Ein Platz und ein Tag für ein Wunder Der Rudolstädter Platz ist eingeweiht

03.10.2013, Bayreuth, Rudolstädter Platz, Brigitte Merk-Erbe (OBin Bayreuth), Jörg Reichl (Bürgermeister Rudolstadt), Foto: Andreas Harbach, ha

Fast 24 Jahre sind vergangenen, seitdem sie ihre Unterschrift unter den Partnerschaftsvertrag der beiden Städte gesetzt hatten. Als am Tag der Deutschen Einheit endlich auch in Bayreuth ein Platz nach der thüringischen Partnerstadt Rudolstadt benannt wird, stehen Hartmut Franz und Dieter Mronz in der zweiten Reihe. Seite an Seite, die beiden ehemaligen Stadtchefs sind in all den Jahren Freunde geworden.

Sie müssen nicht viel reden, um sich zu verstehen. In ihren Köpfen kommen die gleichen Bilder, die gleichen Erinnerungen hoch. An die Tage der Wende. An die Zeit, als alles auch hätte schief gehen können. An das Glück, das Deutschland, das ihre beiden Städte und dass sie auch persönlich hatten. An die Verbindung zwischen Rudolstadt und Bayreuth.

Großes Aufgebot an einem sonst eher wenig bevölkerten Platz an der Ecke des Wittelsbacherrings und der Birkernstraße, dort wo der große Springbrunnen steht. Es hat eine ganze Weile gedauert, 24 Jahre um genau zu sein, bis die Bayreuther Kommunalpolitik den richtigen Ort gefunden hat, um ihn seiner Partnerstadt zu widmen. Oberbürgermeisterin Brigitte Merk-Erbe lässt es in ihrer Ansprache vor Stadträten, Vertretern von Vereinen und Verbänden, die Verbindung mit Rudolstadt mit Leben erfüllen, und den 21 Gästen aus Rudolstadt mit Bürgermeister Jörg Reichl an der Spitze anklingen. Aber nicht kommunalpolitisches Klein-Klein soll heute im Vordergrund stehen. Merk-Erbe weckt das kollektive Gedächtnis: Der Eiserne Vorhang hat nicht nur Deutschland , er hat auch Europa geteilt. Dass ein geeintes Europa für Freiheit, Menschenrechte und Demokratie und nicht in erster Linie für Schulden und Geschäftemacherei steht, „das sollten wir uns gerade am Tag der Deutschen Einheit bewusst machen.“

Er ist ja schon ein paar Jahre aus dem Amt, sagt Hartmut Franz, ehemaliger Bürgermeister von Rudolstadt, nach der offiziellen Einweihung des Platzes. „Aber ich fühle mich gerade wieder mitten drin. Vieles war damals möglich, es war die wohl intensivste Phase meines Lebens.“  Aus Bayreuth, sagt Franz, kam damals nach der Grenzöffnung viel Hilfe. „Am Anfang war das mehr eine Patenschaft als eine Partnerschaft“, erinnert sich Franz. Das hat sich in einem einzigen Moment geändert. „Weißt Du noch, Dieter“, sagt Franz und legt Mronz die Hand auf den Arm. „Du hast mal zu mir gesagt, wie großartig das ist, was in Rudolstadt geleistet wird. Von da an war es eine Partnerschaft.“

Bewegt sei er an diesem für ihn besonderen Tag, sagt Bayreuths Alt-Oberbürgermeister Dieter Mronz. Ihm selbst, sagt Mronz mit belegter Stimme, wird mit wachsendem Abstand immer klarer, „was für ein großes Glück wir in diesen dramatischen Zeiten hatten“. Dass die Wende ohne Blutvergießen geschah, während eine Millionen Soldaten der NVA und der Roten Armee in der ehemaligen DDR unter Waffen standen, das grenzt an ein Wunder.


Einen ausführlichen Bericht lesen Sie in der Freitagsausgabe (4. Oktober 2013) des Kuriers.

 

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