Eisenwarenladen schließt Familie Mösinger zieht Schlussstrich

Nach über 250 Jahren endet eine Familiengeschäfts-Ära. Katrin Reichenberger (links) und Martina Mösinger ziehen einen Schlussstrich.

PEGNITZ. Ein traditionsreiches Familiengeschäft wird es ab Mai nicht mehr geben. Der Eisenwarenladen Mösinger schließt und hinterlässt eine große Lücke. Das Angebot reichte von speziellen Schrauben über Öfen bis hin zum Rasenmäher. Für Geschäftsführerin Martina Mösinger war es keine leichte Entscheidung.

Seit 1762 war der Laden in Familienhand und sollte für sieben Generationen zur Erwerbsgrundlage werden. Erst nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde aus der einstigen Schlosserei mit landwirtschaftlichem Bedarf und Küchengeräten eine Eisenwarenhandlung. Nach dem Ableben von Friedrich Mösinger 2017 übernahm Martina Mösinger das Geschäft. „Unser Geschäft war schon immer in Familienhand. Uns gehört auch der Laden“, sagt Tochter Katrin Reichenberger, „wir werden den Laden schnellstmöglich vermieten.“ Reichenberger hilft seit 21 Jahren im Geschäft ihrer Eltern. Als Handelsfachwirtin übernahm sie nach dem Tod ihres Vaters die komplette Verwaltung.

Energie und Herzblut

„Mein Vater war oft noch nach der Arbeit oder sonntags im Laden und hat die Büroarbeit erledigt“, erzählt sie, „er hat relativ viel allein gemacht und mir nie im Detail gezeigt, wie alles funktioniert.“ Sie musste sich in die Unterlagen einarbeiten. Bereits zu dem Zeitpunkt überlegten Mutter und Tochter, ob es Sinn macht, den Laden weiterzuführen und überhaupt, ob sie es schaffen würden. Sie schafften es. Von früh bis spät steckte die Familie ihre Energie und Herzblut in das Geschäft. Inzwischen ist Martina Mösinger 65 Jahre alt und die Arbeit würde nicht weniger werden. „Es ist ein Zeitpunkt gekommen, um einen Schlussstrich zu ziehen“, sagt die Tochter. Gerade jetzt würde es Sinn machen. Ihr Mitarbeiter mit dem gesamten Fachwissen hat gekündigt. „Der Verkäufer muss ja mehr als nur verkaufen. Er kennt jede Bohrmaschine, jeden Rasenmäher und jeden Herd oder Ofen und muss diese dann auch noch anschließen können und den Service leisten. Das findet man nicht so leicht“, erklärt Reichenberger.

Mehr Zeit für die Familie

Durch die Kündigung kam der Stein ins Rollen und die Familie musste überlegen, wie es nun weitergehen soll. Die Tochter kann den Laden nicht weiterführen, da ihre Kinder zu jung sind. Sie wird sich jetzt nach einem anderen Halbtagsjob umschauen und bewerben. „Natürlich, wenn du vor deinem leeren Laden stehst, dann wird das komisch“, sagt sie, „aber meine Mutter freut sich jetzt einfach auf die Zeit mit ihren Enkelkindern.“ Bis zum 30. April hat der Laden noch geöffnet und nimmt weiterhin Bestellungen entgegen. Danach schließt eines der traditionsreichsten Familiengeschäfte der Innenstadt für immer seine Türen.

Arbeitskreis Unser Pegnitz

„Wir sind schon sehr traurig darüber“, sagt Christina Wellhöfer, Vorsitzende vom Arbeitskreis Unser Pegnitz, „ich verstehe natürlich die Beweggründe. Das ist der Familie garantiert schwergefallen.“ Gerade für die Innenstadt sei es ein großer Verlust – vor allem für die Kunden. Das Angebot fände man nicht mehr. So erhielt man in dem Eisenwarenladen spezielle Schrauben ohne Bestellung und die Beratung sei stets auf höchstem Niveau gewesen. „Es gibt immer wieder ein Kommen und ein Gehen an Geschäften“, sagt Wellhöfer, „dass so ein ganz alt eingesessenes Familienunternehmen aufhört, das passiert wirklich nicht alle Tage. Im geschäftlichen, wie im privaten ein riesen Verlust.“

 

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