Elektroautos Post kommt jetzt ganz leise

Postbotin Michaela Schmitt fährt in Pegnitz Briefe und Pakete mit dem neuen Elektroauto aus. Das Fahrzeug hat wesentlich mehr Laderaum als die bisherigen Autos, sagt sie. Foto: Ralf Münch

PEGNITZ. In Pegnitz kommt die Post inzwischen auf sehr leisen Sohlen. Vor fünf Wochen wurde hier damit begonnen, die alten Caddys durch Elektroautos zu ersetzen. Die gelbe Farbe ist geblieben, alles andere ist neu.

Bisher sind es am Standort Pegnitz erst elf Autos, die auf grüne Energie umgestellt wurden. Aber sukzessive, wie der Pressesprecher der Deutschen Post, Erwin Nier erzählt, soll der Fuhrpark des Unternehmens in der Zukunft umgestellt werden. „Als das Unternehmen beschlossen hatte auf Elektroautos umzusteigen, haben wir uns auf dem Markt umgesehen. Und es gab im Transporterbereich rein gar nichts. Also beschlossen wir ein eigenes Fahrzeug für uns entwickeln zu lassen. Wir gaben den Auftrag an Achim Kampker, Professor an der Technischen Hochschule Aachen.“ Mit einem Team habe er ein Fahrzeug entwickelte, das passte. Die Streetscooter GmbH wurde gegründet und von der Post gekauft. Ein neuer Stern am deutschen Automobilhimmel ist geboren und jetzt eine 100-prozentige Tochterfirma der Deutschen Post.

Teile einfach austauschen

Auf den ersten Blick könnte man die Fahrzeuge eher mit einem Trabi aus der alten Zeit vergleichen: Auf einem Stahlgerüst liegt die Karosserie. Und die ist aus eingefärbtem Plastik gegossen. Zum einen kann damit Gewicht gespart werden, zum anderen können, wenn das Auto eine Schramme oder Unfall hat, die Teile ganz einfach ausgetauscht werden – ein paar Schrauben aus dem Plastik raus, Teil abnehmen, neues Plastik drauf und ein paar Schrauben wieder rein. Bei den normalen Karosserien sei das wesentlich kostenintensiver.

Neben den niedrigeren Reparaturkosten sei der Umweltgedanke auch ein wichtiger Faktor. Denn, wie Nier sagt, sei die deutsche Post einer der größten Fahrzeughalter europaweit. Dementsprechend wird auch viel Diesel in die Luft gepustet.

Doppeltes Ladevolumen

Es gibt drei Versionen dieser Fahrzeuge. Den Work mit vier Kubikmetern Ladevolumen, den Work L mit acht Kubikmetern und den Work XL mit 20 Kubikmetern. In Pegnitz fahren nur der Work und der Work L. „Das reicht auch aus. Selbst die kleine Version hat das doppelte Ladevolumen eines unserer Caddys“, so Nier. Und das Modell hat sich etabliert. Bei anderen großen Firmen wie die Deutsche See in Hamburg, die ihre Autoflotte mit diesen Fahrzeugen austauscht, oder Handwerkerfirmen. Und tatsächlich: Selbst Privatleute könnten sich solch ein Vehikel, das zwischen 30.000 bis 40.000 Euro kostet, kaufen. Nier: „Das ist kein Problem. Mit diesem Preis haben wir den Volkswagen neu erfunden.“

Stau wäre programmiert

Ein kleines Problem gibt es aber doch. Und das betrifft die Reichweite. Die Fahrzeuge legen als Maximalreichweite rund 80 Kilometer zurück. Für den Stadtverkehr reicht das. Bei längeren Fahrten taugt das nichts. Und bei einer Maximalgeschwindigkeit von 85 Stundenkilometern wäre der Stau auf der Autobahn programmiert. Dafür sind die Fahrzeuge aber auch nicht gebaut – es sind Nutzfahrzeuge.

Positiv überrascht

Beim Zustellerstützpunkt Pegnitz werden die Fahrzeuge auch im Umkreis eingesetzt. In den Ortsteilen und auch bis Pottenstein. Die 25-jährige Michaela Schmitt, die gerade in der Vorweihnachtszeit alle Hände voll zu tun hat, ist eine, die mit diesem Elektroauto unterwegs ist. „Zuerst hatte es mich gegraust das Ding zu fahren. Aber dann bin ich doch positiv überrascht gewesen. Das Ladevolumen ist riesig. Auch wenn man das von außen nicht denkt. Und das Be- und Entladen ist viel besser als bisher, weil die Ladehöhe höher ist. Das ist gut für den Rücken.“

Verbesserungsvorschläge gibt es von ihr, die täglich damit zu tun hat, dennoch: „Es sind kleinere Sachen, etwa was die Türgriffe betrifft. Die sind nicht besonders gut zu greifen. Oder auch bei der Heizung. Wenn man ein paar Minuten in einer Straße zum Ausliefern steht, dann wird es da drin schon kalt.“

Nier: „Wir entwickeln die Fahrzeuge ja weiter. Und ja, es gibt noch Verbesserungen.“

 

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