Endlich Radonsanierung der Schule bald am Ziel?

Das Schulhaus in Fichtelberg. Die jahrenlangen Bemühungen, den Radongehalt im Innern zu reduzieren, sind nun möglicherweise abgeschlossen. Foto: Archiv/Gisela Kuhbandner

FICHTELBERG. Die jahrelange Radonsanierung der Schule Fichtelberg scheint auf der Zielgeraden. Ob die bisher gemachten Arbeiten endgültig ausreichend sind, weiß man aber erst im Oktober.

Zuletzt wurden in den Klassenzimmern im oberen Stockwerk sowie in den Gängen im Erdgeschoss und ersten Stock vier Raumlüfter in den Wänden verbaut, teilte zweiter Bürgermeister Karl-Heinz Glaser in der jüngsten Gemeinderatssitzung mit. Sie sind elektrisch betrieben und werden durch eine Zeitschaltuhr gesteuert. Mit ihrem Betrieb soll das tägliche Lüften am Morgen in der Schule endgültig der Vergangenheit angehören. Die Kosten für die jüngste Maßnahme bezifferte Glaser auf Nachfrage auf einen mittleren vierstelligen Betrag, dank Eigenarbeit durch den Bauhof der Gemeinde. Zuvor waren bereits in Klassenzimmern im Erdgeschoss Lüftungen verbaut worden, außerdem wurden Bodenfüllungen ausgetauscht.

Zielwert 300 Bq

Das Endziel ist, die Radonwerte im Schulhaus dauerhaft bei oder unter 300 Becquerel (Bq) je Kubikmeter Raumluft zu halten. Dies ist der aktuelle Referenzwert, bei dessen dauerhafter Überschreitung Sanierungsmaßnahmen empfohlen werden. Aktuell werden diese Werte im Schulhaus in der Unterrichtszeit schon weitgehend eingehalten. Eine derzeit laufende Jahresmessung ist im Oktober abgeschlossen. Dann hat man endgültige Gewissheit, ob die bisherigen Arbeiten ausreichen. Glaser erhofft sich aber erste Zwischenwerte in einigen Wochen, die Aufschluss über den Effekt der jüngsten Einbauten geben.

Vor gut sechs Jahren war noch alles anders: Werte von mehreren 1000 Bq im Keller und immer noch bis zu 1000 Bq in den oberen Stockwerken der Schule brachten Messungen an den Tag. Erste Radonmessungen im Schulhaus, die lange von Mehlmeisler Seite angemahnt worden waren, hatten Ende 2012 stattgefunden.

Erste Versuche erfolglos

Bemühungen, eine Senkung der Werte durch einfache Maßnahmen (Abdichtung des Kellers zum Boden und zu den darüberliegenden Räumen, Dauerbelüftung des Kellers durch gekippte Fenster) hatten keine entscheidende Verbesserung erbracht; die Radonwerte in der Raumluft sanken nur dann vorübergehend, wenn kräftig gelüftet wurde. Im Oktober 2013 hatten vor allem Mehlmeisler Eltern über 200 Unterschriften gesammelt dafür, dass bis zu einer Sanierung kein Unterricht in Fichtelberg stattfindet. Dazu kam es nicht, auch weil die Gesundheitsbehörden keinen Anlass für eine faktische Evakuierung des Fichtelberger Schulhauses sahen.

Bei dem Thema ging es von Anfang an nicht nur um die Gesundheit der Kinder. Denn zur gleichen Zeit stand im Raum, dass beide Schulstandorte der gemeinsamen Grundschule Fichtelberg-Mehlmeisel auf Dauer nicht zu halten sein würden. Und dass die Regierung womöglich eine Entscheidung fällt, wenn sich beide Kommunen nicht auf einen Schulstandort einigen können. Als Stichjahr kursierte damals das Jahr 2017. Doch das ist bekanntlich längst verstrichen, und es wird immer noch in beiden Schulhäusern unterrichtet. Aktuell werden in jedem Schulhaus je zwei jahrgangsreine Klassen unterrichtet: in Fichtelberg die 1. und 3. Klasse, in Mehlmeisel die 2 . und 4. Klasse, jeweils mit Kindern aus beiden Orten. Laut Schulleiter Rainer Küffner ist auch für die nächsten Jahre – er spricht von vier bis fünf Jahren – gesichert, dass es vier Klassen geben wird. Einzige Änderung im nächsten Schuljahr: 1. und 2. Klasse werden in Fichtelberg, 3. und 4. Klasse in Mehlmeisel unterrichtet. Küffner nennt „organisatorische und pädagogische Gründe“ für diese Änderung.

Derzeit kein Handlungsdruck

Auch laut Bürgermeister Glaser ist derzeit beim Thema Schulzusammenlegung kein Handlungsdruck. Vom Tisch sei das Thema aber auch nicht. Eine Arbeitsgruppe aus beiden Orten zum Thema, die die beiden Bürgermeister Ritter und Tauber ins Leben gerufen hatten, ist, seit Glaser die Amtsgeschäfte führt – Juni 2018 – , nicht mehr zusammengetreten.

Doch die erhöhten Werte im Fichtelberger Schulhaus schreckten damals die Verantwortlichen im ganzen hohen Fichtelgebirge auf. Es wurde genauer hingeschaut. Und gemessen. Ergebnisse unter anderem: hohe Werte auch im Schulhaus Bischofsgrün. Sehr hohe Werte im Rathaus Warmensteinach, vor allem in einzelnen Räumen. Dafür war die Schule in Warmensteinach unauffällig. Und auch das Mehlmeisler Schulhaus hat keine Radonbelastung.

Neues Gesetz

Seit Ende 2018 gilt ein neues Strahlenschutzgesetz. Es sieht vor, dass künftig sogenannte „Radonvorsorgegebiete“ festgelegt werden, in denen eine Messpflicht für Arbeitsplätze in Erd- oder Kellergeschossen gilt. Wird der Referenzwert von 300 überschritten, muss die Radonkonzentration mit geeigneten Maßnahmen gesenkt werden. Dass das Fichtelgebirge zu den Vorsorgegebieten gehören wird, darf als sicher gelten. Allerdings gibt es auch Kritik am Referenzwert: Er sei insbesondere für Kinder zu hoch. Andererseits gilt: Je mehr man Radonwerte in geschlossenen Räumen drücken will, umso aufwendiger und teurer wird es.

Radon ist ein radioaktives Edelgas, das im Prinzip überall auf der Welt natürlich vorkommt. Eine dauerhaft hohe Konzentration wird mit einem erhöhten Lungenkrebsrisiko in Zusammenhang gebracht.

 

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