Eine Reizfigur des FSV sagt Servus

„Ein begnadeter Fußballer, aber auch ein nicht ganz einfacher Charakter.“ Das sagt FSV-Trainer Jörg Pötzinger über seinen Spielmacher Florian Schuberth (Zweiter von rechts), der im Stadtderby gegen die SpVgg Bayreuth II sein letztes Spiel für die Prellmühler bestreitet. Foto: Peter Mularczyk

Dieses Spiel ist für alle Mitwirkenden besonders. Für Florian Schuberth ist es noch besonderer. Die Landesliga-Begegnung seines FSV Bayreuth gegen die SpVgg Bayreuth II (Sonntag, 14 Uhr) beinhaltet für den 29-jährigen Mittelfeldakteur nicht nur die Attribute Kellerduell und Stadtderby, sondern auch Abschiedsspiel. Beruflich verschlägt es den Sportökonomen nach Köln. Viele werden den Ausnahmefußballer vermissen, aber nicht alle – am wenigsten Gegner und Schiedsrichter.

Für sie war der Sauerländer nicht selten eine Reizfigur, ein Heißsporn, der gerne und viel kommunizierte. Manchen Fußballern sagt man ja nach, dass sie in eine andere Welt abtauchen, sobald sie den Platz betreten, dass sich ein Schalter umlegt, sobald die Außenlinie hinter ihnen liegt. Genauso ist es bei Schuberth. Zumindest wenn man seinem Trainer glauben mag.

„Er ist ein weit überdurchschnittlicher Landesligaspieler, keine Frage. Ein begnadeter Fußballer, ein herausragender Techniker. Einer, der den Unterschied ausmacht“, lobt Jörg Pötzinger seinen Spielmacher, um dann mit einem „Aber“ fortzufahren. „Er ist auch ein nicht ganz einfacher Charakter mit einem sehr ausgeprägten Selbstbewusstsein, manchmal sogar eine kleine Diva“, spricht der Prellmühler Übungsleiter in aller Offenheit über seinen Toptorjäger (sechs Tore). Genau so offen, wie er es auch im Dialog mit ihm immer getan hat: „Der Schu flippt schon leicht aus, wenn ihm etwas gegen den Strich geht. Auch den Mitspielern gegenüber, so dass er auch bei uns schon zwei- bis dreimal richtig angezählt wurde.“

Disput schadet dem Spieler-Trainer-Verhältnis nicht

Er habe in der letzten Saison einmal 60 Minuten mit ihm telefoniert, plaudert der Trainer aus dem Nähkästchen, „weil es im Training Reibereien gab und er nicht einsehen wollte, dass ich ihn aus dem Kader gestrichen hatte. Aber es ging nicht anders, wir haben zwar dann verloren, aber ich musste da ja mal ein Zeichen setzen der Mannschaft gegenüber“. Letztlich hat dieser Disput dem Spieler-Trainer-Verhältnis nicht geschadet. Im Gegenteil. Florian Schuberth lässt nichts auf seinen Coach kommen. „Hut ab, vor dem, was er hier leistet. Wir haben ja mit ganz schwierigen Bedingungen zu kämpfen. Kleiner Kader, viele Schichtarbeiter. Unser Trainer ist immer da, klagt nie, auch wenn er mit sieben Mann bei Dauerregen auf dem Ascheplatz steht, und holt auch das Optimum heraus.“

Und auch Jörg Pötzinger hat seinen Frieden mit dem selbstbewussten Zehner gemacht: „Außerhalb des Fußballplatzes ist er eh ein super Typ, ein sehr umgänglicher Mensch.“ Was Pötzinger gelang („Ich hab da irgendwie einen Draht gefunden“), gelang den Verantwortlichen in Neudrossenfeld und beim BSC Saas offensichtlich nicht so gut. „Es wird schon seine Gründe gehabt haben, weshalb er dort nur wenige Spiele absolviert hat“, sagt der Prellmühler Übungsleiter.

"Ein ständiger Unruheherd"

Aber nicht nur für Mitspieler und Trainer, auch für Gegner und Schiedsrichter war er „ein ständiger Unruheherd“. Belegt wird die Aussage des FSV-Coaches durch den Blick in die jüngere Vergangenheit. Ausgerechnet bei seinem Ex-Verein TSV Neudrossenfeld (1:4) sah das Enfant Terrible die Rote Karte wegen Schiedsrichterbeleidigung. „Das war absolut überzogen. Ich wurde über die Linie getreten und habe mich nur beschwert“, sagt Schuberth. „Es gab einen Sonderbericht. Was da drin stand, war komplett erfunden.“

Die verbale Auseinandersetzung mit dem Unparteiischen brachte ihm letztlich fünf Spiele Sperre ein, die nun mit dem Derby endet. 45 Spiele und 17 Tore für den FSV stehen insgesamt für ihn zu Buche. „Ich freue mich sehr auf die Partie. Es wird etwas Besonderes. Schließlich habe ich hier eine wirklich schöne Zeit gehabt.“ Dass diese mit einem Sieg enden soll, versteht sich von selbst. „Schon im Hinspiel waren wir die bessere Mannschaft und haben nur 1:1 gespielt.“

Angst vor eventuellen Leihgaben der ersten Altstädter Mannschaft hat er natürlich nicht. „Da sollen gerne drei oder vier mitspielen. Vom Niveau her sind die auch nicht so weit weg“, bleibt er sich auch in der Stunde seines Abschieds treu. Wie gesagt, nicht alle werden ihn vermissen.

"Altstädter werden sich zerreißen"

FSV gegen Altstadt – das ist was komplett anderes, als wenn du gegen Lichtenfels oder Friesen spielst“, sagt Jörg Pötzinger vor dem Landesliga-Kellerduell. Gegen die Einschätzung, sein FSV gehe vor dem Hintergrund der Altstädter Niederlagenserie (vier in Folge) und der großen Personalnot als Favorit in die Partie, erhebt der Prellmühler Trainer vehement Einspruch. „Gegen Veitsbronn oder Schwabach würde ich wirklich sagen, dass die SpVgg momentan wenig ausrichten könnte. Aber nicht gegen uns. Da werden sie sich zerreißen.“ Jörg Pötzinger glaubt auch, dass die Altstädter alles aufbieten werden, was möglich ist. „Wohnt da einer in Berchtesgaden, dann wird er zu diesem Spiel kommen.“ Das wisse er deshalb so sicher, sagt er, „weil es bei uns genauso wäre“. Während sich bei ihm die Personalsituation durch die Rückkehr von Dominik Düngfelder und Florian Schuberth etwas entspannt, bleibt die Lage beim Gegner kritisch, da sich auch noch Kevin Eckert verletzt hat, sein Einsatz ist höchst fraglich.

Allerdings darf sich der Altstädter Trainer Michael Regn diesmal auf Verstärkung von der ersten Mannschaft freuen. „Wie Trainer Christian Stadler versichert hat, wird alles, was möglich ist, nach unten geschoben. So haben wir endlich wieder mal eine Mannschaft, die konkurrenzfähig ist. Das war ja in den letzten Wochen nicht oft der Fall.“ Auch beim jüngsten 1:3 gegen Friesen sei seine Elf relativ chancenlos gewesen, erinnert sich der Übungsleiter der Gelb-Schwarzen. „Wenn dann auch noch erfahrene Leistungsträger hanebüchene Fehler machen, dann hast du nichts auszurichten.“ Nun hofft er auf das Derby. „Vielleicht hat das ja reinigende Wirkung und nimmt uns etwas von der Verunsicherung. Die Jungs sind auf jeden Fall heiß und haben im Training gut gearbeitet. Sie müssen es jetzt endlich einmal auf den Platz bringen.“

FSV Bayreuth: Petrovic (Nüssel) – Schwarzer, Röthlingshöfer, Schmidt-Hofmann, Menzel, Schöpf, Konradi, Eisele, Ollet, Kellner, Sesselmann; Düngfelder, Schuberth, Hendel-Diaz, Tekelioglu, Schreiber.

SpVgg Bayreuth II: Merrick (Kormann) – Krebs, Regn, Rieß, Reutlinger, Eckert (?), Langlois, Ainscough, Sommerer, Stockinger, Seeger, Lang, Müller.

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