu erledigen gebe.

Es gibt noch einiges zu tun

Noch in der Nacht zum Donnerstag hätten die vielen freiwilligen Helfer, die hier seit Monaten schuften, noch eifrig gewerkelt. Nicht ohne Probleme: „Der Kaffeeautomat kam am Mittwoch, erst ging er, dann ging er nicht. Heute geht er wieder. Gottseidank.“

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