Ein scheuer Einzelgänger Lindenhof hat den Luchs im Fokus

BAYREUTH. „Bayreuther Freitagsdebatte“, unter diesem Titel gibt es künftig viermal im Jahr eine Podiumsdiskussion über aktuelle Naturthemen im LBV-Umweltinformationszentrum Lindenhof. Den Auftakt macht am Freitag, 14.September, 18 Uhr, der Luchs. Ein heimlicher Rückkehrer?

"Zwar wird der Luchs in der Öffentlichkeit bei weitem nicht so kontrovers diskutiert wie etwa der Wolf, trotzdem gehört auch der Luchs zu den großen Beutegreifern, die im Fichtelgebirge zu Hause sein könnten," sagt Norbert Schäffer, Vorsitzender des Landesbunds für Vogelschutz (LBV), der am Freitag das Thema beleuchten wird. "Zwar werden immer wieder Luchsindividuen im Fichtelgebirge nachgewiesen, von einem dauerhaft besetzten Territorium oder gar einer stabilen Population kann man jedoch nicht ausgehen. Und selbst diese Nachweise sind spärlich, ein Einblick in das scheue und zurückgezogene Leben der Großkatzen gelingt nur mit Beharrlichkeit oder einer gehörigen Portion Glück."

Hat der Luchs ähnliche Probleme wie der Wolf, sich in früher angestammten Regionen wieder zu behaupten?

Schäffer: Grundsätzlich kann sich der Luchs – wie auch der Wolf – in der anthropogen geprägten Kulturlandschaft gut behaupten, sofern ausreichend große Waldgebiete vorhanden sind. Denn der Luchs hat Streifgebiete, die in Mitteleuropa etwa 250 Quadratkilometer groß sein können. Ob der Luchs bei uns wieder dauerhaft heimisch werden kann, hängt jedoch vor allem von der Akzeptanz des Luchses in der Bevölkerung ab.

Wie hoch ist denn die Akzeptanz dieser großen Katze?

Schäffer: Eigentlich wird der Luchs in der Vorstellung der meisten Menschen hauptsächlich mit den Begriffen „Wildnis“ und „Freiheit“ verknüpft. Wohingegen der Wolf immer noch schwer mit den in früheren Zeiten häufigen Darstellungen als menschenfressendes Untier zu kämpfen hat. Trotzdem zeigen die beunruhigend häufigen Fälle von Wilderei und Straftaten gegen das Naturschutzrecht aus dem Bayerischen Wald, dass auch der Luchs nicht überall willkommen ist.

Der Wolf gehört zur Familie der Hunde, der Luchs zu den Katzen. Wie Hund und Katz? Gilt das auch für die beiden großen Raubtiere? Ist ihr Verhalten ähnlich unterschiedlich und was bedeutet das für das Zusammenleben mit den Menschen?

Schäffer: Der Luchs ist meist ein extrem scheuer Einzelgänger, der ganz überwiegend Rehwild reißt und so fast nie in einen Konflikt mit dem Menschen kommt. Wohingegen der Wolf bei uns in familiären Rudeln lebt und jagt. Insofern geht von den Wölfen eine höhere Gefahr für die Weidetiere aus als vom Luchs.

Warum gerade jetzt das Thema Luchs?

Schäffer: Die größten Quellpopulationen des Luchses leben in Deutschland im Bayerischen Wald und im Harz. Doch viele Gebiete dazwischen, wie etwa der Steinwald oder das Fichtelgebirge, bieten dem Luchs auch einen geeigneten Lebensraum. Die „Bayreuther Freitagsdebatte“ bringt Projekte zum Schutz des Luchses aus drei Bundesländern zusammen und beleuchtet das Thema für die Zuhörer von allen Seiten. Wir hoffen, dass die Akzeptanz des Luchses so erhöht werden kann und diese spektakuläre Art wieder ein selbstverständlicher Teil unseres Naturraums wird!

Die Bayreuther Freitagsdebatte am 14. September, beginnt um 18 Uhr am Umweltschutzinformationszentrum Lindenhof.

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