Ein Mann macht Angst Angeklagter mit brutaler Vergangenheit

Im Prozess um eine Discoschlägerei wurde beim Verlesen der Vorstrafen offenbar: Einer der Angeklagten hat eine brutale Vergangenheit. Foto: Britta Pedersen, dpa-Archiv

BAYREUTH. Trotz einer Reihe von Belastungszeugen bestreiten drei Angeklagte, die Täter einer Discoschlägerei vom März zu sein. Jetzt wird einer der wesentlichen Gründe hierfür offenbar: Einer der Männer ist wegen zweier spektakulärer Fälle vorbestraft.

Für den Überfall auf einen Zimmerergesellen im Februar 2013 und den Überfall auf eine Geburtstagsparty im FC Eintracht-Sportheim im April 2013 saß er im Gefängnis – und er steht deswegen noch unter Bewährung.

Vor allem das Verbrechen an dem 27-jährigen Zimmerergesellen erregte damals in Bayreuth Aufsehen. Der Handwerker befand sich damals auf der traditionellen Walz und saß in der Nacht des 16. Februar in einer Gaststätte in der Von-Römer-Straße. Dort trug der Handwerker, gewandet in die klassischer Kluft seines Berufsstandes, Zunftsprüche vor und bekam von den gut gelaunten Gästen die Zeche bezahlt.

Angetrunken begab sich der Zimmerer bei Schneetreiben auf den Weg durch die Fußgängerzone, um sich mit einem Bayreuther zu treffen, der ihm gemäß der Tradition des Wandergesellen eine Übernachtung angeboten hatte.

Mit dem eigenen Zunftstock verletzt

In der Maxstraße ging der angetrunkene Handwerker einem dringenden menschlichen Bedürfnis nach. Bei der Pinkelpause wurde er von zwei jungen Männern angepöbelt. Ein verbaler Streit eskalierte zur Rangelei, bei der der Zimmerer sich mit seinem Zunftstock, dem sogenannten Stenz wehrte.

Die beiden jungen Männer, ein damals 19-Jähriger und ein 21-Jähriger, die beide stark betrunken waren, machten den Handwerker derart brutal nieder, dass der Zimmerer ins Krankenhaus eingeliefert werden musste. Unter anderem zog ihm einer der Männer seinen eigenen Zunftstock über den Schädel.

Die zwei Männer wurden im Dezember 2013 vor Gericht gestellt: Dabei stellte sich heraus, dass sich ihre Wege getrennt hatten. Der Jüngere löste sich von seinem Freundeskreis und schwor dem Alkohol ab.

Der 21-Jährige aber hatte wenige Wochen nach dem Angriff auf den Zimmerer ein noch brutaleres Verbrechen begangen: Bei der Geburtstagsfeier einer 18-Jährgen im Eintracht-Sportheim beging er mehrere gefährliche Körperverletzungen – einmal schlug er einem Kontrahenten eine abgebrochene Flasche von hinten gegen den Hals. Nur wenige Zentimeter fehlten bis zur Halsschlagader und dem entsprechend fehlte nicht viel für einen Schuldspruch wegen eines versuchten Tötungsdeliktes. Er bekam damals eine dreijährige Jugendstrafe aufgebrummt, ein Rest davon ist zur Bewährung ausgesetzt.

Das Urteil wurde jetzt im Prozess um eine Discoschlägerei in der Himmelkronstraße verlesen. Bei dieser Schlägerei wurde ein 28-jähriger Mann Mitte März von drei Angreifern verletzt. Angeklagte sind zwei Brüder und eben jener Mann, der für den Angriff auf den Zimmerer und für den Überfall auf die Geburtstagsfeier drei Jahre bekommen hatte. Er ist heute 26 Jahre alt und soll laut Zeugenaussagen bei der Tat im März einen Schlagstock oder einen Schlagring benutzt haben.

Dem Angeklagten droht erneut Gefängnis

Seine Vorstrafe spielt in dem aktuellen Verfahren eine wichtige Rolle: Erstens dürfte sie im Fall ein Verurteilung ein Hauptgrund sein, dem Angeklagten keine Bewährung zu geben. Zweitens wurde deutlich, dass viele vor dem Mann Angst haben. Ein Zeuge könnte sich strafbar gemacht haben, weil er nach der Schlägerei vom März dem Opfer das Handy wegnahm und so zu verhindern versuchte, dass dieser die Polizei rief. Drittens gab es vor dem Prozess Drohungen: Falls jemand ins Gefängnis müsse, werde jemand „abgestochen“.

Der Prozess wird fortgesetzt.

 

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