Ein Plan für den Ochsenkopf

Die Seilbahn am Ochsenkopf ist in die Jahre gekommen. Ein Neubau möglichst mit Kabinen statt offenen Sesseln ist unabdingbar für die Fortentwicklung des Tourismus am Ochsenkopf. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie, die Richtschnur für die nächsten Jahre sein soll. Foto: Archiv/Brigitte Holtmann

Es soll der Masterplan für die touristische Entwicklung am Ochsenkopf sein. Aus einem "Wunschkonzert" wurde eine Prioritätenliste. Nun wurde das fertige "Infrastrukturelle Entwicklungskonzept" vor zahlreichen Interessierten im Bischofsgrüner Kurhaus vorgestellt. Die Kernaussage: Der gemeinsame Tourismus in den vier Ochsenkopfgemeinden steht und fällt mit der Seilbahn. Und zwar mit einer neuen Seilbahn. Doch es gab auch Projekte, die eine Absage erhielten.

Die Ursprünge: In jedem der vier Orte um den Ochsenkopf gibt es touristische Projekte, die in Arbeit sind, als Idee existieren oder als wünschenswert und nötig erachtet werden. Und weil fast immer Grund und Boden der Staatsforsten betroffen ist, hatte der Forstbetrieb Fichtelberg den Anstoß gegeben, eine zusammenfassende Aufstellung zu machen, was in den nächsten Jahren rund um den Ochsenkopf entstehen soll.

Der Mann und seine Aufgabe: Markus Epple von der Agentur Markt & Standort, Erlangen, ist Wirtschaftsgeograph und beschäftigt sich seit fast 25 Jahren mit den Themen Standort und Entwicklung. Acht Monate befasste er sich mit dem Ochsenkopf und seinen Menschen, die im Tourismus aktiv sind. Seine Aufgabe: alle Vorhaben und Ideen aus den vier Orten abzugleichen, zu bewerten. Zu den Kriterien gehörten: Was kostet künftig der Unterhalt der Anlage? Bringt sie neue Gäste? Gibt es das Gleiche schon im Nachbarort? Hat ein Vorhaben nur örtliche Bedeutung und Wirkung oder regionale? Außerdem hatte er sich mit dem Thema Qualitätsverbesserung im Übernachtungsgewerbe zu befassen. Die Studie kostete rund 23.000 Euro, knapp 14.000 Euro davon kamen als Leaderzuschuss.

Epple bewertete auch die Ferienregion mit dem gegenwärtigen Angebot: "Die entscheidenden Punkte für die Untersuchungsregion Ochsenkopf -- 'gut zum Radfahren', 'gut zum Wandern', 'intakte Umwelt', 'schöne Landschaft' -- sind heute bereits überwiegend erfüllt. Nachholbedarf besteht etwa bei den Indikatoren 'für mich passende Unterkunft', 'Service, 'lokale Küche'."

Anbieter: Derzeit sind nur gut 30 Prozent der Anbieter von Übernachtungsmöglichkeiten in den vier Ochsenkopfgemeinden überhaupt zertifiziert. Epple gab das Ziel aus, diesen Anteil zu verdoppeln. Und wer künftig mindestens drei Sterne hat, soll als Premiumanbieter gesondert vermarktet werden. Epple machte deutlich, dass für viele Interessenten auf der Suche im Internet die Sterne-Kategorisierung oft das erste oder entscheidende Kriterium ist, eine bestimmte Unterkunft zu wählen.

Die Seilbahn: Sie ist für Epple das verbindende Element für die vier Gemeinden. Die Seilbahn sei Ankerpunkt für weitere Infrastruktur und Angebote. Inge Fischer (Skischule Nordbayern) formulierte es später in der Diskussion: "Erst mal muss die neue Seilbahn kommen, dann können die Kleinen wieder investieren."

Epple hatte auch Ranglisten für die Projekte in den einzelnen Kommunen erstellt.

Bischofsgrün: Hier liegt der Fokus eindeutig auf dem Umfeld der Seilbahn mit dem derzeit brachliegenden Lattaliftgelände und einer künftigen Mittelstation auf der Nordseite. An zweiter Stelle kommt das BLSV-Sportcamp mit einer möglichen Sportakademie. Es folgen das beheizte Freibad und die Schanzenarena. Sie ist bisher nur Trainings- und (selten genutzte) Wettkampfstätte und könnte auch Open-Air-Areal für Veranstaltungen sein.

Fichtelberg: Hier steht an erster Stelle die Entwicklung rund um die Bleamlalm. Sie hat das Zeug zu einem weiteren Leuchtturm am Ochsenkopf -- bis hin zur Etablierung eines Sportinternats. An zweiter Stelle folgt das Projekt "Ewiges Eis" -- eine ganzjährige Eishalle am Thermenstandort, eventuell mit einem Sauna-/Spabereich. Einem Wiederaufbau der Therme erteilte Epple eine Absage: "Davon können Sie sich verabschieden bei der Thermendichte, die Sie jetzt schon in der Region haben." An dritter und vierter Stelle kommen das Besucherbergwerk und der Fichtelsee. Die Idee einer Rodelbahn vom Ochsenkopf taucht nicht mehr auf.

Mehlmeisel: Hier ist der künftige Leuchtturm der Klausenhang und seine Fortentwicklung, wo derzeit schon das Familienland entsteht. Es folgen die Projekte Wildparkerweiterung und Baumwipfelpfad.

Warmensteinach: Hier ist ganz klar das Leuchtturmprojekt die Fortentwicklung des Mountainbike- und Radangebots. Es folgen die Projekte Abenteuerspielplatz an der Talstation Süd, der alpine Skisport (Ersatz des Anfängerliftes Talstation, Zauberteppich, Optimierung der Beschneiung im Gipfelbereich) und die Verknüpfung der regionalen und überregionalen Radwege.

Epple abschließend: "Jetzt hat nicht mehr jede Gemeinde eine Liste mit 30 Projekten, sondern mit zwei Projekten, die auch die Chance auf Verwirklichung haben." Oberstes Gebot sei dabei, die intakte Natur des Fichtelgebirges zu erhalten. Volker Audorff aus Fichtelberg -- er ist Sportwissenschaftler an der Uni Bayreuth -- unterlegte das mit Ergebnissen einer Untersuchung von Studenten rund um die Frage, was Outdoorsportler und Aktivtouristen von einer Region wie dem Fichtelgebirge erwarten: "Die Leute wollen einen Ausbau des Angebots. Und sie sind auch bereit mehr dafür zu zahlen. Aber sie wollen den Charakter des Fichtelgebirges nicht verändert haben, wie im Zillertal oder in Sölden."

Wer die Studie im Detail studieren will, findet sie hier.

Einen Bericht darüber, wie man zu einer neuen Seilbahn kommen will, findet man hier.

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