Endlager für Atommüll Granit auch mit Rissen als Lagerstätte interessant

In einem dieser drei Gesteinsarten wird das Endlager errichtet. Links Granit/kristallin, Mitte Salzstock, rechts Ton. Grafik: Bundesamt für kerntechnische Entsorgungssicherheit

BAYREUTH. Bei der Suche nach einem Endlager für Atommüll geht es auch um Granit. Der kommt in der Region reichlich vor. Weil die heimischen Vorkommen Risse aufweisen und weil sie aus der Oberfläche herausragen, haben Geologen bislang abgewunken, als es um das Fichtelgebirge als Standort für das Endlager ging. Das Gesetz sieht für die Standortauswahl jedoch Ausnahmen vor, wenn das Gestein zerklüftet ist.

Am vergangenen Freitag hat sich der Kreistag mit der Standortsuche für ein atomares Endlager in Deutschland befasst. Derzeit befindet sich das Verfahren im ersten Abschnitt. Dabei werden geologische Daten gesammelt. Nach Maßgabe dieser Daten werden später Teilgebiete benannt. „Die Anzahl der Teilgebiete ist offen“, stellt Andreas Hinz klar. Er ist der Pressesprecher des Bundesamtes für kerntechnische Entsorgungssicherheit in Berlin (BfE).

Bei der Auswahl des Standorts kommt es nicht allein auf das Material, sprich Wirtsgestein an, in dem die Lagerstätte entstehen soll. Bei der Suche wird auch auf die geologische Gesamtsituation geschaut. Schließlich geht es je nach Standort um die Kombination von Wirtsgestein und Endlagertechnik. Die Frage, ob Salz, Tonstein oder Granit am besten geeignet sind, könne ohne Angabe des jeweiligen technischen Lagerkonzeptes gar nicht beantwortet werden, so das BfE.

In einem dieser Gesteine wird das Endlager errichtet: 

Granit: Die Durchlässigkeit von Granit, auch Kristallin genannt, bewerten Wissenschaftler als sehr gering. Anders verhält es sich beim zerklüfteten Granit, in den leicht Wasser eindringen kann. Risse im Gestein wirken sich auch nachteilig auf die Stabilität von Hohlräumen aus. Bislang gab die Klüftung des Granits im Fichtelgebirge den Anlass für die Annahme, er eigne sich nicht als Endlager. Dem hält der BfE-Sprecher Hinz entgegen: „Klüftung ist kein Ausschlusskriterium.“ Er weist auf die Regelung des Paragrafen 23 Absatz 5 im Gesetz für die Standortauswahl hin. Hinz mit anderen Worten: „Damit keine gefährlichen Stoffe nach außen gelangen können, werden im Wirtsgestein Kristallin zusätzlich Spezialbehälter und abdichtendes Material eingesetzt.“ Bei Klüftungen würden die gesuchten Sicherheits- und Barrierefunktionen nicht vom Wirtsgestein, sondern von einem ganzen System technischer und geotechnischer Vorkehrungen erbracht.

Salz und Salzgestein: Nach wissenschaftlichen Erkenntnissen ist Salzgestein praktisch undurchlässig und weist stabile Hohlräume auf.

Ton: Die Durchlässigkeit von Tonschichten bewerten Experten als gering bis sehr gering. Für die erforderliche Hohlraumstabilität sei der Ausbau der Lagerstätte notwendig. Sehr hoch sei beim Ton das Rückhaltevermögen von Radioaktivität.

Die geeigneten Standorte müssen Mindestanforderungen erfüllen. 300 Meter Erdreich sollen zum Beispiel das Endlager von der Oberfläche trennen. Eine 100 Meter starke Schicht aus Granit, Salz oder Ton muss die Lagerstätte umschließen. Gesucht wird ein Lager für 1900 Castor-Behälter. Sie enthalten rund 27.000 Kubikmeter hoch radioaktiven Atommüll. Würde man diese Behälter auf einen Güterzug laden, wäre der Zug elf Kilometer lang, hat das BfE berechnet.

Die Verursacher der radioaktiven Abfälle sind die Betreiber der Kernkraftwerke. Sie haben für die sichere Verwahrung des Atommülls rund 24 Milliarden Euro bereitgestellt, teilt das Bundesamt mit. Den Betrag haben sie im Juli 2017 an einen öffentlich-rechtlichen Fonds überwiesen. Aus dem Fonds sollen nun alle anstehenden Kosten für die Zwischen- und Endlagerung finanziert werden. Sollte diese Summe nicht ausreichen, müssen die Steuerzahler für die restlichen Kosten aufkommen, weil eine Nachhaftung der Betreiber nicht vorgesehen ist.

 

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