Eintritt ins Klosterleben Erst evangelisch, jetzt katholisch

Einst Franziska Gresik – jetzt Schwester Veronika – an ihrem Lieblingsplatz im Garten des Auerbacher Klosters, der Lourdes-Grotte. Foto: Frauke Engelbrecht

AUERBACH. Es ist noch etwas ungewohnt. Im Ausweis steht der Geburtsname Franziska Gresik. Doch seit dem vorletzten Wochenende heißt die 27-Jährige jetzt Schwester Veronika und ist Novizin im Auerbacher Mutterhaus der Schulschwestern von Unserer Lieben Frau. An die Kleidung - das schwarze Ordenskleid und den weißen Schleier - hat sie sich schon gewöhnt.

„Für mich ist die Entscheidung, in den Orden einzutreten, eine Befreiung und Erfüllung“, sagt Schwester Veronika. Sie fühle, dass es die richtige Entscheidung ist. Zwei Jahre dauert jetzt das Noviziat, dann kommt die zeitliche Profess für drei Jahre und danach die Profess für die ganze Lebenszeit.

Ökumenisches Elternhaus

Immer wieder gehen Frauen ins Kloster, doch bei ihr ist es etwas Ungewöhnliches, denn Schwester Veronika wuchs in einem ökumenischen Elternhaus auf. Der Vater war katholisch, die Mutter evangelisch, sie selber wurde evangelisch getauft und auch konfirmiert. Geboren und aufgewachsen in Bayreuth, legte sie dort am Richard-Wagner-Gymnasium das Abitur ab, studierte in Würzburg Sozialpädagogik und war dann ein halbes Jahr als Au-pair-Mädchen in Irland. Anschließend war sie in der Kinderklinik des Klinikums Bayreuth in der Sozialmedizinischen Nachsorge, dem Bunten Kreis zuständig für die Beratung von Familien mit Frühgeborenen und schwerkranken Kindern sowie für Schwangere. „Diese Tätigkeit der Beratungs- und Teamarbeit habe ich sehr gerne ausgeübt“, sagt Schwester Veronika.

Kraft geschöpft

Schon in dieser Zeit habe sie sich viel mit dem Glauben beschäftigt und durch das Gebet die persönliche Beziehung zu Christus gefunden, sagt sie. Nach und nach habe sie falsche Vorstellungen der Marienverehrung und Vorurteile gegenüber bestimmten Glaubensinhalten abgebaut. Beeindruckt habe sie schon damals das Leben von Mutter Teresa. „Ihr großes Vertrauen und ihre Demut faszinierten mich. Mir wurde klar, wie sehr sie alle Kraft aus der Eucharistie schöpfte“, so die Novizin. Nachdem sie sich mit dem Sinn des Rosenkranzgebetes intensiv auseinandergesetzt habe, habe sie täglich den Rosenkranz gebetet. Dabei habe sich für sie eine besondere Beziehung zu Maria entwickelt, sagt sie. Und auch ihr Verhältnis zur Heiligenverehrung habe sich langsam gewandelt. „Ich habe die Fülle des katholischen Glaubens als einen großen Schatz erfahren“, sagt Schwester Veronika. Bücher, Glaubenszeugnisse auf Youtube und eine Wallfahrt nach Fatima hätten schließlich ihr Weltbild verändert. „Ich wollte katholisch werden“, sagt Schwester Veronika.

Rosenkranz gebetet

Was haben ihre Eltern, insbesondere die evangelische Mutter, zu dem Wandel gesagt? „Es war nicht einfach“, sagt Schwester Veronika zögernd. Das sei ein längerer Prozess gewesen. Doch dann begann sie gemeinsam mit ihrer Mutter den Rosenkranz zu beten. Mittlerweile hat auch sie sich dem katholischen Glauben zugewandt. Schwester Veronika hat mit 25 Jahren die erste heilige Kommunion empfangen und wurde gefirmt. „Das Ordensleben hat mich angezogen“, so die Novizin. Im Internet hat sie auf Englisch Konversionszeugnisse von Schwestern gelesen. „Gott klopft an“, hieß es da. „Ich bin verliebt in Jesus“, sagt Schwester Veronika. Sie habe ebenfalls diesen Ruf Gottes, Jesus nachzufolgen, gehört.

Tagesablauf durchstrukturiert

Über Pfarrer Christian Steger habe sie durch mehrmalige Besuche die Auerbacher Schulschwestern kennengelernt und gespürt: „Hier gehöre ich hin.“ Sie habe einen tiefen, inneren Frieden erlebt. Ein Jahr lang arbeitete sie als Leiterin der Hausaufgabenbetreuung der Realschule Auerbach im Haus St. Josef. Diese Arbeit ruht jetzt erst einmal. Vielleicht kann die Novizin aber in ihrem zweiten Jahr wieder im Beruf tätig sein. „Im ersten Noviziatsjahr hat die Ordensausbildung absoluten Vorrang“, sagt Schwester Veronika. Der Tagesablauf ist ziemlich durchstrukturiert. Er beginnt um 5.15 Uhr mit dem Morgengebet und der heiligen Messe. Feste Tagesinhalte sind außer den gemeinsamen Mahlzeiten die geistliche Unterweisung, Gebet, Spaziergang und die Lernstunde. Während des Noviziats ist der Kontakt mit der Außenwelt, auch der mit den Eltern, eingeschränkt. Es geht darum, den Kontakt mit Gott zu intensivieren. Der Wechsel ins Ordensleben sei für sie ein Geschenk, der Schleier ein Zeichen, dass sie mit Jesus verlobt sei.

Sport, Musik, Theater

Hatte sie nicht den Wunsch nach einer eigenen Familie, nach Kindern? „Nein“, sagt Schwester Veronika, „ich fühle mich im Orden bei Gott und bei den Mitschwestern geborgen. Es ist kein Bruch zu meinem vorherigen Leben.“ Was macht eine Ordensschwester in ihrer Freizeit? Es gebe Gelegenheit zu Sport, Musizieren und Theaterspielen, listet sie auf. Nach wie vor liest sie gerne.

Neuer Name

Wie kam es zu dem neuen Namen? „Ich durfte drei Vorschläge machen“, sagt sie. Und sie freut sich, dass sie den Namen Veronika erhielt. Der war ihr Favorit. Ihre Namenspatronin ist die heilige Veronika, die mutig auf Jesus zuging und ihm auf dem Kreuzweg das Schweißtuch reichte. Die anderen beiden Namensvorschläge waren Gratia (Gnade)  und Zezilie (Mutter der heiligen Thérèse von Lisieux) gewesen.

 Schwester Veronika redet ganz offen über ihr neues Leben im Kloster. Sie wünscht jedem jungen Menschen, dass er seine persönliche Berufung – ob zur Ehe oder zum gottgeweihten Leben – erkennt und sich klar dafür entscheidet.

 

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